Global Diplomacy Index 2024Weltweites diplomatisches Netzwerk: China übertrumpft die USA

Global Diplomacy Index 2024 / Weltweites diplomatisches Netzwerk: China übertrumpft die USA
In den letzten Jahren hat China sein Netzwerk an diplomatischen Vertretungen rasant ausgebaut: Im Jahr 2011 hatte die Volksrepublik noch 23 weniger als die USA gehabt.  Foto: AFP

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Über die Seidenstraßen-Initiative investiert China seit Jahren in milliardenschwere Infrastrukturprojekte und bindet über finanzielle Abhängigkeiten vor allem Entwicklungs- und Schwellenländer an sich. Nun zeigt eine Rangliste, dass die Volksrepublik die USA auch bei offiziellen diplomatischen Vertretungen abgehängt hat.

China verfügt inzwischen über das umfangreichste diplomatische Netzwerk der Welt – noch vor den Vereinigten Staaten. Dies zeigt der Global Diplomacy Index 2024, herausgegeben vom Lowy Institute in Sydney. Die australische Denkfabrik hat untersucht, welche diplomatische Präsenz Länder haben und stellte dabei fest, dass China die USA in Afrika, Ostasien, Zentralasien und den pazifischen Inselstaaten überholt hat.

China führt den Index mit 274 Vertretungen an, die USA kommen auf 271. „Chinas Aufstieg an die Spitze verlief rasant“, heißt es im Bericht zu dem Index. Im Jahr 2011 habe die Volksrepublik noch 23 diplomatische Posten weniger als die USA gehabt. 2019 habe Peking Washington dann zum ersten Mal überholt. Inzwischen hat China eine größere diplomatische Präsenz als die Vereinigten Staaten in Afrika (60:56 Posten), Ostasien (44:27), den pazifischen Inselstaaten (9:8) und Zentralasien (7:6). In letzterer Region hat China die USA überholt, nachdem sich diese aus Afghanistan zurückgezogen haben.

Besser vertreten als China sind die Vereinigten Staaten dagegen noch in Europa (78:73), in Nord- und Mittelamerika (40:24) sowie in Südasien (12:10). Beide Länder haben gleich viele Stellen im Nahen Osten (17) und in Südamerika (15).

Taiwan hat deutlich an Boden verloren

Der Bericht zeigt zudem auf, dass Taiwan im Kampf um diplomatische Anerkennung gegenüber China deutlich an Boden verloren hat. Taiwan wird nur noch von zwölf Staaten anerkannt – Guatemala, Belize, Haiti, Paraguay, St. Kitts und Nevis, St. Lucia sowie St. Vincent und die Grenadinen auf dem amerikanischen Kontinent. Im Pazifik halten noch drei Länder Taiwan die Stellung – die Marshallinseln, Palau und Tuvalu. Eswatini – das frühere Swasiland – ist Taiwans einziger afrikanischer Verbündeter und die Vatikanstadt der einzige in Europa. Zuletzt brach der pazifische Inselstaat Nauru im Januar seine diplomatischen Beziehungen zu Taiwan ab und gab bekannt, künftig das sogenannte Ein-China-Prinzip zu verfolgen. Dies unterstreiche „den wachsenden Einfluss Pekings“, hieß es in einer Pressemitteilung zum Index.

„Diplomatie wird oft als Maß für Einfluss übersehen, aber sie war noch nie ein wichtigeres Element der Staatskunst“, sagte Ryan Neelam, Direktor des Programms für öffentliche Meinung und Außenpolitik am Lowy Institute. Der Global Diplomacy Index zeige, dass Regierungen weiterhin in Diplomatie investieren, um Macht zu demonstrieren und ihre Interessen durchzusetzen. In der aktuellen Rangliste spiegele sich die anhaltende Rivalität zwischen den Vereinigten Staaten und China wider. Außerdem zeige sie, wie der geopolitische Wettbewerb Asien und den Pazifik als Regionen in den Fokus gerückt habe.

Indopazifik als geostrategischer Hotspot

So hat China seine Präsenz in der Indopazifik-Region deutlich ausgebaut: Die Volksrepublik hat eine Botschaft auf den Salomonen eröffnet, mit denen es zudem ein Sicherheitsabkommen geschlossen hat, und seine inoffizielle Präsenz in Kiribati erweitert. Außerdem wird erwartet, dass Peking nach der Entscheidung Naurus Anfang des Jahres auch dort eine diplomatische Vertretung eröffnen wird.

Etliche andere Länder haben aber ebenfalls neue diplomatische Vertretungen in der Asien-Pazifik-Region eröffnet, darunter Deutschland, das im vergangenen August eine Botschaft in Fidschi aufmachte.

Besonders aktiv waren nicht zuletzt auch die USA, die die Region vor allem unter der früheren Regierung Donald Trumps eher vernachlässigt hatten. In der ersten Hälfte des Jahres 2023 schickte Washington seine Diplomaten nach Honiara auf den Salomonen sowie nach Tonga. Im vergangenen September gab US-Präsident Joe Biden dann bekannt, dass die Vereinigten Staaten die Cookinseln und Niue als unabhängige, souveräne Nationen anerkannt hätten und man beabsichtige, mit jeder Nation diplomatische Beziehungen aufzunehmen. Gleichzeitig verkündete das Weiße Haus, dass im Jahr 2024 eine Botschaft in Vanuatu eröffnet werden solle. Auch für den Pazifikstaat Kiribati soll eine neue diplomatische Vertretung in Planung sein.

Japan, Indien und Türkei legen zu

Ein zweites asiatisches Land, das laut der australischen Denkfabrik neben China große Fortschritte in den vergangenen Jahren gemacht hat, ist Japan. Neben einem wachsenden Militärbudget würde das Land eines der größten diplomatischen Netzwerke der Welt (Platz vier insgesamt, nach der Türkei und vor Frankreich) betreiben und verfüge nach China über das größte globale diplomatische Netzwerk eines asiatischen Landes, wie es hieß. Seit 2017 hat Japan sein Netzwerk um elf diplomatische Posten erweitert.

Die Rangliste macht zudem den wachsenden Einfluss der Türkei und Indiens deutlich. Beide Länder haben ihre Netzwerke ausgesprochen schnell erweitert und seit der letzten Veröffentlichung des Indexes im Jahr 2021 jeweils elf diplomatische Präsenzen hinzugefügt. Während die Türkei inzwischen die meisten diplomatischen Vertretungen nach China und den USA hat, rangiert Indien ebenfalls unter den Top 20 – nämlich an elfter Stelle. Im Vergleich: Deutschland ist auf Platz acht, die Schweiz auf Platz 19, Österreich auf Platz 36 und Luxemburg auf Platz 54.

Obwohl Russland nach wie vor Platz sechs auf der Rangliste einnimmt, hat der russische Einmarsch in die Ukraine doch erhebliche Auswirkungen auf sein diplomatisches Netzwerk. Laut dem Bericht des australischen Think-Tanks hat Moskau seit Beginn der Invasion 14 seiner Auslandsposten geschlossen und 16 der für den Index untersuchten Länder haben ihre Vertretungen aus Russland abgezogen.

luxmann
25. Februar 2024 - 20.22

FrauML Bei mir haengt noch immer das mao bild in der kueche...das kruzifix war nie mein ding?

Frau Müller-Lüdenscheid
25. Februar 2024 - 18.05

Nehmt schon mal die Kruzifixe über den Türe weg und tauscht sie gegen Xi Bilder?

luxmann
25. Februar 2024 - 16.38

Kommt wohl davon dass China mit jedem spricht und handel treibt,waehrend die USA in ihrer arroganz meinen, laender welche ihnen nicht in den kram passen ,boykottieren oder sanktionieren zu muessen.