Einen Anschluss an das Internet hat heute praktisch jedes Luxemburger Unternehmen. Die Mehrheit verfügt zudem über eine eigene Webseite (83%, 2018). Das volle Potenzial der Digitalisierung nutzt jedoch kaum eine Firma.

„Gerade viele kleine und mittlere Unternehmen sind noch nicht auf den Zug der Digitalisierung aufgesprungen“, so Mittelstandsminister Lex Delles. „Die meisten ahnen nicht einmal, was für Vorteile sie ihnen bringen kann.“ Er will vermeiden, dass die kleinen und mittleren Unternehmen des Landes den Anschluss an die Digitalisierung verpassen. Dabei denkt er nicht nur an eine Internetpräsenz, sondern auch an Geschäftsabläufe und Prozesse, die verbessert werden können.

Um inländische Firmen zu informieren und fürs Thema zu sensibilisieren, lud Delles diese Woche zur Konferenz „More than bytes“. Mit Erfolgsbeispielen aus der Luxemburger Wirtschaft sowie Gastredner Ranga Yogeshwar (Luxemburger Wissenschaftsredakteur und Fernsehmoderator im deutschsprachigen Raum) wurde am Dienstagabend für die Digitalisierung geworben.

Ranga Yogeshwar ist fasziniert von ihr. Er bezeichnet sie als eine der größten Revolutionen seit dem Buchdruck. Sie habe Einfluss auf alle Bereiche – auf Politik, Gesellschaft, Gesundheit, Wissenschaft und Privatsphäre, so der Luxemburger, dem Premierminister Xavier Bettel letztes Jahr in Berlin einen Orden verlieh – für sein besonderes Engagement in der Forschung und für die Vermittlung von komplexem Wissen auf einfache Art und Weise.

Risiko von ungenutzten Chancen

Entgegen aller üblichen Diskussionen über Chancen und Risiken dieses Wandels hob Yogeshwar am Dienstagabend vor allem ein Risiko hervor: jenes, dass der, der zu langsam agiert und Chancen nicht nutzt, den Anschluss verpasst. Dabei befinde sich die Digitalisierung erst in der ersten Phase. Entwicklungen beispielsweise durch die künstliche Intelligenz werden folgen. „Das ist ein kontinuierlicher Prozess“, so Wissenschaftsjournalist. „Das ist unser positives Schicksal.“ Nun gelte es, zu verstehen, zu gestalten und – wenn notwendig – zu regulieren.

Bei dieser Entwicklung sei jedoch ein Ungleichgewicht entstanden, sagte er weiter. Während große Konzerne, die weltweit aktiv sind, auf Spezialisten in jedem Gebiet zurückgreifen können, ist dies kleinen und mittleren Unternehmen nicht möglich. „Die Mehrheit der Menschen versteht das alles noch nicht einmal“, so Yogeshwar. „Sie sind mit der Ausübung ihres Jobs beschäftigt.“ Um zu verhindern, dass kleine Firmen von den Entwicklungen regelrecht überrollt werden, sei es wichtig, dass der Staat ihnen hilft. „Sonst schaffen sie es nicht.“

Auch Luxemburgs Mittelstandsminister sieht den Staat in der Pflicht: „So ein Prozess muss begleitet werden. Die Politik legt den Rahmen fest“, sagte er. Insgesamt sieht Delles in der Entwicklung „keine Gefahr, im Gegenteil – es ist eine Chance für Unternehmen“.

Er wirbt für neue staatliche Unterstützungsmaßnahmen: Die Programme “Fit 4 Digital” und “Fit 4 Digital Packages” bieten Luxemburger Unternehmen eine individuelle Diagnose ihrer digitalen Möglichkeiten durch einen Fachberater. Auch für den, der so tief in seiner Arbeit steckt, dass er keine Zeit hat, um sich mit neuen Themen zu beschäftigen, sei dies eine Lösung. Das Ministerium beteiligt sich mit bis zu 5.000 Euro an den Kosten.

„Man kann alles digital ersetzen“

Des Weiteren wies der Minister auf die vom Staat initiierte Online-Verkaufsseite “Letzshop” hin. Diese bietet Firmen ohne eigene Internetpräsenz bereits heute die Möglichkeit, online vertreten zu sein und dort ihre Produkte zu verkaufen. Eine Initiative, die die volle Unterstützung von Yogeshwar hat: „Ein Politiker muss sich für seine Region einsetzen“, erklärte er. Eine Alternative zu Amazon aufzubauen, sei gut und langfristig wichtig. Insgesamt 250 Geschäfte nutzen die Plattform. Im kommenden Jahr soll ihr Bekanntheitsgrad verbessert werden.

Dass die Innenstädte wegen der fortschreitenden digitalen Entwicklung weiter aussterben könnten, glauben beide Männer nicht. Verändern werden sie sich, unterstrich Yogeshwar. Nach dem Besuch eines „Amazon Go“-Geschäfts,  eines Ladens ohne Verkäufer und Registrierkasse, sei er zuerst irritiert gewesen. „Dann aber stellt man fest, dass das alles seine Vorteile hat. Alles, was nervt, kann man digital ersetzen. Man sieht, dass es auch anders geht.“ Oft seien die Menschen übrigens paradox: „Je größer und besser die individuellen Fernseher werden, desto mehr Leute treffen sich zu Public Viewings von Fußballspielen.“

Dass es notwendig ist, kleine und mittlere Unternehmen für das Thema Digitalisierung zu sensibilisieren, zeigen Zahlen von Statec: So war konnte man im Jahr 2018 nur bei 23 Prozent der luxemburgischen Unternehmen online einkaufen. Während gute 43 Prozent der Firmen selbst Einkäufe übers Netz tätigten, haben nur 12 Prozent von ihnen auf diesem Weg neue Aufträge erhalten.

2 Kommentare

  1. Et ass awer net alles Gold wat glänzt. An d’Aussoh: “nach Besuch eines Amazon-Go Ladens ohne Mitarbeiter… “[…]dann stellt man fest dass alles seine Vorteile hat”[…], sollt awer duerch “[…] dass alles seine Vor- und Nachteile hat” ergänzt ginn, wann een dann wirklech esou neutral wëll sinn, ewéi een heisch kompetenten Fuerscher am prinzip sollt sinn. Oder wëll den Herr einfach just een Produit un den Mann bréngen…

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