Einwohnerrekord in der Hauptstadt: Luxemburg-Stadt hat inzwischen 119.214 Einwohner – so viele wie noch nie. Das berichtete die Stadtverwaltung am Mittwochmorgen. Den Menschen will die Behörde auch ein “besseres Lebensgefühl” bescheren. Deshalb hat sie sich der Regierungsinitiative zum gebührenfreien öffentlichen Transport angeschlossen. Und sie hat ein ehrgeiziges Bauprogramm initiiert, das vor allem Bewohnern mit geringem Einkommen unter die Arme greifen will.

Der Wohnungsmarkt ist die erste Priorität der DP-CSV-Koalition, sagt der zuständige Schöffe Serge Wilmes (CSV). Um unter Beweis zu stellen, wie sehr er sich in seinem ersten Amtsjahr ins Zeug gelegt hat, listete er alle Bauvorhaben auf, die die Lage in der Hauptstadt entspannen sollen.

92 Sozialwohnungen in 2018

Die Realität sieht jedoch nüchterner aus: 92 Wohnungen hat die Stadtverwaltung im vergangenen Jahr freigegeben, 61 sollen es in diesem Jahr werden. Bis zum Ende der Amtszeit der aktuellen Koalition verspricht Wilmes mehr als 400 zusätzliche Wohnungen. Die sind jedoch noch nicht alle genehmigt.

Die aktuelle Koalition habe mehr Grund und Boden gekauft als jede andere vor ihr, unterstreicht Serge Wilmes. Damit will sie sich die Möglichkeit geben, große, zusammenhängende Projekte umzusetzen. Verwaltungstechnische Hürden – wie die Teilbebauungspläne oder die zusätzlichen von den Ministerien verlangten Studien – machten ihm jedoch das Leben schwer. So wurden in Merl bereits vor fünf Jahren 180 Wohnungen genehmigt, die Arbeiten sind aber noch immer nicht angelaufen.

Man kann deshalb nur wünschen, dass die 3.500 an der „Porte de Hollerich” geplanten Wohneinheiten, die als urbanes Vorzeigeprojekt bezeichnet werden, schneller errichtet werden können. Aber auch hier gibt es noch Hürden, weil der dort angesiedelte Busbahnhof zuerst eine neue Bleibe finden muss.

Busbahnhof muss umziehen

Das gilt auch für die Grundstücke rund um das Josy-Barthel-Stadion, das ehemalige Villeroy&Boch-Gelände oder den aktuellen Standort von Heintz van Landewyck und Paul Wurth in Hollerich. Diese ambitionierten Projekte sollen zum Teil in Zusammenarbeit mit der SNHBM (“Société nationale des habitations à bon marché”) verwirklicht werden, um bezahlbare Miet- und Kaufpreise auf den Markt zu bringen. „Wir brauchen Sozialwohnungen, genau wie auch bezahlbare Mietwohnungen für den Mittelstand”, so Bürgermeisterin Lydie Polfer (DP).

Ein Vorzeigeprojekt seien die Wohnungen in der rue de l’Avenir auf Limpertsberg, die im Oktober fertiggestellt wurden und wo Sozial- und Mietwohnungen neben Verkaufsobjekten angeboten wurden. Wie groß das Interesse an Wohnraum ist, zeigen die 1.555 im Jahr 2018 erteilten Baugenehmigungen. Es ist allerdings nicht bekannt, wie schnell jeweils die Bagger anrollen.

Auch beim öffentlichen Nahverkehr will man bauen. Laut Lydie Polfer hat die Erweiterung der Tram bis nach Strassen oder an die „Porte de Hollerich” absolute Priorität.

Einen ersten Vorgeschmack auf die Bauarbeiten gibt es ab März in Eich und Beggen, wo bis Juli 2020 urbane Renovierungen stattfinden. Eine entsprechende Informationsversammlung soll am 5. Februar mehr Details dazu liefern.

Städtischer Transport: 40 Millionen Fahrten in einem Jahr

Zum Thema Gratistransport betonte die Bürgermeisterin die 40 Millionen Fahrten in einem Jahr, die den städtischen Transport zu einem wichtigen Partner im Verkehrsverbund macht. Mit der Idee des kostenlosen Transportes hat sich offenbar auch der CSV-Koalitionspartner angefreundet. Dies umso mehr als für die Stadtverwaltung auch schon ein Beweis für seine Wirksamkeit vorliegt: 3.200 der 4.000 Mitarbeiter der Stadt Luxemburg haben vor einem Jahr die vom Arbeitgeber spendierte kostenlose Transportkarte angenommen.

Im Vorfeld der Europawahlen fordert die Stadt Luxemburg ihre nicht-luxemburgischen Einwohner – immerhin rund 70% der Bevölkerung – auf, sich vor dem 28. Februar für die Europawahlen einzuschreiben. Dafür wird das Bürgerzentrum am 9. Februar ausnahmsweise von 9 bis 14 Uhr geöffnet sein. Spannend dürften die Europawahlen für die rund 2.189 in Luxemburg-Stadt lebenden Briten werden. Vorerst sind sie noch EU-Bürger und demnach berechtigt, an den Europawahlen teilzunehmen. Inwiefern das nach dem 29. März noch zutrifft, bleibt abzuwarten. Wie es ausgeht, aber auch wie die anderen Projekte vorankommen, erfahren die Hauptstädter künftig jeden Mittwoch über den kostenlos angebotenen Newsletter.

1 Kommentar

  1. Untertitel: “Busbahnhof muss umziehen” Wo wird das im Artikel besprochen oder habe ich mal wieder zu schnell gelesen? Um welchen Busbahnhof handelt es sich?

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