23. September 2009 09:50; Akt: 23.09.2009 09:50 Print

Russlands Botschaft erstrahlt in neuem GlanzRusslands Botschaft erstrahlt in neuem Glanz

Schweren Herzens verlässt Edouard Roubenovitch Malayan, Russlands Botschafter in Luxemburg, seine majestätische Residenz im Stadtteil Beggen. Nach vier Jahren ist seine Amtszeit in Luxemburg nun vorbei./ Emile Hengen (Text), Isabella Finzi & Hervé Montaigu (Fotos)

  • Artikel per Mail weiterempfehlen

BEGGEN - Ans Aufhören denkt Edouard Malayan aber nicht: „Ich könnte natürlich in den Ruhestand gehen und von der politischen Bühne abtreten, doch ich habe mich dazu entschieden, weiterhin meinem Land zu dienen“, verriet der Botschafter gestern während eines kurzen Rundgangs durch das frisch renovierte „Château de Beggen“, Russlands Botschaft in Luxemburg. Viel Zeit für ausführliche Erklärungen und Stellungsnahmen blieb ihm allerdings nicht, denn es gab an diesem sonnigen Vormittag, wenige Stunden vor seiner offiziellen Abschiedsfeier, noch so einige Termine wahrzunehmen.
Als Edouard Malayan im Jahr 2005 ins Beggener Schloss einzog, befand sich dieses in einem desolaten Zustand. Dank des unermüdlichen Einsatzes des Botschafters war es anhand einer millionenschweren Finanzspritze des russischen Staates überhaupt möglich, das historische Denkmal vor dem vollständigen Zerfall zu bewahren. Mehr als vier Millionen Euro pumpte Russland in aufwendige Renovierungs- und Sanierungsarbeiten des „Château de Beggen“, das am 5. Juni des Jahrs 1973 in den Besitz der UdSSR ging. Die Russische Föderation behielt als Nachfolgestaat der Sowjetunion ihren diplomatischen Sitz an gleicher Stelle.

Königliches Anwesen

Ganze drei Jahre lang verzierten russische sowie europäische Architekten und Bauarbeiter das zwischen 1894 und 1896 von Janssens erbaute Neurennaissance-Schloss. Der Botschafter selbst ist stolz darauf, dass er während seines Aufenthalts im Großherzogtum dazu beitragen konnte, den Sitz der russischen Botschaft in Luxemburg zu verschönern und langfristig aufzuwerten. Traurig zu gehen, ist der Schlossherr aber nicht: „Auf mich warten neue Herausforderungen“, führte er an, bedankte sich abschließend mit einem liebenswürdigen Händedruck und verschwand ganz unverhofft hinter einer massiven Holztür. Dimitry Valdaev, Sprecher des Botschafters, führte uns anschließend durch das pittoreske Anwesen, das schon sehr bald von einem neuen Botschafter bezogen wird, und gewährte uns Einblicke in private Räume, die sonst nur von russischen Diplomaten betreten werden dürfen.
Der neue Botschafter darf sich jedenfalls auf eine prunkvolle, wenn nicht gar königliche Unterkunft freuen, denn die Botschaft dient Russland nicht nur als Arbeitszimmer für internationale Beziehungen, sie ist zugleich der feste Wohnsitz des Botschafters und dessen Familie. Edouard Malayan lebte nur die ersten Monaten nach seiner Ankunft im ersten Stockwerk des Beggener Schlosses, denn als die Renovierungsarbeiten begannen, musste nicht nur er, sondern auch die Angestellten der Botschaft das Schloss verlassen. Die Diplomaten mussten improvisieren, richteten ihre provisorischen Arbeitszimmer in dem Gebäudekomplex ein, in dem die Angestellten der Gesandtschaft wohnen, und ihre offiziellen Empfänge veranstaltete die russische Botschaft im „Grand Théâtre“.
„Bei den Renovierungsarbeiten haben wir versucht, so viel wie möglich von der Seele des Schlosses zu bewahren. Beschädigtes Mosaik wurde anhand von kostspieligen Verfahren vollständig restauriert, morsche Holztüren, Wände und Decken wurden originalgetreu nachgebaut, Möbel manufakturell in Italien hergestellt und Accessoires auf dem Antiquitätenmarkt erworben“, verdeutlichte Dimitry Valdaev.
Dass sich der Aufwand sowie die Investition auf jeden Fall gelohnt haben, davon konnten sich am vergangenen Wochenende rund 300 Besucher, die im Rahmen der „Journées européennes du patrimoine“ erstmals das neu sanierte Beggener Schloss besichtigten, überzeugen. Und auch die verzwickte Frage, welche denn nun die prachtvollste Botschaft in Luxemburg sei, ist ein für alle Mal geklärt!