Die Vorwürfe sind umfassend: Betrug, mittelbare Falschbeurkundung, strafbare Werbung. Der frühere Audi-Chef Rupert Stadler ist im Skandal um manipulierte Dieselabgaswerte angeklagt worden und muss sich vor Gericht verantworten. Zwölf Jahre lang war er Chef des Autobauers – bis zum Oktober des vergangenen Jahres. Mit dem Konzern und seinen Eigentümern war er lange Zeit eng verbunden.

Noch am Mittwoch betonte Audi, dass der Autobauer in der Zeit mit Stadler an der Spitze ein “international erfolgreiches Unternehmen geworden” sei. Audi betont die Unschuldsvermutung. Das gehöre in einem Rechtsstaat “zu den Grundprinzipien”. Rupert Stadler war einer der letzten Top-Manager im Volkswagen-Vorstand, der die Dieselkrise überlebt hatte.

Beeinflussung von Zeugen

Oft hatte der 56-Jährige betont, dass er bis kurz vor Aufkommen des Abgasskandals nichts von den illegalen Abschalteinrichtungen in Audi-Dieseln gewusst habe. Trotz Rückrufs von zehntausenden Audi-Fahrzeugen, trotz mehrfacher Durchsuchungen in der Audi-Zentrale und auch bei Stadler zu Hause – lange Zeit hatten die Anteilseigner von Volkswagen ihre schützende Hand über Stadler gehalten. Doch das Blatt wendete sich mit seiner Verhaftung im Juni vergangenen Jahres, seine Zukunft wurde ungewiss.

Bei der Durchsuchung fanden die Ermittler damals laut Staatsanwaltschaft Hinweise, dass Stadler Zeugen beeinflussen wollte. Stadler kam in Untersuchungshaft, wurde beurlaubt. Anfang Oktober trennte sich VW von ihm, im selben Monat kam er gegen Auflagen frei. Stadler arbeitete seit 1990 für den Volkswagen-Konzern – die meiste Zeit verbrachte er im Zentrum der Macht des Autobauers. Den Einstieg machte der studierte Betriebswirt als Controller bei Audi unter VW-Patriarch Ferdinand Piëch, der damals noch die Premium-Tochter führte.

Es drohen mehrere Jahre Haft

Als dieser Chef des Gesamtkonzerns wird, schickt er Stadler als kaufmännischen Geschäftsführer für Spanien nach Barcelona. Von dort holt Piëch Stadler 1997 als Leiter seines Sekretariats in die VW-Zentrale nach Wolfsburg. In Stadlers Zeit als rechte Hand von Piëch fällt die VW-Korruptionsaffäre. Hochrangige VW-Manager bezahlten Betriebsräten Schmiergelder und Prostituierte. Vor Gericht nimmt Stadler seinen Chef in Schutz, sagt, dieser habe von den Vorgängen nichts mitbekommen.

Als Piëch Aufsichtsratschef wird, geht Stadler als Finanzvorstand zurück zu Audi. 2007 wird er zum Chef der VW-Tochter ernannt. Er kann den Autoabsatz von Volkswagens Gewinnbringer nahezu verdoppeln. Sein Ziel, Audi im Wettstreit mit Mercedes und BMW zur führenden Premiummarke zu machen, schafft er allerdings nicht. Stadler übersteht den Sturz von Piëch-Nachfolger Martin Winterkorn 2015 im Zuge des Dieselskandals und er übersteht den Sturz von dessen Nachfolger Matthias Müller. Müllers Nachfolger Herbert Diess gibt Stadler noch mehr Macht, indem er ihm die Führung über die Markengruppe “Premium” überträgt. Außerdem wird Stadler für den gesamten Vertrieb im Konzern verantwortlich. Doch mit der Inhaftierung sinkt schließlich sein Stern. Nun führt ihn sein Wirken für Audi vom Zentrum der Macht in den Gerichtssaal. Ihm drohen mehrere Jahre Haft.

3 Kommentare

  1. Net méi wéi richteg,vum Luxusliérwen an den Knast ! MACHT schützt vor Strafe nicht,und vor dem Gesetz sind alle gleich,fir éng Kéiher richteg…

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