Samstag3. Januar 2026

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Nach TerroranschlagGroßbritannien sorgt sich um die Sicherheit der Juden im Land

Nach Terroranschlag / Großbritannien sorgt sich um die Sicherheit der Juden im Land
Premier Keir Starmer und seine Ehefrau Victoria besuchten am Freitag die jüdische Gemeinschaft in Heaton Park Foto: Phil Noble/Pool/AFP

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Nach dem Terroranschlag von Manchester hat der britische Premierminister am Freitag den Tatort besucht und sich bei den Einsatzkräften vor Ort bedankt.

„Wir werden gemeinsam dafür Sorge tragen, dass unsere jüdische Gemeinschaft in Sicherheit leben kann“, sagte Keir Starmer. Bei der Bluttat an Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, hatte am Donnerstag ein 35-jähriger Muslim eine Synagoge in der nordenglischen Metropole angegriffen und einen Mann getötet sowie mehrere Menschen schwer verletzt. Der Täter wurde von eilends herbeigerufenen Polizisten erschossen; tragischerweise kam dabei auch ein Verteidiger der Synagoge durch eine Schussverletzung ums Leben.

Beim Täter handelt es sich um einen 35-Jährigen, der als Kind mit seinen Eltern aus Syrien auf die Insel gekommen war. Noch als Minderjähriger erhielt er 2006 die britische Staatsbürgerschaft. Die Familie des erschossenen Attentäters versicherte die Opfer sowie deren Angehörige ihres Mitgefühls: „Wir verurteilen die abscheuliche Tat aufs Schärfste.“

Am Freitag ergab sich aus den Angaben von Polizei und Augenzeugen ein genaueres Bild der Geschehnisse vom Vortag. Demzufolge rammte Jihad al-Shamie gegen 9.30 Uhr das Eingangstor zur Synagoge von Heaton Park im Vorort Crumpsall mit einem schwarzen Kia. Dabei erlitt mindestens ein Mensch Verletzungen durch das Auto. Der Täter stach wahllos auf mehrere Männer ein und rannte zum Eingangstor des Gotteshauses. Dort verbarrikadierten sich mehrere Sicherheitsleute hinter der Tür, die al-Shamie mit Gewalt zu öffnen versuchte.

Ein Opfer starb durch Polizeikugel

Unterdessen war um 9.31 Uhr der erste Notruf bei der Polizei eingegangen, drei Minuten später wurde das bewaffnete Einsatzkommando alarmiert. Die ersten Beamten trafen um 9.38 Uhr vor Ort ein und eröffneten nach mehreren Warnrufen das Feuer auf den ihnen entgegenkommenden Täter. Der Mann trug silbern glänzende Beutel am Gürtel, versuchte also, den Eindruck zu erwecken, er trage eine Bombe bei sich. „Er hat eine Bombe, gehen Sie weg!“, rief einer der Beamten den herumstehenden Schaulustigen zu. Als sich der Verletzte aufzurichten versuchte, wurde er von einem weiteren Schuss niedergestreckt und getötet.

Tragischerweise befanden sich offenbar zwei Opfer der Attacke, die das Synagogentor verteidigten, im Schussfeld der Polizei. Augenzeugen zufolge erlitt einer einen Streifschuss am Bein, während der zweite in der Bauchgegend tödlich getroffen wurde. Wie auf der Insel bei einem Schusswaffengebrauch üblich, leitete die Polizeiaufsicht IOPC eine Untersuchung ein.

Angeführt vom König, erhielten die rund 300.000 Juden auf der Insel zahllose Bekundungen von Mitgefühl und Solidarität aus der Zivilgesellschaft. Charles III. zeigte sich „tief schockiert“ und sprach von seinem „tiefen Mitgefühl für alle Betroffenen“. Der Premierminister hatte am Donnerstag seine Teilnahme am Treffen der europäischen politischen Gemeinschaft in Kopenhagen vorzeitig abgebrochen, um in London persönlich eine Sitzung des Krisenstabs zu leiten. Anschließend besuchte er mit seiner jüdischen Frau sowie Finanzministerin Rachel Reeves eine Synagoge in London.

Polizei verstärkt Präsenz vor jüdischen Einrichtungen

In der Hauptstadt wie in anderen Städten des Landes will die Polizei ihre Präsenz rund jüdische Einrichtungen sowohl sichtbar wie unsichtbar verstärken, zumal am Dienstag der zweite Jahrestag des Hamas-Massenmordes in Süd-Israel bevorsteht.

Die Bluttat von Manchester zog aber auch politischen Streit nach sich. Der israelische Außenminister Gideon Sa’ar bezichtigte die britische Regierung der Schwäche gegenüber zunehmendem Antisemitismus und machte Premier Starmer indirekt für den Anschlag verantwortlich. In London verurteilte Innenministerin Shabana Mahmood jene Pro-Palästina-Marschierer, die am Donnerstagabend durch die Innenstädte von London und Manchester gezogen waren und gegen Israels „Genozid in Gaza“ demonstriert hatten. Dies sei „unbritisch“, sagte die gläubige Muslima: „Ich würde zu diesen Leuten gern sagen, sie sollten einen Moment nachdenken und sich in die Situation von jenen versetzen, die durch einen Terroranschlag jemanden verloren haben.“ Ein Appell der Polizeibehörden an die Organisatoren, angesichts ihrer zusätzlichen Belastung am Wochenende von vergleichbaren Demonstrationen abzusehen, verhallte ungehört.