Wer als Golfspieler in den Westen Frankreichs fährt, der sollte Ball und Schläger nicht vergessen. Allein in der Normandie gibt es 40 Golfplätze und ähnlich viele in der Bretagne. Helmut Wyrwich hat auf einigen von ihnen gespielt und kann Geschichte und Geschichten über sie erzählen. Hier und heute: der Golfplatz der Seeräuberstadt Saint-Malo.

Warum sollte man zum Mont-Saint-Michel fahren, sich dort einquartieren und dann nach einem Besuch nicht mehr wissen, was man eigentlich tun soll, weil es sonst nichts zu tun gibt? Mit Ausnahme der Klosterinsel gibt es keine Attraktionen in der Bucht. Und selbst in der Hochzeit des Tourismus, mitten im Sommer, schließen in der wichtigsten Zugangsstadt Pontorson montags die Geschäfte, weil das montags eben so ist. Es gibt zunehmend Touristen, die mehr verlangen, es nicht mehr beim Besuch einer Sehenswürdigkeit belassen, tiefer in Regionen einsteigen und anders denken. Der Golfklub von Saint-Malo hat diese Tendenz früh erkannt.

Als ich in den 90er Jahren den Klub erstmals entdeckte, wirkte er zerzaust, nicht gerade in bestem Zustand. Das hat sich 25 Jahre später gründlich geändert. Serge Raulic, graue Eminenz in der Wirtschaft der Hafenstadt und selbst Golfspieler, entdeckte die Anlage und nahm sich ihrer an. Nach und nach wurde ein altes Gebetshaus von Mönchen aus dem 18. Jahrhundert in ein Klubhaus mit Restaurant umgewandelt. Ein Drei-Sterne-Hotel mit 30 Zimmern im selben Stil wurde angebaut. Ein Außenschwimmbad mit auf 29 Grad aufgeheiztem Wasser entstand, ein Fitnessraum mit den üblichen Quälgeräten wurde eingerichtet. Und der Golfplatz? Er ist ein 6.100 Meter langes Schmuckstück mit über 18 Löchern geworden. Weitere neun Löcher stehen Golfern zur Verfügung, die so lange Spaziergänge nicht machen möchten.

Eine eigene Sportwelt

Der Golfplatz Saint-Malo ist eine Klubanlage. Wer hineinfährt, befindet sich in seiner eigenen Sportwelt. Der Platz mit seinen 18 Löchern ist für Anfänger genauso spielbar wie für ausgefuchste Golfspieler. Spaß macht er immer, auch wenn er über viele Überraschungen verfügt. Es beginnt mit dem Wasser, über das der Abschlag zu Beginn des Spieles führt, und endet mit einem Wassergraben vor dem Grün von Loch 18. Aber das ist noch nicht alles. An Loch sechs darf man über einen 50 Meter breiten Wassergraben zum tiefer liegenden Grün spielen, an Loch 16 sind es einige Meter mehr zum höher liegenden Grün. Es gibt Bahnen, über die sich „Longhitter“ freuen werden.

Aber gewinnen kann man die Spielbahnen nur mit dem kurzen Spiel auf den letzten Metern vom Fairway zum Grün. Seinen wahren Charakter versteckt der Platz gründlich.

Mit dem Hotel hat der Golfplatz seine Philosophie tiefgreifend gewandelt. Es ist heutzutage eine internationale Anlage. Briten, Dänen, Niederländer, Schweizer, Deutsche und auch Luxemburger finden sich hier ein. Von der Anlage aus kann man dem Mont-Saint-Michel in 30 Minuten Fahrt den Halbtagsbesuch abstatten, den er verdient.

Der Besuch der alten Seeräuberstadt, die etwa zehn Minuten Autofahrt entfernt liegt, lohnt sich ebenfalls allemal. Von hier aus startete der Freibeuter Surcouf mit königlichem Freibrief zu seinen Beutezügen, versteckte Teile der Beute vor dem Zoll und kaufte sich davon große Ländereien. Fährt man einmal über eine kleine, enge Brücke zum Spiel auf den Löchern sieben bis 16, dann befindet man sich auf dem ehemaligen Jagdgelände des Freibeuters. Der Wald ist über die Jahrhunderte allerdings ziemlich ausgedünnt worden. Von Saint-Malo startete einst auch Jacques Cartier, um den Sankt-Lorenz-Strom und Kanada zu entdecken.

Wer sich eine Woche im Hotel des Golfklubs niederlässt, der wird dem Spiel im Golfklub von Dinard (zweitältester Frankreichs) oder in Val André mit einem atemberaubenden Loch zehn kaum widerstehen können. Man kann in Dol-de-Bretagne auch auf einem Gelände spielen (Les Ormes), das rund um einen Campingplatz mit Schwimmbad gebaut ist, und unter Baumhäusern seine Abschläge machen. Hier ist Golf Bestandteil von Massentourismus.

Für Ausflüge bietet sich die kleine, aber schicke Einkaufsstadt Dinard gegenüber von Saint-Malo an oder die freundliche Stadt Dinan mit ihren mittelalterlichen Mauern. Nicht zu vergessen die Austernstadt Cancale, wo man die Meeresfrüchte unbedingt verkosten sollte. Hat man das alles erledigt, dann hat man eine interessante Ferienwoche mit dem zentralen Punkt des Golfplatzes Saint-Malo hinter sich.

Golf braucht immer etwas mehr. Golf allein reicht nicht. Man braucht Ausflüge, Kultur, Besichtigungen. Plant man Urlaub anders, dann kann ein Golfklub wie jener von Saint-Malo am Rande großer Denkmäler zum eigentlichen Zentrum werden, so wie für die beiden Belgierinnen, die kein Golf spielen, sich aber auf dem Golfplatz einquartierten, um die Gegend zu erkunden. Übrigens: Nirgendwo schläft man ruhiger als auf einem Golfplatz, wo auf den Fairways in der Regel ab 20 Uhr Ruhe herrscht. Ferien auf einem Golfplatz und auf dem Gelände eines alten Piraten: ein ganz neues Gefühl.

1 Kommentar

  1. Golf ist ein sehr schöner Sport, wenn diese schnöseligen Damen nicht wären, die ausser einen mit Geld geheiratet, nichts anderes im Leben geleistet haben und sich aufpusten wie Donald Trump. Nein, der ist noch sympatisch im Vergleich mit denen.

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