Dienstag6. Januar 2026

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WinterspieleDer Anfang eines Nachhaltigkeitskonzepts: Auch das COSL kämpft gegen die Klimakrise

Winterspiele / Der Anfang eines Nachhaltigkeitskonzepts: Auch das COSL kämpft gegen die Klimakrise
Grüne Flächen und künstlich produzierter Schnee wie hier beim Biathlon-Weltcup in Le Grand-Bornand sind längst Gewohnheit geworden Foto: AFP/Olivier Chassignole

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Grüne Flächen und Schneemaschinen sind längst Teil des Wintersports geworden. Das führt auch dazu, dass sich immer weniger Städte die Organisation olympischer Winterspiele zutrauen. Das IOC macht sich große Sorgen – und fordert die nationalen olympischen Komitees dazu auf, Wert auf Nachhaltigkeit zu legen. Das COSL will 2026 damit anfangen.

Manchmal wirkt der Wintersport im Fernsehen beinahe trist. Im Hintergrund der Sportstätten tauchen auffällig häufig grüne Flächen auf. Kunstschnee, wie kürzlich beim Biathlon-Weltcup in der französischen Alpengemeinde Le Grand-Bornand, ist keine Seltenheit mehr – sondern traurige Realität. Denn ohne Kunstschnee könnte in einigen Wintersportarten keine Saison mehr durchgezogen werden.

Um die Rennen also dennoch durchführen zu können, setzen die Organisatoren, wie im Grand-Bornand, auf künstlich produzierten Schnee – teuer und energieintensiv. Doch nicht nur die französische Gemeinde, die immerhin auf 1.300 Metern Höhe liegt, kämpft mit diesen Bedingungen. Immer weniger Städte trauen sich, olympische Winterspiele auszurichten, was das IOC dazu zwingt, über die Zukunft der Spiele nachzudenken.

Besorgniserregende Studie

Eine Studie, unter anderem von der Universität Innsbruck und der University of Waterloo, zeigt: Viele bisherige und potenzielle Wintersportregionen könnten durch den Klimawandel bis Mitte oder Ende des Jahrhunderts nicht mehr zuverlässig genug für olympische Wettbewerbe sein. Für die Spiele 2026 blieben am Ende nur noch Mailand/Cortina d’Ampezzo (Italien) und Stockholm (Schweden) als Kandidaten übrig. Städte wie Calgary (Kanada), Sion (Schweiz), Graz (Österreich) oder Sapporo (Japan) hatten ihre Bewerbungen aus unterschiedlichsten Gründen zurückgezogen.

Das IOC ist alarmiert – und auch die nationalen olympischen Komitees sind gefordert, selbst solche, die nicht als Wintersportnationen bekannt sind. „Für uns ist Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema“, sagt der Technische Direktor des COSL, Raymond Conzemius. „Nicht mehr alle Staaten können Winterspiele austragen. Auch wegen der Infrastruktur. Bei Multisport-Events wie Olympia sollte man diesen Multisport-Charakter bewahren. Das ist etwas sehr Wertvolles. Diesen aufrechtzuerhalten angesichts der Klimaproblematik beschäftigt uns.“

Bei Olympia 2026 schwindet dieser von Conzemius angesprochene Mutlisport-Gedanke aber bereits. Unter anderem finden in Mailand Eisschnelllauf oder Eishockey statt, in Antholz Biathlon, in Predazzo Skispringen, in Bormio die Alpin-Wettbewerbe der Herren und in Cortina d’Ampezzo die Alpin-Wettbewerbe der Damen – alles fernab voneinander.

Einfach gehaltene Nachhaltigkeitsstrategie

Für Marie-Jo Ries werden es die ersten olympischen Winterspiele vor Ort sein. In den Räumlichkeiten des COSL in Strassen ist sie dafür zuständig, sich intensiver mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen. Seit 2018 arbeitet sie beim nationalen olympischen Komitee und kümmert sich hauptsächlich um das „Games Management“ – also alles, was bei Veranstaltungen wie Olympia, den Europäischen Jugendspielen (EYOF) oder den Spielen der kleinen Staaten Europas (JPEE) organisiert werden muss: Akkreditierungen, Transporte, Unterkünfte, Verpflegung.

Neben ihren Hauptaufgaben beschäftigt sie sich auch mit Nachhaltigkeit und hat dafür kürzlich eine Strategie für das COSL verfasst. „Wir befinden uns noch ganz am Anfang dieser Strategie“, sagt Ries. „Es geht zunächst um Kleinigkeiten: Wir benutzen Glas- statt Plastikflaschen im Büro, Kaffeebohnen statt Kapseln. Wir achten darauf, dass unsere Bekleidung aus recyceltem Material besteht.“ Erst kürzlich wechselte das COSL den Ausrüster zu Adidas, der auf nachhaltige Produktion achtet.

„Unsere Nachhaltigkeitsstrategie ist momentan noch ziemlich einfach gehalten“, gibt Ries zu. „Wir müssen auch beim Kauf verschiedener Materialien bewusster vorgehen. Oft verlieren wir Dinge und kaufen sie neu. Das liegt aber auch daran, dass wir kein gutes Inventar haben. Das müssen wir ändern.“

Positive Beispiele aus dem Ausland

Beim IOC hat Ries am Ocean Project teilgenommen – einer Schulung, die Mitarbeitende in nationalen olympischen Komitees befähigen soll, Sportinstitutionen nachhaltiger zu gestalten. Ein zentraler Punkt für alle NOKs ist insbesondere das Reisen. Die Schweiz erhielt 2023 einen Nachhaltigkeitspreis vom IOC, weil sie ihren ökologischen Fußabdruck um 66 Prozent reduziert hat. „Sie haben alle Reisen in Europa mit dem Zug gemacht“, erklärt Ries. „Sie sind aber auch super angebunden. Wir liegen zwar zentral in Europa, aber unsere Verbindungen sind schlecht. Wir hingegen versuchen, Direktflüge zu buchen.“

Marie-Jo Ries hat eine Nachhaltigkeisstrategie für das COSL entwickelt<br />
Marie-Jo Ries hat eine Nachhaltigkeisstrategie für das COSL entwickelt
 Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

Weitere positive Beispiele liefern die NOKs von Dänemark und Portugal. Beide haben klare Regeln: Bei einer bestimmten Entfernung muss die Reise mit dem Zug erfolgen. Auch das COSL hat sich daran orientiert. „Wenn wir mit dem Zug fahren können, dann tun wir das“, sagt Ries.

2026 will das COSL mit der Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie beginnen. „Ja, das stimmt schon“, sagt Ries. „Es ist etwas spät. Aber meine generelle Wahrnehmung ist, dass die Nachhaltigkeit in Luxemburg insgesamt besser sein könnte. Luxemburg hatte als erstes europäisches Land seinen Overshoot Day (Der Tag, an dem die Menschen im Land alle natürlichen Ressourcen verbraucht haben, die die Erde in einem Jahr erneuern kann) am 17. Februar.“ Trotzdem: „Wir wissen, dass der Klimawandel den Sport beeinflusst. Dafür wollen wir ein Bewusstsein schaffen. Wenn wir als Vorbild für unsere Sportverbände auftreten, sie informieren und unterstützen – das gehört auch zur Nachhaltigkeitsstrategie –, dann kommen wir gemeinsam weiter. Ich denke, viele haben verstanden, dass etwas passieren muss – aber es geht nur langsam voran.“

Priorität hat immer die Leistung

Das größte Dilemma im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit ist jedoch die sportliche Leistung. Das fällt Ries, die 2024 in Paris bei Olympia dabei war, immer mehr auf. „Die sportliche Leistung der Athleten steht immer im Vordergrund. Sobald die Leistungsfähigkeit infrage steht, wird nicht mehr auf Nachhaltigkeit geachtet.“

Ein anschauliches Beispiel liefert Ries aus Paris: „Überall waren Wasserspender. Aber weil Coca-Cola auch Partner war, gab es auch Wasser und andere Getränke in Automaten – in Plastikflaschen. Es wurde trotzdem bevorzugt, die Getränke aus den Automaten zu nehmen. Warum? Weil verpacktes Wasser sicheres Wasser ist. Da ist nichts drin, da wird man nicht krank. Das hat wieder mit der Leistung zu tun.“ Verständlich, immerhin bereiten sich Sportler jahrelang auf Olympia vor und sind dann besonders empfindlich. „Die Wasserspender waren kontrolliert. Das waren keine Wasserquellen aus der Pampa. Dass die Athleten nichts riskieren, ist okay und verständlich. Aber Trainer, Betreuer und alle anderen?“

Insgesamt fragt sich Ries, wo die Zukunft sowohl der Winter- als auch der Sommerspiele liegt: „Olympia macht es möglich, dass Athleten verschiedenster Sportarten an einem Ort zusammenkommen. Die Fragen sind: Sind Winterspiele in Zukunft noch möglich? Und wenn ja, geht der besondere Multisport-Charakter, den Olympia ausmacht, nicht vor allem bei Winterspielen verloren? Wir müssen alle etwas tun, damit das nicht passiert.“