Sport machen, weil es der Arzt verordnet hat? Das ist in Luxemburg künftig Realität: Das neue Pilotprojekt „Prescription d’activité physique“ (PAP) ermöglicht es Ärzten ab Anfang 2026, Patienten mit chronischen Erkrankungen gezielt körperliche Aktivität zu verschreiben. Das Konzept entsteht in einer Zusammenarbeit zwischen dem Ministerium für Gesundheit und Soziales, Ministerium für Sport, dem Nationalen Institut für Bewegung und Sport, dem Luxemburger Verband für Gesundheitssport, dem Kreis der Allgemeinmediziner und der Luxemburger Gesellschaft für Sportmedizin.
Wer ist betroffen?
Wie auf der Website santesecu.lu zu lesen ist, richtet sich das PAP-Projekt zunächst an Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und/oder Typ-2-Diabetes, die sich in einem stabilen Krankheitszustand befinden. Die Patienten werden an spezialisierte Vereine, insbesondere die Mitgliedsvereine der „Fédération luxembourgeoise des associations de sport de santé“ (FLASS) vermittelt und dort von Fachleuten für Bewegung betreut. Teilnehmende Ärzte erhalten über die Agentur eSanté Zugang zu einer digitalen Plattform, über die sie körperliche Aktivität verschreiben können – vorausgesetzt, sie haben an einer entsprechenden Schulung für die Bewegungsverschreibung teilgenommen.
In einer parlamentarischen Anfrage vom 26. November erkundigen sich die CSV-Abgeordneten Jeff Boonen und Charles Weiler nach weiteren Details zu dem Konzept. Sie wollen unter anderem wissen, wie viele Ärzte die nötige Schulung bereits absolviert haben, wie die PAP in der Praxis angewendet wird und nach welchen Modalitäten das Konzept bewertet wird.
Individuelle Verschreibungen und Kursvermittlung
„Das Pilotprojekt wird Anfang 2026 gestartet und dauert ab dem Start ein Jahr“, schreibt die CSV-Gesundheitsministerin Martine Deprez in ihrer Antwort vom vergangenen Montag. Bis zum 8. Dezember seien 73 Ärzte in den ersten drei Schulungssitzungen geschult worden. Für Interessenten könnten Anfang 2026 weitere Schulungssitzungen organisiert werden.
Laut Ministerin kann jeder Patient eine individuelle Verschreibung für körperliche Aktivität von seinem Arzt erhalten. Diese werde an die FLASS weitergeleitet. Die FLASS wiederum vermittle den Patienten an einen passenden Mitgliedsverein, der Kurse anbietet, die auf seine Bedürfnisse zugeschnitten sind. Ähnlich wie bei der Physiotherapie sei eine solche Verschreibung einen Montag lang gültig. Innerhalb von dieser Zeit müsse der Patient Kontakt mit dem Verband aufnehmen. Die Vereinsbeiträge würden für sechs Monate übernommen.
Was die Einrichtungen betrifft, so umfasst das Programm laut Ministerin aktuell fünf FLASS- Mitgliedsverbände, die an das PAP-Projekt angepasste Sportkurse anbieten:
– Association luxembourgeoise des groupes sportifs pour cardiaques (ALGSC)
– Association luxembourgeoise des groupes sportifs oncologiques (ALGSO)
– Fondation Cancer
– Think Pink
– Association luxembourgeoise du diabète
Evaluation und mögliche Ausweitung
Die genannten Verbände boten im Jahr 2024 insgesamt 2792 Kursstunden an. Das PAP-Programm basiere auf einer Schätzung der Kapazitäten, die diese Verbände mit den vorhandenen Ressourcen bewältigen können. Die Kurse der Verbände seien über die verschiedenen Regionen des Landes verteilt und einige (darunter ALGSC und ALGSO) würden darüber hinaus auch Online-Kurse anbieten.
„Sollte sich im Laufe des Pilotprojekts herausstellen, dass die Zugänglichkeit der Kurse im gesamten Staatsgebiet nicht der Nachfrage entspricht, wird dies bei den Überlegungen zur möglichen Ausweitung des Programms berücksichtigt“, schreibt Deprez.
Das Projekt werde durch operative und qualitative Indikatoren bewertet, darunter Informationen über das Volumen der Verschreibungen, die Teilnahmequote der Patienten und die Entwicklung der Lebensqualität der Patienten, die an den Bewegungskursen teilnehmen. Zudem erfolge eine Analyse der Ausbildung und der Organisation des Patientenpfads anhand von Rückmeldungen der Ärzte und der FLASS-Mitgliedsverbände.
De Maart

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