Gedichtband von Grzegorz Kwiatkowski

„Während des Krieges stapelten wir die Körper wie Holz“

Mit seinem Lyrikband „brennend“ setzt Grzegorz Kwiatkowski ein Zeichen gegen das Schweigen angesichts der Schrecken des Zweiten Weltkriegs in dem damals besetzten Polen.

Grzegorz Kwiatkowski

Grzegorz Kwiatkowski

Gedichte zu schreiben, ohne sich vertrauensvoll der eigenen Fantasie zuzuwenden, ist unmöglich. Jedoch werden manche Texte geschrieben, ohne dass die Fantasie des Autors oder der Autorin zuvor von einem äußeren Erlebnis in Gang gesetzt worden wäre. Bei anderen wiederum gibt es diese Vorgeschichte; sie bildet gleichsam das Fundament, das alle Textschichten trägt und mit zarter Strahlkraft durch sie hindurchschimmert. Grzegorz Kwiatkowskis Lyrikband „brennend“ (Parasitenpresse) lässt sich in letztere Kategorie einordnen. Denn ihm geht eine unglaubliche wie herzzerreißende Geschichte voraus: Im Sommer 2015 spazierten Kwiatkowski und sein Freund Rafał Wojczal durch den Wald vor dem Konzentrationslager Stutthof, in dem Kwiatkowskis Großvater in der Zeit des Zweiten Weltkriegs gefangen gehalten worden war. Plötzlich stießen die beiden Männer auf mehrere tausend Schuhe. Die Schuhe waren abgenutzt, schmutzig und verschlissen, es gab sie in allen Größen, Herren- und Damenschuhe lagen dort aufeinandergestapelt, Schuhe für Kinder. Tiefer im Wald fanden die beiden noch viele Tausende mehr.

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