Das klassische Telefonnetz weicht nach und nach dem Datennetz. Auch in Luxemburg. Für die Nutzer des Post-Netzwerkes verläuft dieser Wechsel zum größten Teil unbemerkt, sagt Wirtschaftsminister Etienne Schneider.

Wenn Menschen, die noch gar nicht so alt sind, sich mit der Aura greiser Weisheit umgeben wollen, dann erzählen sie ihren jüngeren Kollegen von Telefonen, die durch ein Kabel mit der Wand verbunden waren und bei denen man die Nummer mittels einer Drehscheibe eingeben musste. Wie sie die Internetleitung freigeben mussten, damit die Mutter telefonieren konnte und wie sie sich Lieder zeigten, indem sie den Hörer an die Lautsprecher der heimischen Musikanlage hielten.

Das Festnetz ist in etwa so altmodisch wie die Dampflok, Tamagotchis und der Verbrennungsmotor. Wobei Letzteres wohl das bessere Beispiel ist, denn Festnetzleitungen sind lange nicht ausgestorben. Im Gegenteil.

Festnetzleitung geht, Festnetztelefon bleibt

In Frankreich geht die Ära der Festnetzleitungen jedoch bald zu Ende. Denn ab dem 15. November sollen keine neuen klassischen Telefonleitungen mehr verlegt werden. Ab 2023 soll das Netz (genauer: das öffentliche Fernsprechwählnetz) nach und nach abgeschaltet werden. Festnetztelefone wird es danach zwar noch geben, aber sie hängen dann an der Internetleitung. Ältere Menschen und Hipster müssen also keine Angst haben, dass sie in Zukunft gezwungen werden, ein Mobiltelefon zu benutzen.

In Luxemburg ist die Situation vergleichbar. Im Großherzogtum gab es zum 1. August noch etwa 109.000 klassische Telefonleitungen. Das geht aus der Antwort des geschäftsführenden Wirtschaftsministers Etienne Schneider auf eine parlamentarische Anfrage der DP-Fraktion hervor. Unter “klassische Telefonleitungen” versteht Schneider das Fernsprechwählnetz. Die Post ermuntere Kunden, die diese Technologie nutzen, auf die Internetleitung zu wechseln. Erklärtes Ziel ist, 2024 kein Fernsprechwählnetz mehr zu betreiben.

Ein Wechsel hinter den Kulissen

Der Unterschied zwischen den beiden Netzen liegt also bei der Infrastruktur – der Technik –, die benutzt wird. Die Zahl dieser klassischen Telefonleitungen gehe seit Jahren zurück, schreibt Etienne Schneider in seiner Antwort. Dies habe zwei Gründe. Erstens schiebt die Post Kunden, die ihren Telefonanschluss mit einem Glasfaseranschluss oder Internetfernsehen kombinieren, auf das Datennetz. Zweitens würden immer mehr Kunden ihren Festnetzanschluss abmelden und nur noch ihr Mobiltelefon nutzen.

Tatsächlich würden die meisten Kunden diesen Wechsel nicht einmal bemerken, schreibt der geschäftsführende Wirtschaftsminister. “Er kann weiter sein klassisches Telefon benutzen. Die Umwandlung zur IP-Technologie passiert bei der Post”, so Schneider.
Das Netz der Post ähnele dem von Orange France. Auch wenn die Infrastruktur von einem anderen Hersteller stamme, so hätte die Post doch mit den gleichen Problemen bezüglich des baldigen Endes des Fernsprechwählnetzes zu kämpfen. Bereits seit 2008 habe die Post deshalb Lösungen parat, damit die Menschen auch weiter das “Festnetz” nutzen können, so Schneider.

3 Kommentare

  1. Zitat: “Ältere Menschen und Hipster müssen also keine Angst haben, dass sie in Zukunft gezwungen werden, ein Mobiltelefon zu benutzen.” …/… “Tatsächlich würden die meisten Kunden diesen Wechsel nicht einmal bemerken, schreibt der geschäftsführende Wirtschaftsminister.”
    Wie würde wohl die Antwort der Familienministerin, des Innenministers oder des Verbraucherschutzministers lauten? Hat der Schneider schon mit dem Etienne gesprochen? Anders als beim klassischen Telefon ist bei einem Stromausfall – lokal oder nach einem Unfall/Störfall auch nur in der eigenen Wohnung – die moderne VoIP-Leitung tot. An dieser Leitung hängt für viele Menschen ein (lebens)wichtiger Telealarm. Über diese Leitung werden vor allem ältere Personen auch versuchen, einen Notruf abzusetzen. Aber auch der 112 funktioniert bei Stromausfall nicht mehr. Und um das Mobilfunknetz zusammenbrechen zu lassen braucht es nicht unbedingt einen grossen Zwischenfall, Das hat wohl jeder von uns schon mal im Regelbetrieb erfahren. Der Unterhalt der klassischen Telefoninfrastruktur ist nicht zu teuer, er wirft für die Post nur weniger Gewinn ab als die neuen Dienste, die sie teuer über die frei werdenden Bandbreiten verkaufen kann. Aber muss die die Post denn überhaupt Gewinn abwerfen? Wer ist denn da Hauptaktionär?

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