„Es geht um das Handwerk. Darum, zu zeigen, dass nichts uniform oder industriell ist“, sagt Anne Kaiffer, Präsidentin der „Confédération Liewensmëttelhandwierk“, als sie die Veranstaltung eröffnet. Der Satz geht beinahe unter. Das Mikrofon funktioniert nur halb, um sie herum hallt Stimmengewirr, Einkaufswagen rumpeln vorbei. Doch dieser Satz fasst zusammen, was an diesem Samstagnachmittag im Shopping Center Cloche d’Or passiert.

Kurz vor 14.30 Uhr bleibt der Konsumfluss – zumindest teilweise – stehen und die Menge im Golden Square verdichtet sich. Kinder drängen nach vorne, Erwachsene halten ihre Telefone hoch. Menschen, die eigentlich wegen des Schlussverkaufs hier sind, bleiben plötzlich vor einem festlich dekorierten Stand stehen. Auf den Tischen stehen Dreikönigskuchen mit einem Durchmesser von rund einem Meter.
Seit Jahren organisiert die „Confédération Liewensmëttelhandwierk“ gemeinsam mit dem Einkaufszentrum die öffentliche Verkostung zum „Dräikinneksdag“. Ein Fest, das tief in der luxemburgischen Tradition verankert ist – und gleichzeitig zeigt, wie vielfältig das lokale Bäckerhandwerk heute arbeitet. In einer Zeit, in der vieles industriell und schnell produziert wird, wirkt so ein Moment fast entschleunigend.
Epiphanias, zwischen Bibel und Backblech

Dabei steht nicht ein einzelnes Rezept im Mittelpunkt, sondern eine gemeinsame Idee, die weit über Luxemburg hinaus bekannt ist. In Luxemburg nennt man ihn Dräikinnekskuch, andernorts „Galette des Rois“ oder Königskuchen – ob klassisch mit Frangipane, mit Apfel, Schokolade oder Praliné. Das Rezept ist schlicht, doch das Ritual dahinter alt: Im Inneren der Torte verbirgt sich eine kleine Bohne oder Figur, die den Finder zum König oder zur Königin des Tages macht. Früher war es eine Bohne. Heute meist eine Porzellanfigur. Was bis heute bleibt, ist das Ritual.
Am 6. Januar feiert Luxemburg den „Dräikinneksdag“, Epiphanias. Ursprünglich ein christliches Fest, das an die Ankunft der Heiligen Drei Könige erinnert. Caspar, Melchior, Balthasar. Gold, Weihrauch, Myrrhe. Doch die Tradition ist älter als das Christentum. „Schon bei den Römern wurde jemand für einen Tag zum König erklärt“, erklärt Anne Kaiffer. „Später ist das ins Christentum übergegangen.“
Fünf Bäckereien, fünf Handschriften
In diesem Jahr präsentieren fünf Betriebe ihre Kreationen: „Beim Bäcker Jos“ aus Beckerich, „Au Pain de Mary“ aus Luxemburg-Stadt, „Remy an Noémie“ aus Wasserbillig, die „Pâtisserie Engel“ aus Schifflingen und – etwas verspätet – die Pâtisserie Namur, die statt eines Riesenstücks mehrere kleinere Kuchen bringt. „Jeder arbeitet anders“, sagt Kaiffer. „Jeder hat seine eigene Rezeptur.“

Hinter dem scheinbar spielerischen Moment steckt präzise Arbeit. Jill Engel und ihre Schwester Lynn der Bäckerei Engel in Schifflingen beschreiben ihren Beitrag: „Unser Kuchen besteht aus ganz viel Liebe und Mandelpulver.“ Der größte Aufwand sei nicht das Backen selbst, sondern die Logistik: „Die eigentliche Kunst besteht schon darin, überhaupt eine stabile Unterlage zu finden, die so einen riesigen Kuchen tragen kann.“ Der wichtigste Punkt? „Der Blätterteig. Wenn der nicht perfekt ist, funktioniert’s nicht.“ Auf die Frage, was der Dreikönigstag für sie bedeutet, antwortet sie ohne zu zögern: „Es ist schön zu sehen, dass diese Tradition weiterlebt. Und ich hoffe sehr, dass das auch so bleibt.“

Routine hilft. Aber auch Improvisation. Das bestätigt Marjorie Kayser von der Bäckerei „Beim Bäcker Jos“. Ihr Kuchen, gefüllt mit Nutella, wiegt rund 20 Kilo. „Wir verkaufen diese Variante seit 20 Jahren“, sagt sie. „Sie ist bei Kindern beliebt – und ehrlich gesagt auch bei Erwachsenen.“ Zehn Porzellanfiguren sind darin versteckt – und zehn goldene Kronen liegen bereit. „Solche Traditionen halten den Beruf am Leben“, sagt Kayser. Gerade im Januar, wenn es ruhiger wird. „Die Leute werden einfach nicht müde davon. Im Gegenteil.“
Ein Fest, das Menschen verbindet – mit oder ohne luxemburgische Wurzeln


Viele Besucherinnen und Besucher kommen zufällig vorbei. So auch Olga Rozanovskaia, die mit ihren Kindern Aleksandra und Anton eigentlich nur einkaufen wollte. „Wir sind nicht extra wegen des Kuchens gekommen“, sagt sie. „Wir wollten shoppen – und haben das hier entdeckt.“ Die Familie kennt die Tradition, obwohl sie nicht gebürtig aus Luxemburg kommt. Sie stammt aus Russland, lebt seit 14 Jahren in Belgien, nahe der luxemburgischen Grenze. „Diese Tradition kennen wir aus unserer Heimat nicht. Aber jedes Jahr kaufen wir eine ,Galette des Rois‘ und feiern das mit den Kindern. Und sie schmeckt einfach sehr gut!“
Der sechsjährige Romeo Orrego hat mehr Glück als die meisten: Er findet eine der Porzellanfiguren und trägt die Pappkrone voller Stolz. Sein Vater Jhon erzählt: „Wir kommen oft ins Shoppingcenter. Heute war das eine echte Überraschung. Wir haben alle Kuchen probiert – und einer war besser als der andere.“ Für seine Familie hat der Tag auch eine religiöse Dimension. „Als Katholiken gehört das für uns einfach dazu. Es ist nicht Weihnachten“, sagt er, „aber es ist ein Tag, der etwas bedeutet.“
De Maart










Eine Veranstaltung des luxemburgischen Bäckerhandwerk,
was man begrüssen sollte, leider fehlt der Nachwuchs auch in
diesem Sektor,was auf Jahre langes Vernachlässigen der
Politik sowie den verantwortlichen Federationen und Gremien
zurück zu führen ist.Jetzt wird gemeckert und geklagt, aber
Verantwortung will trotzdem niemand übernehmen.
Seit Jahren alles verpennt. Armseliges Getue.
Es geht mitnichten um Tradition! Wie immer geht es lediglich um Umsatz und Konkurrenzkampf.
Wie im Artikel erwähnt ist der "Dräikinneksdag" am 6. und NICHT am 3. Januar! Aber der 1. ist vorn und diesmal nicht der Cactus.