Europaweit belaufen sich die Kosten unbehandelter, beeinträchtigender Schwerhörigkeit auf 216 Milliarden Euro im Jahr. Mit jährlichen Folgekosten von 185 Milliarden Euro kostet unbehandelte Schwerhörigkeit somit 25 Millionen Euro mehr als der gesamte EU-Haushalt für das Jahr 2018. Die Kosten entstehen durch eine verringerte Lebensqualität und eine höhere Arbeitslosenrate bei Betroffenen. Dies belegt die neue, wissenschaftliche Studie „Hearing Loss – Numbers and Costs“ („Schwerhörigkeit – Zahlen und Kosten“). Ihre detaillierten Ergebnisse werden am 6. März 2019 in einer Konferenz im Europäischen Parlament in Brüssel präsentiert. Die Konferenz findet im Rahmen des Welttags des Hörens am 3. März statt, der in diesem Jahr unter dem Motto „Teste dein Gehör“ steht.

Unbehandelte, beeinträchtigende Schwerhörigkeit verringert die Lebensqualität der Betroffenen, was innerhalb der EU im Jahr 130 Milliarden Euro kostet. Durch eine höhere Arbeitslosenrate bei der betroffenen Personengruppe entsteht ein Produktivitätsverlust, der jährlich wiederum Folgekosten von 55 Milliarden Euro verursacht.

Schwerhörigkeit ist genau definiert

Wann es sich bei einem Hörverlust um eine beeinträchtigende Schwerhörigkeit handelt, ist durch die Forschergruppe des Projektes „Global Burden of Disease“ (GBD), „Globale Krankheitslast“, genau festgelegt und als ein Hörverlust von mehr als 35 dB definiert.
Die Studie zeigt auch, dass der Gebrauch von Hörgeräten und anderen Hörlösungen das Wohlbefinden und die Lebensqualität schwerhöriger Menschen steigert. Sie weist zudem nach, dass Menschen mit einer beeinträchtigenden Hörminderung, die unbehandelt bleibt, ein höheres Risiko haben, zu vereinsamen und in ihren kognitiven Fähigkeiten nachzulassen sowie an Depression und Demenz zu erkranken.

In der EU leben 34,4 Millionen Menschen mit einer beeinträchtigenden Hörminderung und mehr als 22 Millionen von ihnen werden nicht behandelt. Das heißt, dass nur etwa jeder dritte Schwerhörige in der EU mit Hörgeräten oder anderen Hörlösungen versorgt ist. Insgesamt beläuft sich die Anzahl der Personen, bei denen eine beeinträchtigende Schwerhörigkeit unbehandelt bleibt, auf mehr als die Summe der Bevölkerungen von Österreich, Finnland, Irland und Litauen.

Immer mehr Hörminderungen in den kommenden Jahren

Im Zuge der zunehmenden Alterung der Gesellschaft, der steigenden Lebenserwartung des Einzelnen sowie des früheren Beginns einer Schwerhörigkeit durch erhöhte Lärmbelastung wird die Zahl der Menschen mit Hörminderung in den kommenden Jahren noch weiter ansteigen.

Alle in die Metastudie einbezogenen Veröffentlichungen wurden in den letzten zwei Jahrzehnten publiziert und beschäftigen sich mit der Häufigkeit und den Folgen von Schwerhörigkeit sowie der Anwendung und dem Nutzen von Hörgeräten. „Die Studie führt uns deutlich vor Augen, dass unbehandelte Schwerhörigkeit ein erhebliches und weit verbreitetes Gesundheitsproblem darstellt, das eine immense ökonomische und soziale Auswirkung auf unsere Gesellschaft hat. Der Bericht zeigt aber auch, dass sich eine Untersuchung des Gehörs und die Behandlung einer Schwerhörigkeit auszahlen. Dies gilt sowohl für den Einzelnen als auch für die Gesellschaft“, so Kim Ruberg, Generalsekretär der Interessengemeinschaft hear-it AISBL, die den Bericht veröffentlicht hat. „Falls Sie glauben, schwerhörig zu sein, möchte ich Ihnen eine Untersuchung Ihres Gehörs ans Herz legen. Sie können damit beginnen, Ihr Gehör selbst mit der ‚Check your hearing‘-App der WHO zu testen, auf unserer Internetseite www.hear-it.org oder auf der deutschsprachigen Informationsseite www.ihr-hoergeraet.de. Sollten Sie tatsächlich Hörprobleme haben, rate ich Ihnen, sich einem eingehenden Hörtest bei einem Hörexperten zu unterziehen, also bei einem Hörakustiker oder HNO-Arzt“, fährt Kim Ruberg fort.

Aktionstag soll auf Möglichkeiten aufmerksam machen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) veranstaltet alljährlich am 3. März den Welttag des Hörens. Mit diesem Aktionstag möchte die WHO auf die Möglichkeiten aufmerksam machen, Taubheit und Schwerhörigkeit vorzubeugen, sowie den Gehörschutz und die Hörgeräteversorgung zu fördern.

Dieses Jahr steht der Welttag des Hörens unter dem Motto „Check your hearing“ (zu Deutsch: „Teste dein Gehör“). Die Studie „Hearing Loss – Numbers and Costs“ wurde im Auftrag der hear-it AISBL von Prof. em. Bridget Shield mit Unterstützung von Prof. Mark Atherton erstellt. Beide sind an der Brunel Universität London tätig.

Hear-it AISBL ist eine internationale, nicht kommerzielle Organisation mit Sitz in Brüssel. Ihr Ziel ist es, aktuelle wissenschaftliche Informationen und relevantes Wissen zum Thema Schwerhörigkeit, ihren menschlichen und sozioökonomischen Folgen sowie Behandlungsmöglichkeiten zu sammeln, auszuwerten und zu verbreiten.

6 Kommentare

  1. Eng Firma get zo’ugemeet wann do mei’ wei’ 80dB Kamei’di ass.
    Mein Auto, wann e klengt Laeschelchen am Auspuff ass, get immobilisei’ert wann och nemmen 60db!
    E Mottorrad kann fuhren egal wei’vill Kamei’di et mecht, an dann och nach an den Urtschaften, an Nuetz !
    E Mottorad kann och nach fuhren wann den Auspuff traffikei’ert ass!

    Do stemmt Eppes net !!!!

  2. An der Disco sinn et 120dB wo’u d’Leit sech d’O’eren futti machen, an do get net kontrollei’ert !
    Ah jo em dei’ Zeit do lei’en di vun der ITM doheem bei der TV !

  3. Ich hab mal gemessen, wieviel db ich abbekomme, wenn ich innerhalb der Stadt von A nach B gehe, Grund bis Belair. Da schlug meine App weit über die gesetzlich angestrebten 70db aus, mit Peaks von über 100db, produziert von Automobilen. Von stinkenden, brabbelnden, knallenden, sorry für den Ausdruck, furzenden Straßenraketen, die meinesachtens auf die Rennpiste gehören, wobei Zweiräder den Autos in nichts nachstanden.
    Auf Anfrage bei der Gemeinde, wie denn die gesetzlichen Normen für Lärmemissionen bei Automobilen überprüft werden kam eine lakonische Antwort, die Polizei wäre nicht mit dem nötigen Material ausgestattet, Schallemissionen zu messen.
    Wenn Fahrradfahrer aber Kopfhörer tragen, um sich vielleicht halbwegs gegen die omnipräsente Aggression zu schützen, werden sie Gebührenpflichtig verwarnt, derweil die nächste Lärmmaschine das Gespräch mit den Polizisten schon fast unmöglich macht.
    Es gibt also da draußen eine Minorität von Hirngeschädigten, die mit Automobilen rumfahren, die so viel Lärm produzieren, daß ich es persönlich eigentlich schon als physischen Angriff auf meinen Körper empfinde.
    Dazu kommen dann Baustellen, wo für Arbeitnehmer und -geber eigentlich recht strikte Regeln zum Schutz vor schädlichem Lärm bestehen, sowie Flugzeuge…
    Mir tun da manchmal die Ohren weh und ich fühl mich als ob ich gerade aus einem heavy metal Konzert mit Überlänge käme.
    Dabei hab ich nur sanfte Mobilität praktiziert.

    • Sie haben vollkommen recht @ Aender T. Aber mit gesundem Menschenverstand und mit einem Appell an die Vernunft scheint es leider nicht getan!

  4. In 50 Jahren laufen vermutlich die meisten mit einem Hörgerät herum. Selbstverschuldete Schwerhörigkeit oder Taubheit! Es ist wie mit so Vielem, wir rennen mit offenen Augen, ungebremst mit Vollgas in die Mauer.

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