Fußgänger und Fahrradfahrer sind die schwächsten und am wenigsten geschützten Teilnehmer im Verkehr. Das soll sich jetzt ändern. Neun Maßnahmen werden im Luxemburger “Code de la route” verankert. Sie gelten ab dem 1. Mai 2018.

Maßnahmen hat Minister François Bausch am Mittwoch unter Verweis auf die tragischen Unfälle der vergangenen Jahre vorgestellt. Die zusätzlichen Verkehrshinweise und -regeln sollen die Situation der Fußgänger und Fahrradfahrer in Luxemburg verbessern und – daran muss einem Transportminister gelegen sein – die Unfallstatistiken.

Dem vorausgegangen war eine Studie über die Gesetzgebung in acht europäischen Ländern: Frankreich, Deutschland, Belgien, Niederlande, Dänemark, Österreich, Schweiz und Spanien. Von den 30 dort identifizierten Maßnahmen wurden neun für Luxemburg herausgefiltert.

1. Die wohl größte Änderung ist die Verpflichtung für Autofahrer, 1,50 Meter Abstand von Fahrradfahrern beim Überholvorgang zu halten. Autofahrer müssen künftig bei zweispurigen Straßen die Gegenspur nutzen, um Fahrradfahrer zu überholen.

2. Die zweite wichtige Änderung ist die, dass es künftig erlaubt ist, zu zweit nebeneinander mit dem Fahrrad auf der Straße zu fahren. Damit ist hoffentlich Schluss mit hupenden Autofahrern.

3. Die dritte ist eine Kann-Maßnahme: Bisher durften Kinder bis zum Alter von zehn Jahren in Begleitung Erwachsener auf dem Bürgersteig fahren. Jetzt dürfen sie das, wenn sie wollen und die Verkehrssituation es erfordert, bis zum Alter von zwölf.

4. An Straßenkreuzungen, vornehmlich T-Kreuzungen, soll es künftig ein durchgezogenes Trottoir geben, dass dem Autofahrer signalisiert: Aufpassen, hier kommen Fahrradfahrer und Fußgänger entlang.

5. An Kreuzungen, die sich dafür eignen, sollen Blinklichter mit Richtungshinweisen an den Ampeln installiert werden. Sie signalisieren dem Fahrradfahrer: Du darfst weiterfahren, Autos müssen stehen bleiben.

6. Es wird künftig “Fahrradstraßen” in Luxemburg geben. Das sind in den Worten von Minister Bausch “Straßen, die für Fahrradfahrer und Fußgänger gedacht sind und Autos tolerieren”. Das ist hauptsächlich für kleinere Gemeinden gedacht – oder für städtebauliche Situationen, die keine Fahrradspur erlauben, weil es zu eng ist.

7. Bei Sackgassen wird es eine Ergänzung geben, die Fußgängern und Fahrradfahrern anzeigt: Für Autos ist hier Ende. Fußgänger und Radler dürfen jedoch weiter. Das soll Abkürzungen für nicht motorisierte Verkehrsteilnehmer eröffnen.

8. Ab dem 1. Mai entfällt die Verpflichtung für Fahrradfahrer, das zehn Mal drei Zentimeter große gelbe Signal zwischen den Speichen der Räder zu montieren, um besser gesehen zu werden. Bis dahin gibt es ein Knöllchen, wenn es nicht da ist.

9. Eckig oder rund? Ganz klar eckig. So werden die Schilder aussehen, die Strecken ausweisen, die für Fahrradfahrer geeignet sind. Sie sagen auch: Du kannst die Strecken nutzen, musst aber nicht. Runde Schilder sind dagegen verpflichtend.

35 Kommentare

  1. Mit Maßnahme Nummer 2 sind Radfahrer dann jetzt ja auch noch im Recht, wenn sie absichtlich den Verkehr behindern.
    Maßnahme Nummer 5 wäre überflüssig gewesen. Viele Radfahrer ignorieren sowieso die Verkehrsampeln, wenn sie rot zeigen.
    (…)

    • @Jemp Wer Radfahrer mit dem nötigen Sicherheitsabstand überholt, kann dies ohnehin bereits jetzt nur ohne Gegenverkehr. Das tun Sie doch hoffentlich? Darüber hinaus blockieren Radfahrer nicht den Verkehr – auch sie sind der Verkehr.

      • @André: Wenn Radfahrer nebeneinander fahren, dann behindern sie den Verkehr sehr wohl, weil dann für den Überholvorgang noch weiter ausgeschert werden muss. Weiter Ausscheren bedeutet mehr Weg, mehr Weg = mehr Zeit, die man auf der Gegenfahrbahn verbringt und das massiv, nicht nur ein bisschen. Ergo schafft man insgesammt durch die neue Regelung ein grösseres Gefahrenpotential.
        Als Radfahrer plädiere ich für das hintereinander fahren – nur schon aus Selbsterhaltungstrieb. Als motorisierter Verkehrsteilnehmer bin ich bestrebt, beim Überholvorgang möglichst viel Platz zwischen Radfahrer und mir zu lassen. Das gebietet schon der Anstand.

    • @Jemp. Genau wegen Ihnen wurde die Regelung für 2 eingeführt.
      Und ihr Kommentar zu 5 stellt klar das sie lediglich mit Allgmeinplätzen Argumentieren, also garnicht.

  2. Nach ëmmer nët vill geléiert. Zwee Vélosfuerer nieweneneen just wenn den anere Verkéier
    nët gët. Da wär et richteg gewees. Op der Landstroos mat zwee Véloen nieweneneen +1,50 m
    as de Automobilist forcéiert komplett op der anere Säit ze fueren.

  3. Waat sinn ech frou dass ech net mei zu Letzebuerg muss Auto fueren. Daat do ass jo net mei normal. Autofuren get geschwö verbueden. Just nach Velo, Zuch an Tram. Wei wier et dann matt GRATIS öffentlechen Transport ?
    Ech hoffen den Här Minister huet bei senger “Studie” och emol t’Statistiken vun Deitschland ( ouni Tempolimit ) a Letzebuerg ( matt Tempolimit ) verglach. Do geseit et bei den Doudesfäll nawell dramatesch schlecht aus, fier Letzbuerg !!!

  4. Enfin, enfin… L’administration s’adapte et prend enfin les mesures de protection adéquates pour les cyclistes. Il y a un énorme travail à faire pour changer les mentalités. J’estime tout à fait légitime en tant qu’automobiliste, de prendre à mon compte les efforts de freinage, esquivage supplémentaire que cela doit engendrer. Le vélo doit se voir garantir la sécurité complète. J’espère que la police appliquera au plus vite le contrôle des points 1 et 2…

  5. Wenn ich mir das jetzt bildlich vorstellen soll : auf einer Straße mit starkem Verkehr in beiden Richtungen ist es möglich, dass 2 Fahrradfahrer die eine Fahrbahn “in Beschlag nehmen” (wenn ich das mal so sagen darf) und der gesamte Autoverkehr auf Fahrradtempo reduziert wird?? Auch wenn die beiden das Fahrrad aus Vergnügen nutzen und nicht etwa als Transportmittel?? Da sag ich mir sogar als Fahrradfahrer, dass der Kult ums Fahrrad so langsam zum Dogma wird und die Verkehrsproblematik nicht mehr auf rationale Weise angegangen wird.

    • Kann Ihnen nur Recht geben. Hier geht es nicht mehr um Sicherheit (ausserorts belegen Fahrradgruppen ohnehin permanent die gesamte Strassenseite und wehe Sie überholen und werden dann bei der nächsten Ampel eingefangen…!) sondern darum, die Autofahrer zu schikanieren. Autos haben Kennzeichen, Fahrräder nicht. Was bedeutet, dass Radfahrer sich alles erlauben können (was einige schon jetzt mit vollem Einsatz beherzigen) wenn nicht gerade zufällig die Polizei zugegen ist. Kompliment, unser MInister hat hiermit einigen Zeitgemnossen einen Freifahrtsschein erteilt. Das verspricht einiges für die Zukunft ……

      • es ist gewusst dass sie ein mann der autolobby sind.trotzdem kann ein bisschen einsicht nicht schaden.informieren sie sich mal wieviele radfahrer und fussgaenger durch autofahrer ums leben gekommen sind in letzter zeit und wieviele autofahrer wegen radfahrer und fussgaenger starben.und schon muesste der groschen fallen.

        • @Marc Wollwert: Bitte den Ball schön flach halten… Wie Sie selbst sicher wissen ist es so, dass in der Stadt Zürich 60% der Radfahrer/innen, welche in einen Unfall mit dem motorisierten Verkehr verwickelt sind selbst oder zumindest teilweise selbstberschuldet sind. Diese Aussage wurde von der Zürcher Polizei selber im Frühjahr 2018 getätigt. Ich nehme mal an, dass Zürcher Radfahrer nicht schlechter fahren als jene anderswo. Und falls sie mir jetzt eine Zugehörigkeit/Abhängigkeit zu irgendeiner Lobby unterstellen wollen, so kann ich Ihnen jetzt schon den Wind aus den Segel nehmen. Ich bin schlicht der Ansicht, dass alle Fakten auf den Tisch sollen, auch wenn es uns Radfahrern so manches ein Kratzerchen ins Krönchen macht. Wir gehören zu den schwächeren Teilnehmern, sind aber bei weitem nicht die Schwächsten! Es ist auch an uns etwas Rücksicht zu nehmen, denn unsere (des Radfahrers) Fehler haben Auswirkungen. Das bestätigt nicht zuletzt die Zürcher Polizei. In diesem Sinne wünsche ich allen eine Unfallfreie Saison!

    • Mir perseinlech as Velofueren op eisen Stroosen einfach ze gefeierlech.
      Duerfir sin jo mat villen Steiersuen Velospisten gemaach gin.
      Leider as et awer esou dat vill Veloen op der Stroos fueren o b s c h o n derniewt eng Velospist as…daat kann ech net verstoen.
      An Cyclisten mussen sech net wonneren iwer daat schlecht Verhaeltnes mat Autofuerer. Sidd selwer Schold!
      Wou as dann datt Gesetz dat Velospisten mussen benotzt gin wan dei Meiglechkeet besteet? Vlaecht sin ech schlecht informeiert, an et get dat Gesetz schon.
      An elo 2 Velo’en niewenenaaner….aus welchem Grond ??

      • Genau sou wi een am Auto frou ass mat sengem Beifahrer ze schwetzen, ass een um Velo och frou, mat sengem Matfuerer ze schwetzen. Méi ass et net

        Ech denke net, dass et onméiglech ass fir een Auto, 2 Velo’en ze iwwerhuelen. Emmerhin, sin 2 Velo’e jo och net méi breet wi ee gänge SUV.

        Ech hoffen, dass d’Automobilisten genuch sensibiliéiert gin, evtl 10 Sekonnen hannert 2 Velo’en ze verléieren, ier se neess Gaass gin. Fir d’Velosfuere, ass et op jiddfer Fall en extreme Gewënn u Fuerspaass. Well gleft mer, als Velosfuerer muss ee ganz vill Kompromisser agoën …

        • @Tom. Alles geet ! T’lescht hun ech esouguer ee Velosfuhrer gesin, dee mat héighem Karacho gefuer as an um Guidon telefonéiert huet ! Daat geet och well bis de Polizist de d’Päif am Grapp huet as dee Kriminellen schon 100m wäit fort !

    • @Marc Schonckert.
      Die Behauptung, Radfahrer würden sich über alle Regeln hinwegsetzen (die gleichzeitig impliziert, Autofahrer würden dies nicht tun) ist einfach quatsch, tut mir Leid. Sie werden keine Statistik finden, die das belegt. Autofahrer begehen nicht weniger, sie begehen nur andere Verkehrsverstöße. Hier Mal etwas zu schnell, dort etwas zu eng überholt, schnell noch eine WhatsApp geschrieben- ist doch alles nicht so schlimm – doch ist es. Denn während das Rad ein paar Kilo wiegt, sind es beim Auto schnell 1,5 Tonnen. Kein Wunder, dass die Schuld bei Unfällen daher meist beim Autofahrer, nicht beim Radfahrer liegt – müsste es nicht andersherum sein, wenn Ihre These stimmte?

  6. “und der gesamte Autoverkehr auf Fahrradtempo reduziert wird?? ”

    Wo ist das Problem? Auf der Autobahn ist morgends und Abends sogar Fussgängertempo angesagt.

  7. Den ersten Satz des Artikels würde ich mal so umschreiben « Fußgänger sind die schwächsten und am wenigsten geschützten Teilnehmer im Verkehr. » So mancher Fahrradfahrer benimmt sich in Fußgängerzonen oder auf Bürgersteigen gegenüber Fußgängern schlimmer als so mancher Autofahrer gegenüber Fahrradfahrer!
    Fahre selbst Fahrrad (Stadt und Land) und ärgere mich mehr über andere Fahrradfahrer als über Autofahrer!

  8. Da muss ech lo en Meter an den Auto leen.Zu Sandweiler ob derHaaptstoos ass jo eng Velosspur an se fueren awer an der Stoss . De Buss keent mol net lanscht.1.50m?Et geet emmer besser.Je Je .Da mat et wei an Holland,do geht et mat Vello an Auto.

    • Waat get daat elo flott zu Esch am Bredewee ( rue large ). Wann der do zwee mam Velo enerwee sinn an et muss een 1,5 m Oofstand haalen da muss een awer de Spiggel aklappen fier ze iwerhuelen.

  9. Natürlich begrüße ich die Sicherheitsmaßnahmen für Radfahrer, aber wer straft bitte die rüpelhaften Radfahrer ab. Meine gehbehinderte Frau wurde diese Woche fast zweimal von solchen Gesellen angerempelt.Dies einmal in einer Fußgängerzone, das andere Mal auf dem Bürgersteig .Weder waren es Kinder noch Jugendliche, aber im modernsten Outfit der Radrennfahrer gekleidete Mitvierziger. Wer die für Radfahrer und Spaziergänger ausgezeichneten Wanderwege entlang der Sauer benutzt, hat die Gelegenheit Bekanntschaft mit Fahrradgesellen zu machen, die gebieterisch jeden Spaziergänger in die Schranken weisen, da sind ” du aalen Aarsch op d’Sait” noch die höflichste Form. .

  10. Duerf een net all Velosfuerer an all Autofuerer an een Deppe keien,gett der emmer di sech schlecht behuellen su gudd um Velo wii am Auto .Wa jiddereen ewèineg Rücksiicht giif huellen brächt ee keen sou e Gesetz . ( fuere Velo an Auto an hun bäidd Situatioune scho matt gemeet )

  11. Sin mat him dakor iwer des Mossnahmen. Soll just dei lang routschesch rot Teppecher ewech machen an der Staat Letzebuerg .An mei un Secherheit denken wann een Autosffuhrer Dir op mescht op enger Velospist.
    Mei am ganzen sin ech froe das sech den Herr Bausch esou engagiert.Merci.
    Luc K.

  12. An mier duefen mol net op de Velloswee och wan mer mat 25hmh fueren:(((((((((((( mier hun keen problem domat fier mat 10kmh lasch Foussgänger ze fueren!!!!! Net wei eis Vello Rennfahrer elite OUNI motor.

  13. Ech fannen déi nei Regelen sënnvoll.
    (Jo, ech fueren vill Velo, am léifsten op de Velospisten wou et där gëtt an se och gudd befuerbar sin. Zur Befuerbarkeet muss ech onsen Administratiounen (Gemengen & Ponts&Chaussées) e groussen Merci ausschwetzen. D’Botzen vun den Velosweer an och soss Entretien huet sech an denen leschten Joren enorm verbessert. Weider esou)

  14. ech waer derfir , dass mol mei protokolleiert get, zum beispill wann esou een hennes um velo nuets ouni louchten fiert an permanent durch rout rennt , ouni richtungsuweisung vun rechts vum veloswee zack no lenks rennt fir oofze beien. eng assurance , an eng plak waer och net vun dommheet , an steieren fir benotzen vun der stoss och. dann waer gerecht an et keint een dei mesuren och akzepteieren

  15. […] Und dann noch so eine kleine Meldung, diesmal auch aus einem kleinen Land. In Luxemburg dürfen Radfahrerinnen oder Radfahrer jetzt offiziell nebeneinander fahren. In den Kommentaren geht es gleich entsprechend wütend zu, natürlich dreisprachig. Denn es kann nicht sein, was nicht sein darf: “Da sag ich mir sogar als Fahrradfahrer, dass der Kult ums Fahrrad so langsam zum Dogma wird und die …” […]

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