Es ist eine hochpolitische und brandaktuelle Veranstaltung – vor allem in Zeiten ungebrochener Flüchtlingsströme Richtung Europa und Luxemburg. Der „Salon du livre“ mit 36 Schriftstellern aus diversen Ländern, die dieses Jahr präsentiert werden, ist Teil des „Festival des migrations, des cultures et de la citoyenneté“. Dort wird es auch vor dem Hintergrund der aktuellen Politik Diskussionen zur Flüchtlingsproblematik geben.

Jean-Philippe Ruiz, Organisator des „Salon du livre“

Der „Salon“ will die Anerkennung fremder Kulturen und eine Verbindung zwischen Herkunftsland und Wohnort über die Literatur fördern. Hört sich kompliziert an, ist es aber nicht, wie ein Beispiel verdeutlicht. „Wenn ein junger Kapverdier, der hier geboren ist, beim ‘Salon’ entdeckt, dass es Schriftsteller und Autoren aus dem Land seiner Eltern gibt, ist das eine Anerkennung“, sagt Jean-Philippe Ruiz, Direktionsmitglied beim Veranstalter CLAE und Organisator des „Salon“.

Das fördere auch die eigene Identität der zweiten Generation von Einwanderern. „Integration heißt Anerkennung durch andere“, bringt er es auf den Punkt. Bücher aus anderen Kulturen seien ein Teil davon zwischen Speisen, Getränken, Musik und Ständen der ausländischen Vereine. „Unser ‘Salon’ ist nicht mit dem von Paris zu vergleichen“, sagt Ruiz, „deswegen haben wir bis jetzt auch keine eigene Veranstaltung daraus gemacht“.
Die Präsentation ausländischer Literatur gehört vielmehr zum Inventar des Festivals, der „Salon“ liegt am Eingang des Festivals. Er ist der „Opener“, um in eine andere Welt einzutauchen. Wer essen, trinken, diskutieren und feiern möchte, muss an den Büchertischen vorbei.

“Literatur zeigt die Seele eines Landes”

Zum ersten Mal ist in diesem Jahr Malta mit Autoren vertreten. Der Grund ist höchst einfach: „Malta ist wie Luxemburg ein Einwandererland“, sagt Ruiz, „und ich fand es interessant, die Menschen beider Länder, die sich mit Migrationsfragen beschäftigen, zusammenzubringen“. Ein Rundtischgespräch beschäftigt sich mit dem Thema „La traduction littéraire entre Malte et le Luxembourg“, bei dem Jean Portante mit auf dem Podium sitzt. Außerdem gibt es eine Lesung unter dem Titel „Landlocked, Sealocked“, die sich mit der Schließung der Grenzen zu Land und zu Wasser beschäftigt. Die Initiative kommt von der maltesischen Gemeinschaft in Luxemburg.

„Wir leben ein bisschen Menschlichkeit mit dem Salon“, sagt Ruiz und verweist auf die Fluchtbewegungen der letzten Jahrhunderte. „Literatur zeigt auch die Seele eines Landes“, bekräftigt er, „Literatur fördert Hoffnung“. Dafür gibt es ein historisches Vorbild in Luxemburg. Die Stahlfamilie Mayrisch brachte in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen viele Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Literatur und Kunst aus ganz Europa in Schloss Colpach zusammen. Nicht von ungefähr wird die prächtige Schlossbibliothek im ersten Stock als „Heiligtum“ oder auch als „Ort der Erinnerung“ bezeichnet, dem die heutigen Generationen den Namen „Seele von Colpach“ geben.

Daran knüpft der „Salon“ an. „Wir brauchen Menschen, die miteinander reden, nachdenken, analysieren, reflektieren“, sagt Ruiz, „auch deshalb, um die Welt von morgen zu gestalten“. Die Mayrischs haben noch in anderer Hinsicht Vorbildcharakter: „Ich wünschte, wir hätten heute Mäzene wie sie“, meint Ruiz, „Menschen, die eine Geste in Richtung Unterstützung der Kultur der Großregion machen“. Dabei hat er eine Geste in Richtung breites Publikum im Auge, nicht die x-te Zuwendung für etablierte Kulturinstitutionen.

Umso mehr freut es die Verantwortlichen, dass es zur 16. Auflage zum ersten Mal eine Zuwendung über 10.000 Euro für den „Salon“ aus dem Kulturministerium gab. „Wir werten das auch als Anerkennung unserer Arbeit“, sagt Ruiz.

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Der „Salon du livre“ findet wie das Festival vom 11. bis 13. März auf dem Gelände der Luxexpo statt. 25 Vereinigungen präsentieren sich. Sieben Buchhandlungen sind vertreten, darunter auch Ernster mit deutschsprachiger Literatur. 14 Verleger und 36 Schriftsteller reisen zudem an.

Wiebke Trapp