Die entspannten Nachsaisonferien sind für die vom plötzlichen Kälteeinbruch überraschten Touristen an Bulgariens Schwarzmeerküste zum Alptraumurlaub geworden. Am Samstag bargen Rettungskräfte im Seebad Elenite unweit der Küstenstadt Burgas das vierte Todesopfer der durch sintflutartigen Niederschläge ausgelösten Flutkatastrophe im Südosten des Balkanstaats: Der aus St. Petersburg angereiste Mann der 58-jährigen Russin, die unter Schlammmassen und Baumstümpfen begraben worden war, hatte die Behörden besorgt auf das Verschwinden seiner Frau aufmerksam gemacht.
In den schlammigen Fluten, die in Elenite herrenlose Autos, entwurzelte Bäume und Trümmer ins Meer spülten, verloren mit einem Grenzpolizisten und einem Baggerführer auch zwei Rettungskräfte ihr Leben. Ein ums Leben gekommener Hotel-Angestellter wurde von dem tödlichen Hochwasser an seinem Arbeitsplatz im Erdgeschoss überrascht.
Während an der Schwarzmeerküste im Südosten des Landes hunderte von durch das Unwetter überraschte Touristen in hochwassersichere Notquartiere verlegt werden mussten, machten Bulgariens Nordwesten ungewohnte frühe Schneefälle, Stromausfälle und durch umgestürzte Bäume blockierte Eisenbahnlinien und Überlandstraßen zu schaffen.
Bergregionen von der Außenwelt abgeschnitten
Auch im benachbarten Serbien und in Bosnien und Herzegowina wurden vor allem die Bewohner der Bergregionen von dem ungewöhnlich frühen Wintereinbruch kalt erwischt. Die meisten Laubbäume auf der Balkanhalbinsel tragen nach einem sehr heißen und langen Sommer noch immer grüne Blätter. Der Last der sehr feuchten und schweren Schneemassen waren nicht nur Bäume, sondern auch Hochspannungsleitungen und Mobilfunksender nicht immer gewachsen: Außer Strom-, Telefon- und Trinkwasserausfällen machten tausenden von der Außenwelt abgeschnittenen Bewohnern der Bergregionen Südserbiens und Bosniens auch durch umgestürzte Bäume blockierte Straßen zu schaffen.
Eher verbittert haben die Bewohner im bosnischen Donji Jablanica am Wochenende den 27 Todesopfern der Hochwasserkatastrophe im Neretva-Tal vor Jahresfrist gedacht. Eine gewaltige Gerölllawine hatte in der Nacht zum 4. Oktober 2024 in dem Ort 22 Häuser völlig zerstört und unter sich begraben.
Nicht nur heftige Regenfälle, sondern auch ein jahrelang ohne Genehmigung betriebener Steinbruch oberhalb des Orts und der illegale Holzeinschlag an den Neretva-Hängen hatten den fatalen Bergabgang ausgelöst. Ein Jahr später haben Bosniens träge oder unwillige Justiz sowie die zuständigen Behörden noch immer keine Verantwortlichen für die vermeidbare Katastrophe ermitteln können. „27 verlorene Leben ohne Angeklagte und Verurteilte“, zog das bosnische Webportal „6yka.com“ angesichts der merkwürdigen Taten- und Erfolglosigkeit der Staatsanwaltschaft am Jahrestag bitter Bilanz: „Ohne anhaltenden Druck könnte dieser Fall leicht in der Schublade enden.“
De Maart
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