Im ersten Jahr unter einem neuen Chef hat sich der Luxemburger Energiekonzern Encevo gut entwickelt. Umsatz, Gewinn und Mitarbeiteranzahl sind gestiegen.

Auf insgesamt 63,9 Millionen Euro ist der Nettogewinn des Luxemburger Energiekonzerns in dem letzten Jahr gestiegen. „Wir haben uns gut entwickelt“, so Claude Seywert, Geschäftsführer von Encevo. „Der Trend hat sich verbessert.“ Von dem Gewinn werden 18,9 Millionen Euro als Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet.

Encevo-Verwaltungsratspräsident Marco Hoffmann mit Geschäftsführer Claude Seywert

Wichtigster Anteilseigner des Unternehmens ist mit 28 Prozent der Luxemburger Staat. Indirekt (über BCEE, Post, SNCI, Luxemburg-Stadt) kontrolliert der Staat fast 75 Prozent der Anteile. Zweitwichtigster Aktionär ist seit letztem Jahr der weltweit zweitgrößte Netzbetreiber China Southern Power Grid International. Angst vor Industriespionage gibt es bei den Luxemburgern jedoch nicht. „Wir können eher von ihnen lernen“, ist von Encevo zu erfahren. Die Chinesen seien technisch gesehen „an der Spitze“.

Mehr Umsatz, mehr Mitarbeiter

Dass Encevo sowohl den Umsatz als auch die Zahl der Mitarbeiter steigern konnte, liegt nicht nur an gestiegenen Absatzzahlen bei Strom und Gas. Auch die Übernahme von Paul Wagner & Fils spielt eine Rolle. Das Unternehmen wurde in eine neue Entität Namens „Enovos Services“ eingebracht. Dieser Dienstleistungsbereich soll künftig den dritten Grundpfeiler der Encevo-Gruppe darstellen.

Traditionell hat sich der Luxemburger Energiekonzern auf zwei große Geschäftsfelder konzentriert: auf den Betrieb von Strom- und Gasnetzen sowie auf die Produktion und den Verkauf von Strom und Gas. Der neue Bereich soll in den kommenden Jahren nun weiter ausgebaut werden.

Strompreis wird steigen

Noch steht der Bereich Dienstleistungen im operativen Gewinn der Gruppe nur für einen schwindend geringen Anteil. Der größte Anteil des operativen Gewinns (155 von 213,3 Millionen) stammt aus dem regulierten Geschäft mit den Netzen. Bis der dritte Grundpfeiler ganz steht, könnten noch 10 bis 15 Jahre vergehen, so das Unternehmen. Um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden, werde die neue Sparte nicht „vertikal“ in die Gruppe integriert. Die Dienstleistungen sollen separat von den beiden anderen Bereichen arbeiten.

Das Investitionsvolumen hat Encevo letztes Jahr weiter steigern können – und zwar auf insgesamt 209 Millionen Euro. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es 199 Millionen. Der Löwenanteil dieser Summe floss in den Ausbau der Netze. Allein in Luxemburg investierte der Netzbetreiber Creos eine Rekordsumme von 132 Millionen Euro.

Zudem wurde weiter in die Produktion erneuerbarer Energien investiert. „Und wir wollen hier noch weiter ausbauen“, so Seywert. Das Unternehmen setzt vor allem auf Wind und Sonne. Aus dem Bereich der Biogasanlage wolle man aussteigen, war zu erfahren: „Das ist nicht unser Kerngeschäft. Andere können das besser.“ Seine Biogasanlagen in Deutschland hat Encevo bereits verkauft – die in Belgien versuche man derzeit abzutreten.

Strompreise werden steigen

Was den Strompreis anbelangt, so unterstreicht das Unternehmen, dass Luxemburg im Vergleich zum Ausland billiger sei. Mittel- oder langfristig würden die Preise für die Verbraucher aber steigen, so Encevo. Das liege einerseits an steigenden Netzgebühren und andererseits an steigenden Kaufpreisen für Strom an den Märkten. Irgendwann werde das Unternehmen das an seine Kunden weitergeben müssen, so Seywert. Ob das dieses oder erst nächstes Jahr der Fall sein wird, ist bis dato noch nicht entschieden.

Für die Zukunft ist Encevo zuversichtlich. „Es soll auch so weitergehen“, unterstreicht Seywert. Auch die Investitionen sollen weiterhin hoch bleiben: „Wir sehen noch sehr viele Möglichkeiten, um uns weiterzuentwickeln.“ Und das sei alles möglich, denn das Unternehmen bleibe „finanziell gut aufgestellt“.

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