In fast brutaler Direktheit schloss US-Präsident Donald Trump am Samstag eine Spitzenposition für Machado im künftigen Venezuela aus: „Sie hat nicht die Unterstützung oder den Respekt im Land. Sie ist eine sehr nette Frau, aber sie wird nicht respektiert“, sagte Trump. Stattdessen würden die USA das südamerikanische Land erst einmal selbst führen, möglicherweise zusammen mit der bisherigen Vizepräsidentin von Maduro, Delcy Rodríguez, die das Oberste Gericht von Venezuela inzwischen zur Übergangspräsidentin ernannte.
Machado, die über Monate mit der US-Regierung in Kontakt gestanden hatte, hatte in einer ersten Reaktion nach der Gefangennahme des linksnationalistischen Staatschefs Maduro von Trump gefordert, den im Exil lebenden Oppositionspolitiker Edmundo González Urrutia „sofort“ als neuen Präsidenten auszurufen.
Zweieinhalb Jahren im Untergrund
Die weit rechts stehende Machado hatte ihren Nobelpreis Trump gewidmet. Sie rühmte ihn als „Verfechter der Freiheit“ und begrüßte den militärischen Druck, den die USA in den vergangenen Monaten auf die Maduro-Regierung aufgebaut hatten, auch wenn sie nicht direkt für eine Militärintervention plädierte.
Maduro und seine Frau Cilia Flores wurden nun von US-Elitesoldaten in Caracas gefangen genommen und außer Landes gebracht. Dem langjährigen Staatschef soll in New York wegen „Verschwörung zum Drogenterrorismus“ der Prozess gemacht werden.
Machado lebt seit zweieinhalb Jahren in Venezuela im Untergrund. Nur gelegentlich war sie in dieser Zeit in der Öffentlichkeit aufgetaucht, indem sie etwa unangekündigt eine Rede auf der Ladefläche eines Lieferwagens hielt und dann auf dem Motorrad flüchtete. Das Nobelkomitee ehrte sie „für ihren Kampf für einen gerechten und friedlichen Übergang von der Diktatur zur Demokratie“.
Den Nobelpreis nahm Machado allerdings nicht selbst entgegen, sondern ihre Tochter Ana Corina Sosa Machado. Die venezolanische Oppositionschefin traf erst nach der Verleihung in Oslo ein, während der geheim gehaltenen Reise über das Meer hatte sie sich laut einer Sprecherin einen Wirbel gebrochen.
Nicht als Kandidatin zu Wahlen zugelassen
Die gelernte Ingenieurin hat in den Jahren ihrer Oppositionsarbeit gegen Maduro viel Widerstandskraft unter Beweis gestellt. Von der Präsidentschaftswahl im Juli 2024 war sie ausgeschlossen worden. Sie leitete stattdessen den Wahlkampf für den Oppositionskandidaten González Urrutia. Von ihr stammte auch die Idee, die Ergebnisse aller Wahlkreise zu sammeln und zusammenzurechnen.
Auf dieser Basis erklärte die Opposition González Urrutia mit 67 Prozent der Stimmen zum Wahlsieger. Die regierungstreue Wahlbehörde rief hingegen Maduro mit 52 Prozent zum erneuten Wahlsieger aus, ohne dafür detaillierte Berechnungen vorzulegen. Zahlreiche Staaten erkannten das offizielle Ergebnis daraufhin nicht an. Proteste nach den Wahlen ließ die Regierung gewaltsam niederschlagen. Und während Machado innerhalb Venezuelas untertauchte, flüchtete González Urrutia ins Exil nach Spanien.
Machado hatte sich erstmals im Jahr 2002 in die Politik eingeschaltet und ein Referendum gegen den damaligen linksgerichteten Präsidenten, Maduros Mentor Hugo Chávez, gefordert. Weil sie Morddrohungen erhielt, schickte sie ihre damals noch kleinen Kinder in die USA.
Nach Jahren interner Grabenkämpfe kürte die Opposition sie bei Vorwahlen im Oktober 2023 geschlossen zu ihrer Präsidentschaftskandidatin. Ihre Anhänger feiern sie als „La Libertadora“, also „Befreierin“ – in Anlehnung an den als „Befreier“ titulierten Unabhängigkeitskämpfer und Nationalhelden Simón Bolívar. Doch durfte ihr Name schließlich nicht auf den Stimmzetteln stehen.
Gute Kontakte zu Rechtsradikalen in Europa
In ihrer Oppositionsarbeit hat sich Machado auch weitverzweigte internationale Kontakte aufgebaut. Dazu gehören rechtspopulistische und rechtsradikale Kräfte in Europa und den USA – einer der Gründe, warum ihre Ehrung mit dem Friedensnobelpreis auch umstritten ist. Bei einem Kongress der Rechtsaußen-Fraktion Patrioten für Europa im EU-Parlament bedankte sie sich im vergangenen Februar per Videobotschaft für die Unterstützung im Kampf gegen Maduro. Auch unterhält Machado gute Kontakte zur spanischen rechtsradikalen Partei Vox.
Machado stammt aus wohlhabenden Verhältnissen, ihr Vater besaß ein Stahlunternehmen. Sie ist Verfechterin einer liberalen Marktwirtschaft und ist für die Privatisierung des riesigen staatlichen Ölkonzerns Petróleos de Venezuela (PDVSA), der wichtigsten Einnahmequelle des Landes.
Venezuela ist das Land mit den größten Ölreserven der Welt, doch wegen Missmanagement, Korruption und US-Sanktionen ist die Produktion massiv eingebrochen. Wegen der jahrelangen Wirtschaftskrise haben nach UN-Angaben acht Millionen Menschen – rund ein Viertel der Bevölkerung – das einst wohlhabende Land verlassen. (AFP)
Trump droht Interimspräsidentin
US-Präsident Donald Trump hat der Interimspräsidentin Venezuelas, Delcy Rodríguez, gedroht. „Wenn sie nicht das Richtige tut, wird sie einen sehr hohen Preis zahlen müssen, wahrscheinlich einen höheren als Maduro“, sagte Trump gestern in einem Telefoninterview mit dem Magazin The Atlantic.Zunächst würden die USA das südamerikanische Land führen, hatte Trump am Samstag gesagt. US-Außenminister Marco Rubio betonte am Sonntag, die US-Regierung sei grundsätzlich zur Zusammenarbeit mit der verbleibenden Führung in Venezuela bereit, falls diese „die richtige Entscheidung“ treffe.
In einer ihrer ersten Stellungnahmen erklärte die später als Interimspräsidentin vereidigte Rodríguez, Maduro sei „der einzige Präsident Venezuelas“. Sie forderte von Washington dessen Freilassung und erklärte zugleich, ihre Regierung werde Venezuela und seine „natürlichen Ressourcen verteidigen“.
Die Militärs in Venezuela unterstützen die Ernennung von Delcy Rodríguez zur Interims-Staatschefin. Verteidigungsminister Vladimir Padrino erklärte gestern in einer Fernsehansprache, die Streitkräfte des Landes billigten die Entscheidung des Obersten Gerichts, die bisherige Stellvertreterin von Staatschef Nicolás Maduro nach dessen Gefangennahme durch das US-Militär mit den Amtsgeschäften zu betrauen.
Zugleich bezeichnete der Minister den US-Einsatz als „feige Entführung“, bei der „kaltblütig“ eine Reihe von Maduro-Leibwächtern getötet worden seien. Seine Landsleute rief er auf, „in den kommenden Tagen alle Aktivitäten wieder aufzunehmen, sei es in der Wirtschaft, im Arbeitsleben oder im Bildungswesen“. Sie sollten Frieden und Ordnung wahren und nicht „Drohungen und der Angst nachgeben, die man uns aufzwingen will“.
„Ein Land wiederaufzubauen, ist keine schlechte Sache“, fuhr der US-Präsident am Sonntag in dem Interview fort. Venezuela sei „bankrott“. Das ölreiche Land sei „in jeder Hinsicht eine Katastrophe“. Trump hatte bereits am Samstag angekündigt, die großen US-Ölkonzerne würden nun in Venezuela „reingehen, Milliarden Dollar ausgeben, die schwer beschädigte Infrastruktur reparieren, die Öl-Infrastruktur, und anfangen, Geld für das Land zu machen“. Er fügte hinzu: „Wir werden große Mengen Öl verkaufen.“ (AFP)
De Maart
Eine frau aus der lateinamerikanischen ultrarechten wie Milei,Bolsonaro,Kast oder Bukele.
Alles freunde des Donald.
Eine seltsame wahl fuer einen friedensnobelpreis.