Freitag2. Januar 2026

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BudgetBildungshaus bleibt Clerfs größter Investitionspunkt

Budget / Bildungshaus bleibt Clerfs größter Investitionspunkt
Fast drei Stunden wurde im Clerfer Schloss über den Haushalt gesprochen Foto: Editpress/Hervé Montaigu

Das Projekt „Bildungshaus“ schlägt im Clerfer Haushalt 2026 gleich mit mehreren Millionenposten zu Buche. Im ordentlichen Bereich ist die Gemeinde vor allem stolz auf vergleichsweise niedrige Personalkosten.

Mit einem finanziellen Polster von 3,7 Millionen Euro, das aus dem berichtigten Haushalt 2025 in das Jahr 2026 übertragen wird, investiert die Gemeinde Clerf weiter in größerem Ausmaß. Insgesamt sind 46,4 Millionen Euro an außerordentlichen Investitionen vorgesehen – ein Volumen, das klar von einem einzigen Vorhaben geprägt wird: dem Bildungshaus.

Rund zwei Drittel der Gesamtausgaben, konkret etwa 30 Millionen Euro, fließen in unterschiedlichen Posten in dieses Projekt. Allein 15 Millionen Euro sind für die derzeit noch laufenden Bauarbeiten eingeplant, deren Abschluss in den kommenden Monaten erwartet wird. Hinzu kommen acht Millionen Euro für Rückzahlungen an das Finanzministerium, die im Rahmen der Vorfinanzierung des Projekts anfallen. Weitere 3,5 Millionen Euro sind für die Umwandlung der bestehenden „Crèche“ und der „Maison relais“ vorgesehen. Wie weit das Projekt inzwischen fortgeschritten ist, zeigt auch ein weiterer Budgetposten: Für die Anschaffung des ersten Mobiliars des Bildungshauses sind 3,2 Millionen Euro eingeplant.

Neben dem Bildungshaus stehen für 2026 weitere größere Vorhaben auf der Agenda der Gemeinde. So sollen die Bushaltestellen am Campus Reuler in Zukunft vergrößert werden. Angesichts des steigenden Verkehrsaufkommens werde dort bereits jetzt die planerische Grundlage für eine Anpassung der Infrastruktur gelegt.

Weitere Investitionen betreffen die Instandsetzung der Abwasserleitungen in der rue Kleck, das Schwimmbad des Clerfer Campings sowie den Bau eines „Chalet de rencontre“ in Marnach. Auch der Gemeindefriedhof rückt verstärkt in den Fokus.

Im Zuge einer Bestandsaufnahme sei man auf ein unerwartetes Problem gestoßen: Zwischen 40 und 50 Gräber verfügen derzeit über keine gültige Konzession. „Da müssen uns einen Überblick verschaffen – welche Gräber instand gesetzt werden können oder sollen und welche wegkommen“, hieß im Gemeinderat. Rund 30 Grabstellen dürften demnach entfernt werden. Bereits vor etwa zehn Jahren seien die Nachfolger der betreffenden Konzessionen angeschrieben worden – ohne Erfolg. Neben dem verwaltungstechnischen Aspekt spiele nun auch die Sicherheit eine Rolle. „Wir können den Friedhof nicht verfallen lassen“, lautet die klare Position.

Im ordentlichen Haushalt weist Clerf für 2026 Ausgaben in Höhe von 31,2 Millionen Euro auf, denen Einnahmen von 42,3 Millionen Euro gegenüberstehen. Ein wesentlicher Posten bleibt dabei die Lohnmasse, die sich auf 7,5 Millionen Euro beläuft. In den vergangenen Jahren sei diese deutlich angestiegen. Man habe „ziemlich viel rekrutiert“, hieß es, nun müsse jedoch auch „etwas gebremst“ werden.

Trotz des insgesamt positiven Bildes bleibt der finanzielle Spielraum begrenzt: Zum Ende des Jahres 2026 verbleiben voraussichtlich lediglich 367.059 Euro – ein ausgesprochen kleiner Puffer für unvorhergesehene Ausgaben.

Parallel dazu steigt die Verschuldung weiter an. Zum 31. Dezember 2025 beliefen sich die Schulden der Gemeinde auf 14,1 Millionen Euro. Für 2026 ist die Aufnahme weiterer rund 13 Millionen Euro vorgesehen. Damit würde sich die Gesamtverschuldung auf knapp 27 Millionen Euro erhöhen – was einer Pro-Kopf-Verschuldung von knapp unter 4.500 Euro entspricht. Budgetär sehe man sich dennoch „ganz komfortabel unterwegs“, insbesondere im Vergleich mit anderen Gemeinden, lautet die Einschätzung aus dem Schöffenrat.

In der Schlussabstimmung wurde der berichtigte Haushalt 2025 mit neun Ja-Stimmen bei zwei Nein-Stimmen angenommen. Gegen den Haushalt stimmten die Vertreter von „déi gréng“ und ADR. Der Haushalt 2026 fand ebenfalls eine Mehrheit: Er wurde mit neun Ja-Stimmen, einer Nein-Stimme – erneut von ADR – sowie einer Enthaltung von „déi gréng“ verabschiedet.

Das sagt die Opposition

ADR

Michel Lemaire plädiert dafür, bei der „Cité de l’image“ etwas umzudenken. Es gehe hier zwar nicht um hohe Ausgaben, trotzdem solle man überdenken, wie öffentliche Gelder eingesetzt werden. Kritisch äußerte sich Lemaire auch zum Vorhaben in Marnach. Man müsse bereit sein, mehr Geld in die Hand zu nehmen. Es gehe nicht darum, „den Ferrari unter den Sälen“ zu bauen, wohl aber um eine Infrastruktur, die dem Bedarf vor Ort gerecht werde.

„déi gréng“

Verärgert zeigte sich Gemeinderätin Betsy Aschmann über die Entscheidung, das Projekt „Weg der Kinderrechte“ fallen zu lassen – ebenso wie über den Umgang der Gemeinde mit den daran beteiligten Vereinen. „Ich fand es respektlos, wie das vom Tisch gewischt wurde“, kritisierte die Grünen-Politikerin.

DP

In seinem Kommentar zum Haushalt legte Georges Oesterreicher den Schwerpunkt auf die Personalkosten, die inzwischen 22 Prozent des ordentlichen Budgets ausmachen. Entscheidend sei aus seiner Sicht, dass dieser Anteil in den kommenden Jahren nicht weiter ansteige. Darüber hinaus stellte er mehrere Detailfragen zu einzelnen kleinen Unstimmigkeiten im Budget, die jedoch allesamt vom Schöffenrat erläutert wurden. In der Gesamtschau sagt Oesterreicher: Zu rund 95 Prozent sei man mit dem Budget „d’accord“.