Der 20-jährige Verteidiger Dirk Carlson wechselte im Winter ins Profilager zu Grasshoppers Zürich und ist seitdem auch in jeder Partie der „Roten Löwen“ im Einsatz gewesen. Wie der Nationalspieler den Gegner San Marino einschätzt und mit welcher Einstellung die FLF-Auswahl dieses Duell angehen muss, erklärte er im Tageblatt-Interview.

Tageblatt: Wie fühlt man sich zwei Tage nach diesem 4:0-Sieg gegen Moldawien, wohlwissend, dass am Dienstag das Auswärtsspiel in San Marino ansteht?

Dirk Carlson: Bei diesem Rhythmus bleibt nicht viel Zeit zwischen zwei Begegnungen, der Fokus liegt zuerst auf der Regeneration und dann ist man schon fast beim Abschlusstraining. Als Spieler bevorzugt man es ja eigentlich auch, auf dem Platz zu stehen. Der Trainerstab sorgt rund um die Uhr für uns, damit wir uns in ausgezeichneter Verfassung befinden. Ich war mit einem guten Gefühl ins Trainingslager angereist und ging auch schon vorher davon aus, dass ich spielen würde.

Die Partie gegen Senegal (er spielte 80 Minuten beim 0:0 am 31. Mai; Anm. d. Red.) hat mir in dieser Hinsicht, trotz der großen Konkurrenz, viel Selbstvertrauen gegeben. Nachdem ich gegen Bielefeld merkte, dass der Trainer bei seiner Aufstellung eine andere Idee hatte (er wurde erst in den zweiten 45′ als Innenverteidiger eingewechselt, auf der linken Seite wurden Malget und Jänisch getestet; Anm. d. Red.), war ich enttäuscht. Ich habe mit Mario Mutsch darüber geredet, er hat mir nur gesagt: Setze diese Enttäuschung ins Positive um und zeige dem Trainer, dass du bereit bist. Glücklicherweise lief es ja dann auch gut für mich.

Wie verliefen die ersten Monate bei den Grasshoppers?

Ich bin seit Februar in Zürich, es ist ein ganz anderer Lebensstil. Du musst dich nur aufs Fußballspielen konzentrieren. Ich bin der Erste, der beim Training auftaucht, und der Letzte, der geht. Die Situation, dass ich noch immer bei den U21 bin, ärgert mich allerdings unheimlich. Der Kontakt zur A-Mannschaft ist schon vorhanden, und es kann auch sehr schnell gehen … Letzte Saison habe ich bereits anderthalb Wochen in März mit den Profis trainiert. Ich bin damals davon ausgegangen, dass ich mein Debüt feiern würde, allerdings wurde dieser Coach zwei Wochen später entlassen und ich wieder zur U21 herabgestuft.

Auch am Saisonende war ich noch einmal einen Monat bei den Profis. Bevor ich den Schritt ins Ausland gewagt hatte, war es mir wichtig, zuerst meinen Abschluss in der Tasche zu haben. Ich werde jetzt ein Fernstudium beginnen, denn man muss ja auch an das Leben nach der Karriere denken. Fußballprofi zu sein ist der schönste Beruf, den es gibt, aber jeder stellt sich das wohl sehr einfach vor. Doch es gibt auch Tage, an denen man acht Stunden trainiert, und das ist knallhart.

In welchen Bereichen hast du dich in diesen sechs Monaten verbessert?

Körperlich habe ich mich am meisten entwickelt, taktisch oder technisch nicht unbedingt. Meinen schwachen Fuß habe ich ebenfalls viel trainiert. Im Großen und Ganzen ist wahrscheinlich alles besser geworden, aber hauptsächlich eben der körperliche Aspekt. Ich wäre früher wohl viel schneller zu Boden gegangen. Mein Kopfballspiel ist meine Stärke, das kann ich jetzt dadurch auch gut einsetzen.

Gegen San Marino steht die Mannschaft in der Pflicht, die Leistung vom Samstag zu bestätigen.

Wir sind am Dienstag unser eigener Gegner, denn wir sind die Favoriten. Wir müssen intelligent und ehrgeizig sein. Es kann nicht sein, dass man dieses Duell auf die leichte Schulter nimmt. In unserer Gruppe könnte es am Ende auf das Torverhältnis ankommen, deshalb geht es auch darum, hellwach zu sein und keine Gegentore zu kassieren. Wenn man das Resultat der Weißrussen sieht (5:0), versteht man, dass man nicht lockerlassen darf. Ich denke, dass wir wie gegen Malta gegen einen tiefen defensiven Block antreten werden. Das Schwerste im Fußball ist, gegen ein Team zu spielen, das im Sechzehnmeterraum hängt. Wir müssen die Räume finden. Das wird schwer und es erfordert vor allem viel Geduld. Ein frühes Tor wäre wichtig, damit sie die Räume öffnen müssen. Und dann läuft es möglicherweise wie gegen Moldawien.

Du wirst dich am Dienstag wohl auch öfters offensiv einschalten könnten.

Ehrlich gesagt bin ich jemand, der es bevorzugt, zu verteidigen. Ich denke auch, dass ich diesen Teil besser beherrsche. Die Vorlage zum Tor von Olivier Thill bedeutet mir in dieser Hinsicht sehr viel. Es gibt mir Zuversicht und zeigt, dass ich auch mit nach vorne gehen kann. Aber in diesem Bereich gibt es für mich noch Verbesserungspotenzial. Insgesamt bereitet es uns ja keine Probleme mehr, das Spiel in die Hand zu nehmen. Wir werden wie gegen Malta wohl auch diesmal wesentlich mehr Ballbesitz haben als der Gegner. Fußballerisch haben wir enorme Techniker in den Reihen und jeder, der im Kader ist, hätte die Qualitäten, gegen San Marino aufzulaufen. Es wird mittlerweile mehr von uns erwartet. Unsere Ambition ist es, Gruppenerster zu werden, auch wenn es schwer werden wird.

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