Es war an einem Abend im Jahr 1998, als ich gemeinsam mit einem Freund und einem Bekannten erwischt wurde. Ich war 23 Jahre alt. Die Polizei fand drei Gramm Cannabis im Handschuhfach. Ich war der Beifahrer. Mit einem Großaufgebot wurden wir abgeführt und mussten die Nacht voneinander getrennt in kalten, weiß gefliesten Ausnüchterungszellen verbringen. Bevor der Morgen anbrach, wurden wir nacheinander von Polizeibeamten verhört. Sie wollten wissen, wo wir das Cannabis gekauft hatten. Ich gestand, dass ich es aus Holland hatte, wo man zu der Zeit noch ungestört und ohne Vorzeigen eines Ausweises in Coffeeshops einkaufen konnte. Tatsächlich hatte ich es von einem Freund bekommen, der damals das Risiko auf sich genommen hatte, dafür zu sorgen, dass es ab und zu etwas zu rauchen gab. Er war kein “Dealer”. Er verkaufte nur an Freunde und verdiente damit nicht einmal ein Taschengeld.

Ich kann den Polizisten keinen Vorwurf machen. Sie taten vermutlich, was ihnen gesagt wurde. Doch sie wollten mir einreden, dass ich meine Eltern und die Gesellschaft enttäuscht hätte. Wegen drei Gramm Cannabis. Die Staatsanwaltschaft sah von einer Anklage ab.

Ich bin beileibe nicht der Einzige, der diese unangenehme Erfahrung machen musste. Laut Bericht der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA), der vergangene Woche veröffentlicht wurde, konsumieren in Europa 17,2 Millionen Menschen im Alter von 15 bis 34 Jahren Cannabis. Einer 2017 von der Regierung veröffentlichten repräsentativen Umfrage zufolge haben in Luxemburg 23,3 Prozent der Befragten im Alter zwischen 15 und 64 Jahren wenigstens einmal in ihrem Leben Cannabis geraucht. Im Bericht der Pressestelle der großherzoglichen Polizei finden sich seit Jahren wöchentlich Meldungen von Bürgern, die wegen des Besitzes einer geringen Menge Marihuana straffällig geworden sind.

Die luxemburgische Regierung hat im Oktober 2017 beschlossen, Cannabis für medizinische Zwecke freizugeben. Auch andere europäische Länder gehen diesen Weg. In den USA ist man derweil schon weiter. Einige Bundesstaaten haben Cannabis auch als Genussmittel legalisiert.

In Luxemburg tut man sich damit noch schwer. Die CSV ist gegen eine generelle Liberalisierung weicher Drogen, wie der Fraktionsvorsitzende Claude Wiseler im Januar gegenüber dem Tageblatt bekräftigte. Auch DP und LSAP zeigten sich von der Idee nicht sonderlich begeistert. Nur “déi gréng”, “déi Lénk” und Piraten/PID scheinen bislang für die Legalisierung zu sein. Und vielleicht wäre auch die ADR zu begeistern, wenn man sein “Tiitchen” doch nur auf “Lëtzebuergesch” bestellen könnte.

Mit der öffentlichen Petition Nummer 1031 könnte sich nun tatsächlich etwas ändern. Der Initiator fordert, dass Cannabis künftig unter bestimmten Bedingungen in Coffeeshops frei erhältlich sein soll. Nach nicht mal einer Woche haben bereits über 7.000 Menschen die Petition unterzeichnet. Das zeigt, wie groß das Bedürfnis nach einer öffentlichen Diskussion in Luxemburg ist. Der Gesetzgeber kann nicht mehr einfach nur wegschauen.

Und mit etwas Weitsicht und Verstand lässt sich die eher gesellschaftsliberale Dreierkoalition vielleicht doch noch zu einem weiteren Wahlgeschenk hinreißen. Damit die Kriminalisierung von Cannabis-Konsumenten endlich aufhört.

15 Kommentare

  1. Das Modell California funktioniert doch gut, man sollte in Luxemburg das selbe Prinzip anwenden und Cannabis endlich voll und ganz legalisieren…Ich rauche zwar selbst lieber meine Pfeife, aber Cannabis sollte auch als Genussmittel frei verfügbar sein wie auch schon in der Schweiz wo man es sogar bei den Discountern bekommen kann…CSV hin oder her.

  2. wären die Herren Politiker der Natur gegenüber so aufgeschlossen wie dem Spacemining 😉 dann könnte viel passieren 🙂 da dies jedoch nicht der Fall ist.. grösstenteils wegen misinformationen… träumen wir gemütlich bei einem illegalen tütchen weiter…
    Ist in seiner basis eh ein Hohn Natur für illegal zu erklären … 🙂

  3. Leider ist Cannabis als Geschäftsmodell noch nicht in den Köpfen der Politiker angekommen. Sie vertrauen lieber auf unverständliche Steuerkalkulationen die diese nicht in der Öffentlichkeit zu sehen sind. Vielleicht ist Cannabis einfach zu sichtbar

  4. Zu Bouneweg hannert der Bréck sin déi haart Drogen toleréiert. D’Fixerstuff as bekannt bei allen Dealer an eisen Staat mecht net nemmen d’Aen zou mee eis Gemengen Jongen gin och nach all moies dohin gescheckt fir ze botzen. Alkohol as déi schlemsten legal Drog am Land wou all Joer vill vill Leit stiewen an ongléck brengen. Dann losst déi Leit och daat harmloost Grass oder Dope femmen déi daat wellen.

  5. Wenn aus gesundheitlichen, Abhängigkeits, oder sonst irgentwelchen scheinheiligen Gründen Cannabis nicht legalisiert werden sollte, werde ich demnächst eine Petition einreichen um ALKOHOL-und Zigarettenkonsum zu verbieten.
    Diese Drogen werden sogar in der Kirche auf dem Altar öffentlich konsumiert und sind nachweislich tödlich !

  6. Ein illegaler Handel wird immer bestehen bleiben und zwar der Verkauf dann an Jugendliche.
    Ich habe genug Leute kennen gelernt die jung waren, sportlich und durch das Gras wurden sie faul, lustlos usw.

    • Lieber Leser,

      darf ein Alkohol-Konsument den Genuss seiner Droge nicht auch verteidigen? Darf sich zur Verkehrspolitik nur der äußern, der nie Auto, Zug oder Fahrrad fährt?

      Zudem: Es handelt sich beim vorliegenden Stück um einen Kommentar – also einen absichtlich subjektiv gehaltenen Meinungs-Text, bei dem die persönliche Ansicht (und/oder Erfahrung) des Autors besonders gefragt ist!

      Beste Grüße,
      Ihre Redaktion

      • Ein Konsument wird seine “Droge” immer verteidigen. Egal ob es sich um den gelegentlichen Genuss oder um krankhafte Abhängigkeit handelt.
        Die Geschichten und Ausflüchte sind dabei immer die Selben.

        Das sollte eine Redaktion beim veröffentlichen solcher Kommentare ebenfalls berücksichtigen.

        P.s. Damit will ich dem Herrn Laboule nichts unterstellen. Es handelt sich hierbei um eine allgemeine Aussage.

        • Ich bin z.B auch Alkoholkonsument wenn ich in die Kneipe mit Kumpels einen holen geh, aber ich verteidige Alkohol aber unter keinen Umständen , denn Alkohol ist Momentan und wird auch immer die Tödlichste Droge von allen Bleiben .
          74.000 Tode durch Alkohol letztes Jahr (DE) , dagegen sind bei Cannabis keine Fälle bekannt, da man nie die Tödliche Menge Thc aufnehmen kann , dafür ist dein Körper mit dem Abbau zu schnell , dies wurde auch von Wissenschaftler belegt und bewiesen .
          Ich habe aber noch nie mitbekommen das irgendwas gegen Alkohol unternommen wird obwohl sie von der Statistik her wesentlich tödlicher ist als andere Drogen ? oder ist dies auch nur “Geschichten und Ausflüchte”?

Kommentieren Sie den Artikel


Please enter your comment!
Please enter your name here