Samstag3. Januar 2026

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KommunalpolitikMal freiwillig, mal nicht: Wo 2025 Bürgermeister ihren Hut nahmen

Kommunalpolitik / Mal freiwillig, mal nicht: Wo 2025 Bürgermeister ihren Hut nahmen
Diese elf Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sind aus den verschiedensten Gründen nicht mehr im Amt Fotomontage: Editpress/ Louis Elsen

Im Jahr 2025 gab es viele Rücktritte von Bürgermeistern. Die Gründe dafür sind vielfältig: persönlich aber auch politisch. Durch diese Rücktritte starten einige Gemeinden mit einer neuen politischen Führung ins neue Jahr. Ein Überblick.

Im letzten Jahr gab es im Land in elf Gemeinden einen Wechsel an der Spitze. Bereits im Juli hatten wir über erste Postenwechsel berichtet. Während viele aus persönlichen Gründen freiwillig abtraten, gab es auch einige Bürgermeister, die unfreiwillig abtreten mussten. Ein Trend ist, dass Gemeindeoberhäupter immer mehr Aufgaben wahrnehmen müssen, die Zeit aber nicht reicht. Die meisten Kommunen in Luxemburg verfügen über keinen Vollzeitbürgermeister, was zu Zeitmangel führen kann. Bereits 2024 hatte Innenminister Léon Gloden (CSV) das Gesetz geändert: Neben mehr „Congé politique“ wurde der Status des Bürgermeisters als Vollzeitposten auf Gemeinden mit über 6.000 Einwohnern ausgedehnt. Davor galt dies nur ab einer Bevölkerung von 10.000.

Auffällig ist, dass es von Januar bis Juni 2025 nur freiwillige Rücktritte gab. Im Dezember gab es jedoch auch zwei Gemeinden (Bech und Wiltz), in denen Gemeindeoberhaupt und Schöffenrat nach erfolgreichen Misstrauensvoten ihren Hut nehmen mussten. In beiden Fällen stimmte eine Mehrheit im Gemeinderat gegen den Haushaltsentwurf, und leitete so das Misstrauensvotum („motion de censure“) in die Wege. Aktuell kann der Gemeinderat nur dann einem Schöffenrat das Vertrauen entziehen, wenn zuvor eine Mehrheit den Haushaltsentwurf ablehnt. Aber: Die Regierung arbeitet an einem Gesetz, das dem Gemeinderat in Zukunft erlauben soll, zu jedem Zeitpunkt im Jahr den Bürgermeister abzuwählen. Dies soll verhindern, dass Kommunen, in denen sich die Mehrheitsverhältnisse ändern, schlimmstenfalls ein ganzes Jahr über handlungsunfähig sind.

So kam es in Contern zum Beispiel über einen längeren Zeitraum zu einem politischen Stillstand. Die Bürgermeisterin hielt zunächst an ihrem Amt fest, obwohl die anderen Parteien bereits dabei waren, eine neue Koalition zu schmieden.

Zu wenig Zeit oder schlechte Gesundheit

Trotz mehreren unfreiwilligen Rückzugen zum Jahresende überwogen 2025 die Rücktritte aus persönlichen Gründen. Die Gründe waren Gesundheit, Alter oder zu wenig Zeit. In Hesperingen trat Marc Lies (CSV) aus gesundheitlichen Gründen zurück. Diane Adehm (CSV) übernahm. Auch Jacqueline Breuer (LSAP) erklärte ihren Amtsverzicht als Gemeindeoberhaupt von Sandweiler damit, dass ihre Gesundheit es ihr nicht mehr ermögliche, das Amt als Bügermeisterin in vollem Umfang auszuführen. Claude Mousel (DP) folgte ihr. Gleiches gilt für Laurent Hilger („Mat Iech“) in Esch/Sauer. Ein Nachfolger steht noch nicht fest, solange nimmt Hilger die Aufgaben weiter wahr.

In Steinsel trat Fernand Marchetti (LSAP) aus Altersgründen von seinem Amt zurück. Parteikollegin Manon Kolber-Hoffmann ersetzte ihn. Auch in Käerjeng entschied sich Michel Wolter (CSV), den Weg für eine Verjüngung freizumachen. Desiginierte Nachfolgerin ist seine Frau und Parteikollegin Nadine Braconnier. Sie soll am 15. April 2026 übernehmen. Diese Entscheidungen löste allerdings Diskussionen aus, von Vetternwirtschaft war die Rede.

Vincent Reding (CSV), Gemeindevater in Weiler-la-Tour, begründete seine Abdankung damit, dass ihm die Zeit fehle, sowohl sein politisches Amt als auch seinen Beruf mit dem nötigen Engagement anzugehen. Aber auch private Schicksalsschläge trugen zu seiner Entscheidung bei. Maurice Groben folgte ihm. Auch Bartringens Bürgermeisterin Monique Smit-Thijs (DP) gab bei ihrem Rücktritt persönliche Gründe an: Sie wolle es in Zukunft in ihrem Leben ruhiger angehen lassen. Ihr Parteikollege Youri de Smet wurde ihr Nachfolger.

Einen Sonderfall stellt Schifflingen dar. Wie bereits im Koalitionsvertrag festgehalten, ersetzte zur Mandats-Halbzeit Carlo Feiereisen (LSAP) am 1. August den bisherigen Bürgermeister Paul Weimerskirch (CSV).

Mobbing und abgelehnte Budgets

Im vergangenen Jahr gab es allerdings auch Gemeinden, in denen der Bürgermeisterposten aus politischen Gründen neu besetzt wurde. In Contern war der Rücktritt von Marion Zovilé-Braquet (CSV) das Ende einer längeren Affäre. Ihr wurde Mobbing vorgeworfen und es gab eine Gerichtsaffäre um die Entlassung zweier Gemeindemitarbeiter. Dali Zhu (DP) folgte ihr im Dezember, nachdem die vorherige Koalition auseinandergebrochen war.

Im Becher Gemeinderat kam es am 10. Dezember zum Eklat: Rat Emile Bohnenberger von der Mehrheit stimmte gemeinsam mit der Opposition gegen den Haushalt. Ein darauf angestrebtes Misstrauensvotum war Ende Dezember erfolgreich, der Schöffenrat und Bürgermeisterin Jill Goeres traten zurück. Am 12. Januar 2026 soll der neue Schöffenrat im Gemeinderat gewählt werden.

Auch im Ardennenstädtchen Wiltz hing der Haussegen schon länger schief, was am 18. Dezember zum Knall führte: Der Haushalt wurde abgelehnt. Resultat: Der Schöffenrat um Bürgermeisterin Carole Weigel (CSV) musste zurücktreten. Patrick Comes (LSAP) übernimmt 2026.