Bis 2021 bekommt das “Centre de soins pour la faune sauvage” im Düdelinger Parc Le’h dreimal mehr Platz und modernere Einrichtungen. Der Grund: Die Anzahl der zu behandelnden Tiere steigt stetig an.

Im letzten Jahr wurden 2.500 Wildtiere in Not von der einzigen Wildtierpflegestation des Landes versorgt. Diese Zahl ist bereits jetzt erreicht worden und bis zum Ende des Jahres rechnet Direktor Raf Stassen mit etwa 3.000 Fundtieren. 200 zusätzliche Tiere konnten bisher durch die neu eingerichteten Drop-off-Stationen nach Düdelingen gebracht werden. “Bisher mussten wir noch keine Tiere abweisen”, sagte Stassen. Doch manchmal wurde es schon eng, als sie beispielsweise 1.800 Tiere innerhalb von drei Monaten versorgen mussten. Zehn feste Mitarbeiter, darunter Tierärzte und -pfleger, kümmern sich rund um die Uhr um das Wohl der Tiere.

Hinzu kommen etwa 50 ehrenamtliche Helfer, die durch Schulungen und Weiterbildungen auch auf andere Aufgaben vorbereitet werden als das reine Ausmisten. Der Ausbau ist auch deswegen nötig, um den einzelnen Tieren die bestmögliche Behandlung und Unterbringung zukommen zu lassen. Wenn ein Raubtier und seine Beute sich in den Gehegen gegenübersitzen, dann sind die Tiere zusätzlichem Stress ausgesetzt. Durch die Vergrößerung – die Fläche wird sich verdreifachen – sollen in Zukunft bis zu 4.000 Tiere jährlich aufgenommen werden können. Die Schaffung eines Empfangsraums hilft bei der Umsetzung der pädagogischen Aufgaben und der Sensibilisierung von Besuchern.

Auf den Wolf vorbereitet

Die Auffangkapazitäten des Zentrums seien schlichtweg ausgereizt, erklärte Roby Biwer, Präsident von “natur & ëmwelt”, bei der Präsentation des Projekts am Donnerstag: “Die Station ist ein Opfer ihres eigenen Erfolges.” In Zukunft sollen, neben den moderneren Einrichtungen, die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse angewandt werden, um den Tieren von Anfang an die besten Chancen geben zu können. Die Volieren werden ebenfalls erweitert. Diese waren bisher zu klein für die Bedürfnisse der Greifvögel. Der Umbau sieht nun Volieren von 50 bis 60 Metern Länge vor.

Ebenso wichtig ist es für die Auswilderung der Tiere, dass sie so wenig Kontakt wie möglich zu Menschen haben. Diesem Umstand wird bei der Vergrößerung gleichermaßen Rechnung getragen. Damit das Alltagsgeschäft und der Empfang der Tiere wie bisher weiterlaufen können, werden die Bauarbeiten in vier Phasen durchgeführt. Sie werden noch im Oktober 2018 beginnen und voraussichtlich bis 2021 dauern. Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf 4,2 Millionen Euro. Die Finanzierung läuft teilweise über das Umweltministerium, das auf drei Jahre verteilt 1.250.000 Euro dazugeben wird. Die Stadt Düdelingen wird, neben der Bereitstellung des Geländes, über die nächsten drei Jahre mit 600.000 Euro unterstützen, wie Düdelingens Bürgermeister Dan Biancalana (LSAP) gestern verkündete.

Zurzeit befinden sich 300 Wildtiere in der Obhut des Zentrums. 80 Prozent davon sind Vögel. Richtig exotische Tiere außer Schlangen oder Schildkröten hatten sie noch nicht zu versorgen, obwohl sie auch für beschlagnahmte Tiere zuständig sind. Auf den Wolf wollen sie jedoch vorbereitet sein. Es sei ein passendes Tiergehege vorgesehen, falls es mal nötig sein sollte einen Wolf zu versorgen, verriet Raf Stassen.


4 Drop-off-Stationen

Im April dieses Jahres wurden, neben der bereits existierenden “Wëlldéier-Drop-off”-Station, drei zusätzliche in Clerf, Junglinster und Feulen eingerichtet. Diese Stationen befindet sich direkt neben den Einsatzzentren beziehungsweise neben der “École nationale du service d’incendie et de sauvetage” in Feulen. Mitarbeiter und Freiwillige holen die Tiere an den einzelnen Containern ab und bringen sie zur Behandlung nach Düdelingen. Der Service steht rund um die Uhr und an sieben Tagen die Woche zur Verfügung.


10 goldene Regeln

Die zuständigen Behörden haben eine Broschüre zum richtigen Umgang mit Wildtieren herausgebracht. In der Broschüren stehen die zehn goldenen Regeln im Umgang mit verletzten Tieren:
1. Ruhe bewahren.
2. Die mögliche Gefahr durch ein verletztes Tier nicht unterschätzen.
3. Das Tier nur anfassen, wenn unbedingt nötig.
4. Stress für das Tier reduzieren.
5. Auffangeinrichtungen für Wildtiere sind die Drop-off-Stationen und die Pflegestation in Düdelingen.
6. Es ist wichtig, sich vorher telefonisch bei der Pflegestation anzumelden (26 51 39 90).
7. Eine geeignete Transportbox benutzen.
8. Das Tier nicht mit nach Hause nehmen, um es selbst zu versorgen.
9. Das Wildtier nicht füttern.
10. Nie Medikamente verabreichen.

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