30. November 2025 - 11.07 Uhr
Vor dem Differdinger DerbyD03-Präsident Fabrizio Bei: „Ich sehe es nicht als eine Vorherrschaft“
Tageblatt: Inzwischen ist Trainer Pedro Silva ein halbes Jahr im Amt. Wie hat sich die Mannschaft spielerisch weiterentwickelt?
Fabrizio Bei: Es gab Fortschritte. Die Ergebnisse sprechen für sich. Man muss verstehen, dass es immer etwas Zeit in Anspruch nimmt, bis sich eine Mannschaft an die Arbeitsmethoden eines neuen Trainers angepasst hat. Aus unserer Sicht ist das ja nicht schlecht gelaufen. Trotzdem erhoffe ich mir, dass die Mannschaft sich noch steigert. Es ist noch Luft nach oben. Pedro Silva stößt aus dem Ausland und einem professionellen Umfeld zu uns. Seine Einstellung in einigen Bereichen muss auf die Spieler abfärben. Wir haben noch mehr Potenzial. Aber um es kurzzufassen: Ich kann mich nicht beklagen. Wir haben noch kein Spiel verloren. Es braucht aber noch mehr Erfolg im offensiven Bereich. Ich bin persönlich ein wenig enttäuscht über die Anzahl an Torchancen, die wir ungenutzt lassen. Das war auch am Mittwoch gegen Rodange der Fall. Es war keine gute Leistung unsererseits. Anders kann man es nicht beschreiben. Am Sonntag müssen wir ein anderes Gesicht zeigen.
Es gab in der vergangenen Saison auf den Tribünen Kritiker, die trotz Dominanz bei D03 einen zu defensiven Spielstil anprangerten. Waren diese Aussagen gerechtfertigt?
Nein. Diese Kritiken, die wir teilweise auch heute noch hören, sind nicht begründet. Wir haben unter Pedro Resende nicht defensiv gespielt und tun das auch jetzt nicht. Klar, wir haben die beste Verteidigung, aber das ist die Basis des Fußballs. Trotzdem denke ich, dass Differdingen einen offensiven Fußball spielt, es reicht, sich mit der Quantität der Torchancen zu befassen. Ich akzeptiere auch diese Vorwürfe nicht, es sei alles schlecht – etwa dass wir zwar zehn Punkte Vorsprung haben könnten, aber nicht viel liefern müssen. Was heißt das denn? Auch ist es nicht korrekt, zu behaupten, dass wir dominieren, weil die Konkurrenz schwächer geworden ist. Das ist Quatsch. Ich sehe es jedenfalls nicht als eine Vorherrschaft.
Wie schätzen Sie die öffentlichen Meinung über Déifferdeng 03 ein?
Wir werden ernst genommen. Gleichzeitig hat man manchmal den Eindruck, dass die Menschen meinen, dass es in unserer Lage leicht sei. Das ist es nicht. Jeder stellt sich und seine Aufgabe täglich wieder infrage. Wir machen das nicht auf einem Bein. Wir gewinnen, weil wir konzentriert und kompakt auftreten. Unser Trainerstab hat Spieler mit Qualität zur Verfügung, weshalb wir in den letzten zwei Jahren dominiert haben. Es sieht aber definitiv einfacher aus, als es intern wirklich ist. Wir haben noch gewisse Verbesserungsmöglichkeiten, um Prozente herauszuholen. Beispielsweise kann der europäische Sommer besser vorbereitet werden.
Was lernt man als Präsident und als Verein, wenn man erst einmal ganz oben angekommen ist?
Du machst dir viele Freunde, jeder klopft dir auf die Schulter. Ist es immer ernst gemeint? Der Neid ist groß. Wir wissen, dass wir bescheiden bleiben müssen. Ich versuche vieles zu tun, damit die Mannschaft und selbst der Vorstand nicht in zu große Euphorie verfällt. Jeder muss Opfer bringen. Erfolg kommt nicht von selbst. Es ist das Verdienst der Spieler und der Leute, die jeden Tag für diesen Verein arbeiten. Wer mich kennt, weiß, dass ich kein Blatt vor den Mund nehme: Mein Verein ist mein Leben. Dazu gehört, dass man konstruktive Kritik akzeptiert. Wenn es nicht nur darum geht, schlecht über uns zu reden, um uns zu schaden – nicht. Wir haben Respekt vor jedem Gegner, auch wenn wir im Pokal gegen Ehleringen spielen.
Was würde ein weiterer Titelgewinn für den Klub bedeuten – finanziell, international und personaltechnisch?
Ich will heute eigentlich noch nicht darüber reden, denn so weit ist es ja noch gar nicht. Selbstverständlich haben wir Ambitionen, aber die Meisterschaft ist noch nicht beendet. Sollte es so kommen, ändert ein Titel nichts an unserer Philosophie. Unser Ziel ist ein langer internationaler Sommer. Die Fehler, die wir diesmal gemacht haben, sollen vermieden werden.
Welche wären das?
Beispielsweise die Transfers früher unter Dach und Fach zu bringen und uns generell besser vorzubereiten. Vier Wochen reichen nicht für die Champions League. Du spielst eigentlich in zweimal 90 Minuten um eine komplette Saison. Zu diesem Zeitpunkt wissen wir noch nicht, ob wir gesetzt wären oder nicht. Aber warum sollten wir keine großen Ziele haben? Klar, es wurde über uns gelacht, denn wir haben viermal gegen die Kosovaren verloren. Aber jetzt wird klar, dass die noch kein Spiel in der Gruppenphase der Conference League verloren haben. So schlecht war ihr Niveau also nicht. Und wir wollen auch dorthin – in die Gruppenphase.
Inzwischen hat sich Investor Flavio Becca aus dem Luxemburger Fußball zurückgezogen. Welche Konsequenzen wird das in den nächsten Jahren haben?
Auf dieses Thema will ich nicht eingehen, denn ich möchte nicht über die Entscheidungen anderer Personen oder Vereine reden. Die Meisterschaft muss so anziehend wie möglich gemacht werden. Soziale Medien, Presse, Fernsehen: Ohne jemanden zu kritisieren, es wird nicht das Maximum herausgeschlagen. Jeder ist in der Liga willkommen. Es tauchten ja auch schon neue Namen auf. Die BGL Ligue muss ihre Qualität behalten.
Welcher Verein wird D03 in den nächsten Jahren gefährlich werden können?
Strassen, Bissen als Outsider, aber auch andere Mannschaften wie Niederkorn oder Düdelingen, die noch immer oben mitspielen. Mondorf sehe ich ebenfalls als ein Team an, das nie weit von diesen Kandidaten entfernt ist. Vom Racing ist eine andere Rückrunde zu erwarten. Es gibt keine Vorherrschaft von D03. Zum Erfolg gehören Qualität und ein bisschen Glück dazu. Wenn wir gegen den F91 unsere Chancen nutzen und 4:0 führen, kommen sie nicht auf 2:2 ran. Noch einmal: Wir müssen bescheiden bleiben. Ja, wir dominieren, aber es ist ein Wettbewerb. Es können auch mal Fehltritte vorkommen. Generell sind viele Konkurrenten auf Augenhöhe, es gibt kaum krasse Resultate, viele Ergebnisse sind eng.
Sie haben den Nachbarn dazugezählt. Wie stark schätzen Sie Progrès Niederkorn vor dem Derby ein?
Ich habe sie in dieser Saison noch nicht spielen sehen. Aber wie sagt man so schön: Ein Derby spielt man nicht, ein Derby gewinnt man. Es hat eine Art Pokalduft. Als Déifferdeng 03 wollen wir, dass die Hierarchie in der Gemeinde respektiert wird. Was den Kader angeht, haben sie den Trainer gewechselt, aber einen Großteil der Spieler behalten. Ich rechne mit einem attraktiven Derby. Es wird kein Spaziergang. Aber wir gewinnen, weil wir Differdingen sind und die Nummer eins der Gemeinde.
Sie teilen sich den Platz seit mehreren Monaten. Hat sich das Verhältnis irgendwie verändert? Lernt man den anderen Klub durch diese Nähe besser kennen?
Nein. Man kennt sich auch so. Sie haben uns vor ein paar Jahren geholfen. Es ist absolut normal, dass es umgekehrt genauso läuft. Ohnehin liegt die Entscheidung bei der Gemeinde. Wir haben gute Beziehungen, wie sich das gehört. Der Respekt ist gegenseitig. Um 16.00 Uhr wird man davon am Sonntag aber nichts spüren. In diesem Sinne möchte aber unsere Gärtner vom „Service des sports“ loben: Sie haben viel gearbeitet, der Platz ist den Umständen entsprechend in optimalem Zustand.
Derby, Ehre, Punkte: Worum geht es?
Dass wir das richtige Gesicht zeigen: Wir sind eine Mannschaft, die kämpft und guten Fußball spielt. Was das Ergebnis angeht, will ich natürlich gewinnen.
De Maart

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