22. Februar 2011 16:59;Akt: 22.02.2011 17:19

Importverbot für Gen-Futtermittel wankt

EUROPA

Die Europäische Union will künftig geringfügige Rückstände nicht zugelassener genetisch veränderter Pflanzen in Futtermittelimporten zulassen.

Die Regulierung für Gen-Futtermittel tritt inkraft, wenn das Europäische Parlament ihr in den kommenden drei Monaten nicht widerspricht. (Bild: dpa)

Ein Expertengremium der 27 Mitgliedstaaten stimmte am Dienstag in Brüssel dafür, die bisher geltende Pflicht zu hundertprozentiger Reinheit etwa von Soja-Lieferungen zu kippen. Stattdessen gelte unter bestimmten Bedingungen künftig ein Grenzwert von 0,1 Prozent, erklärte die EU-Kommission. Eine einheitliche Messmethode mit diesem Limit sei notwendig, da bisher wegen des unterschiedlichen Vorgehens der Labore eine zu große Unsicherheit für die Futtermittelimporteure in Europa bestehe.

Die Futtermittelindustrie hatte ein Abgehen von der strikten Null-Toleranz-Grenze gefordert, weil sonst erneut wie schon vor zwei Jahren Schiffsladungen aus den USA oder Brasilien in europäischen Häfen abgewiesen werden müssten. Tierfutter könnte dann knapp und teurer werden. Umweltverbände und Grüne bestritten, dass ein solcher Futternotstand droht. Sie warfen der EU-Kommission vor, sich von der Industrie unter Druck setzen zu lassen und damit die bisher restriktive Politik der EU zu genetisch veränderten Organismen (GVO) aufzuweichen. Jetzt bestehe die Gefahr, dass auf Druck der GVO-Lobby auch Nahrungsmittel kontaminiert werden könnten, warnte Greenpeace.

Warten auf EU-Parlament

Frankreich und Ungarn hatten sich in dem Expertenausschuss dafür eingesetzt, dass die Bedingungen, unter denen Rückstände von GVO in Futtermitteln erlaubt sind, schärfer ausfielen als von der Kommission zunächst vorgeschlagen, wie ein EU-Diplomat sagte. Danach müssen Genmais oder -soja in einem Drittland schon zugelassen und auf Gesundheitsgefahren hin geprüft worden sein. Ein Antrag auf Zulassung in der Europäischen Union müsse schon mindestens drei Monate laufen. Zudem muss die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA festgestellt haben, dass von einem Anteil von 0,1 Prozent im herkömmlichen Futter keine Gefahren für Gesundheit und Umwelt ausgehen.

Die Regulierung tritt inkraft, wenn das Europäische Parlament ihr in den kommenden drei Monaten nicht widerspricht. Im vergangenen Jahr führte die EU mehr als 51 Millionen Tonnen Futtermittel ein, vor allem Soja und Mais aus den USA, Brasilien und Argentinien. Etwa die Hälfte davon sind zulässige genetisch veränderte Pflanzen. Die Mehrheit der Verbraucher lehnt vor allem bei Lebensmitteln Gentechnik ab.

Reuters

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  • Reinhard Fiegenbaum am 23.02.2011 13:34 Report Diesen Beitrag melden

    51 Mill.to Futtermittel wurden 2010 in die EU für unsere Massentierüberproduktion eingeführt.Fleisch usw. werden wieder zurückgekarrt. Der entstandene Mist-Gülle verseucht mehr u. mehr unser Trinkwasser. Welch ein Irrsinn auf Kosten der Bevölkerung,Tiere u.Natur.

  • Gisela Richter am 22.02.2011 18:26 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn diese Barriere für Verunreinigungen fällt, so ist das absolut der Einstieg in die GenTechnik für uns in Europa! Was in den USA u. Kanada läuft, haben wir ja durch etliche Film-Dokus - z.B. food Inc. in 3Sat vor einigen Wochen - sehr eindringlich vor Augen "gespielt" bekommen. Wir müssen mit allen uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten dieses zu verhindern versuchen!!! Is gibt kein RESTRISIKO Mit engagierten Grüßen Gisela Richter