HilflosigkeitAdapto-Fahrer setzt Frau im Rollstuhl neben Gleisen aus

Hilflosigkeit / Adapto-Fahrer setzt Frau im Rollstuhl neben Gleisen aus
Die Adapto-Busse sind an die Bedürfnisse von Menschen mit einer Behinderung und älteren Menschen angepasst Symbolfoto: Voyages Unsen

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Für Aufregung sorgte ein auf den sozialen Medien publizierter Zwischenfall beim Adapto-Service. Eine ältere Frau wurde vom Rufbusservice in der Nähe eines CFL-Gebäudes abgesetzt – nicht auf der eigentlich angegeben Adresse. Erst vier Stunden später wurde die Frau zufälligerweise aufgefunden. Das Verkehrsministerium reagiert noch am Abend und weist die Schuld von sich. 

Eine verärgerte Tochter hat sich am Sonntag auf Facebook über den Adapto-Service ausgelassen. Sie schrieb, der zuständige Fahrer habe ihre im Rollstuhl sitzende Mutter in Bettemburg abgesetzt – jedoch nicht am vereinbarten Ziel. Obwohl der Fahrer die genaue Adresse gekannt habe, habe er die Frau auf einem privaten Gelände an einem Gebäude der CFL in der Nähe der Bahngleise abgesetzt – „wo weit und breit nichts ist“. Erst nach fast vier Stunden sei die Frau dort zufällig von CFL-Arbeitern der Nachtschicht entdeckt worden. In einem weiteren Beitrag teilte die Tochter mit, dass ihre Mutter keine merklichen Schäden davongetragen habe.

Da die Frau, die sich selbst nicht fortbewegen und nicht klar ausdrücken konnte, nicht wie geplant am Altersheim abgesetzt wurde, machten sich sowohl ihre Familie als auch die Polizei auf die Suche nach ihr, berichtet Radio 100,7. Eine Begleitperson sei beim Transport nicht anwesend gewesen. Demnach hätte der Bus erst gar nicht losfahren dürfen, so der Sender. Zu diesem Zeitpunkt sei nicht ausgeschlossen, dass die Familie Anzeige erstattet und der Fahrer entlassen wird.

„Verkettung unglücklicher Umstände“

Der Vorfall wird noch am Abend in einer Antwort auf eine dringende parlamentarische Frage von Verkehrsminister François Bausch bestätigt. „Eine Nutzerin des Dienstes wurde neben einem CFL-Gebäude in Bettemburg statt an der angegebenen Adresse abgesetzt, nicht weit von der richtigen Stelle entfernt. Die betreffende Person saß im Rollstuhl; zu ihren Kommunikationsfähigkeiten kann ich nichts sagen“, schreibt Bausch. Man habe sofort Untersuchungen eingeleitet und das zuständige Verkehrsunternehmen zur Rede gestellt. Für den Vorfall sei „eine Verkettung unglücklicher Umstände“ verantwortlich gewesen. 

Erstens hätte die Nutzerin nicht alleine reisen dürfen. Dies sei in den Nutzungsbedingungen des Service auch so festgehalten. Zweitens habe der Fahrer die Frau mitgenommen, obwohl er dies nicht hätte tun dürfen. Nach Angaben des Transportunternehmens war ein Familienmitglied vor Ort, als die Frau am Abfahrtsort in das Fahrzeug einstieg, und soll dem Fahrer versichert haben, dass eine andere Person auf sie warten und am Zielort abholen würde. Drittens habe die Kundin gegen Ende der Fahrt und in der Nähe des im Reservierungssystem angegebenen Ziels den Fahrer gebeten haben, sie an einem anderen, etwas weiter vom Ziel entfernten Ort abzusetzen. Der Fahrer ließ sich den neuen Ort von der Frau bestätigen und setzte sie dort ab, da die Frau ihm versichert habe, dass sie jemand dort abholen würde. Außerdem habe der Fahrer seinen Dienst fortsetzen müssen, da der nächste Kunden bereits wartete. 

„Gewissenhafte Einhaltung“ der Regeln wichtig

Das Ministerium scheint die Verantwortung also an die betroffene Familie und den Fahrer abzuschieben und beruft sich im weiteren Schreiben auf die bestehenden Regeln. „Der Vorfall hat vor allem für den Nutzer und seine Angehörigen auf grausame Weise deutlich gemacht, dass es unerlässlich ist, dass die Nutzungsbedingungen und Betriebsverfahren von allen Beteiligten eingehalten werden.“ Dass es Probleme im bestehenden System gibt, davon scheint Bausch nichts wissen zu wollen. Er beharrt im Schreiben mehrfach, dass eine „gewissenhafte Einhaltung“ der bestehenden Regeln wichtig sei. „Bei dem fraglichen Vorfall und bei Unklarheiten über eine Adresse hätte der Fahrer anrufen können, um sich nach dem Zielort oder dem weiteren Vorgehen zu erkundigen.“ Schließlich gebe es ein Callcenter für solche Notrufe. 

Doch dass beim Adapto-Service einiges im Argen liegt, darüber klagen Betroffene schon seit mehreren Jahren. Unter anderem soll es Schwierigkeiten bei der Buchung von Fahrzeiten, dem Abholen und Absetzen sowie der Pünktlichkeit wegen sogenannter „Sammelfahrten“ geben. Weiterhin sollen die verantwortlichen Stellen oft nicht telefonisch erreichbar sein. Das Tageblatt berichtete bereits 2021 über den Fall von Bernd Eller aus Eischen, der durch die Komplikationen beim Transport seine Arbeit zu verlieren drohte. Im August 2021 wurde vom Verkehrsministerium eine neue App angekündigt, die den Adapto-Dienst vereinfachen sollte. Scheinbar hat dies aber nicht zur Lösung der Probleme beigetragen. 

Ein solches Versagen beim verlässlichen Transport von älteren und/oder Menschen mit Behinderung ist besonders gravierend, da sich Luxemburg schon seit Jahren einen Aktionsplan zur Umsetzung des Übereinkommens der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen gegeben hat. Der Aktionsplan, der unter der Koordination des Familienministeriums steht, soll diesen Menschen ein würdiges und selbstständiges Leben ermöglichen. Doch geht es in der Umsetzung vieler Aspekte des Aktionsplans nur schleppend voran. Dazu gehört eine Verbesserung der Mobilitätsmöglichkeiten für ältere und/oder Menschen mit Behinderung, aber auch geplante Gesetzesprojekte wie z.B. eine Reform des Vormundschaftsgesetzes lassen auf sich warten. 

Bloen Hary
18. Juli 2023 - 11.04

Wie der grüne Herr so's Gescherr!

de Jang den Daafen
18. Juli 2023 - 9.23

Das nennt man Menschlichkeit? Einfach menschenunwürdig.! Die Wenigstens sind zu einem " geste gratuit " fähig und Empathie ist nicht angesagt. Traurige Gesellschaft.

Nomi
17. Juli 2023 - 22.28

""Im August 2021 wurde vom Verkehrsministerium eine neue App angekündigt, die den Adapto-Dienst vereinfachen sollte."" Eng App. Eng falsch Lei'sung fir de falschen Problem ! FB huel dein Hutt !!