Donnerstag1. Januar 2026

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GazastreifenMindestens 419 Tote bei heftigsten Angriffen Israels seit Beginn der Waffenruhe

Gazastreifen / Mindestens 419 Tote bei heftigsten Angriffen Israels seit Beginn der Waffenruhe
Angehörige stehen neben den in Decken eingewickelten Leichen auf dem Gelände des Al-Mamdani-Krankenhauses in Gaza-Stadt Foto: Omar Al-Qattaa/AFP

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Mit der Rückendeckung der USA hat Israel die heftigsten Angriffe auf Ziele im Gazastreifen seit Beginn der Waffenruhe in dem Palästinensergebiet vor rund zwei Monaten geflogen.

Die israelische Armee gab am Dienstag „umfangreiche Angriffe auf Terrorziele der Hamas im Gazastreifen“ bekannt. Verteidigungsminister Israel Katz erklärte, Israel werde weiter kämpfen, bis alle Geiseln zurückgekehrt seien. Nach Angaben der Hamas wurden bei den Angriffen mehr als 400 Menschen getötet, darunter ihr Regierungschef. Die UNO verurteilte die Angriffe.

Die erneuten Luftangriffe seien eine Reaktion auf „die wiederholte Weigerung der Hamas, unsere Geiseln freizulassen“, teilte die israelische Regierung mit. Die von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Katz beschlossenen Angriffe resultierten aus der „Ablehnung aller Vorschläge“, welche die islamistische Palästinenserorganisation vom US-Sondergesandten Steve Witkoff und den Vermittlern Katar und Ägypten erhalten habe.

Israels Außenminister Gideon Saar bezeichnete das Vorgehen der Armee als alternativlos. „Ohne die Freilassung unserer Geiseln hat Israel keine Alternative zur Wiederaufnahme von Militäroperationen“, erklärte Saar und warf der Hamas vor, ein Angebot zu Verlängerung der ersten Phase der Waffenruhe abgelehnt zu haben.

Katz erklärte, die Hamas müsse verstehen, dass sich die „Spielregeln geändert haben“. Wenn sie nicht sofort alle Geiseln freilasse, „werden sich die Pforten der Hölle öffnen“ und die Hamas werde die „ganze Macht“ der israelischen Streitkräfte zu spüren bekommen – „bis zu ihrer vollständigen Zerstörung“.

Laut Hamas viele Frauen und Kinder unter Toten

Nach Angaben Israels und der USA war das Vorgehen mit Washington abgestimmt. „Ich kann bestätigen, dass die Wiederaufnahme der intensiven Kämpfe im Gazastreifen vollständig mit Washington koordiniert worden ist“, erklärte der israelische Regierungssprecher David Mencer. Zuvor hatte bereits das Weiße Haus erklärt, dass sich Israel und Washington vor den Angriffen abgestimmt hätten.

Die US-Regierung gab der Hamas die Schuld für die Angriffe: „Die Hamas hätte die Geiseln freilassen und die Waffenruhe verlängern können, aber sie wählte stattdessen die Ablehnung und den Krieg“, erklärte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates, Brian Hughes.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums der Hamas wurden bei den Angriffen mindestens 419 Menschen getötet sowie hunderte weitere verletzt. Bei den meisten Toten handele es sich um Frauen, Kinder und Ältere. Die Hamas erklärte, unter den Opfern befinde sich auch ihr Regierungschef, Essam al-Dalis. Später gab ein Verantwortlicher des Islamischen Dschihad den Tod des Sprechers des bewaffneten Arms der Gruppe, der Al-Kuds-Brigaden, bekannt.

Waffenruhe hielt, trotz Angriffe Israels

Die Hamas warf Netanjahu vor, nach dem Ausbleiben eines Erfolgs bei den Waffenruhe-Verhandlungen „den Krieg wieder aufzunehmen“, und warnte, dieser Schritt könne ein „Todesurteil“ für die verbliebenen Geiseln sein. Das Forum der Geisel-Familien befürchtet nach eigenen Angaben, dass ihre Angehörigen „geopfert“ werden.

UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich schockiert über die neuen Angriffe und rief dazu auf, „die Waffenruhe zu respektieren, ungehinderte humanitäre Hilfslieferungen wieder aufzunehmen und die verbliebenen Geiseln bedingungslos freizulassen“.

Im Ringen um die Fortsetzung des Abkommens waren in Katars Hauptstadt Doha weitere indirekte Gespräche zwischen Israel und der Hamas geplant gewesen. Die erste Phase der Waffenruhe war am 1. März ausgelaufen, eine Einigung über die zweite Phase konnte trotz intensiver Bemühungen der Vermittler USA, Ägypten und Katar bisher nicht erzielt werden.

Seit Anfang März hatte Israel fast jeden Tag Hamas-Ziele im Gazastreifen angegriffen. Die ab dem 19. Januar geltende Waffenruhe hielt dennoch weitgehend. In der ersten Phase hatte die Hamas 33 von ihr als Geiseln verschleppte Menschen an Israel zurückgegeben, darunter acht Leichen. (AFP)