Samstag3. Januar 2026

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ThronwechselDie Welt ist zu Gast in Luxemburg – ein Streifzug durch die Hauptstadt

Thronwechsel / Die Welt ist zu Gast in Luxemburg – ein Streifzug durch die Hauptstadt
Begeisterte Fans: Ekaterina und Nadezhda mit Kindern Foto: Editpress/Georges Sold

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Besucher aus vielen Ländern weltweit sind nach Luxemburg gekommen, um dem Thronwechsel beizuwohnen. Einige waren begeistert von dem monarchischen Ritual, manche nur zufällig vor Ort – und wiederum andere interessierten sich nicht dafür.

Coralie hat alle Hände voll zu tun. Am Morgen ist viel Kundschaft in der Bäckerei-Konditorei in Hesperingen, wo die junge Französin arbeitet. In der Vitrine liegen Patisserie-Leckereien aus, die mit einer kleinen Krone versehen wurden. „Ehrlich gesagt interessiere ich mich nicht besonders für das Ereignis, aber natürlich bekomme ich es mit“, antwortet Coralie lächelnd auf meine Frage, was sie über den Thronwechsel wisse. Ihr Kollege und Landsmann Olivier wirkt hingegen überzeugt, als er sagt: „Ich finde das gut, auch dass es in Luxemburg einen Großherzog gibt.“ Der sei ihm allemal lieber als Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, sagt er, während er einer Kundin ein Éclair mit dem Kronenlogo einpackt. „Keine Frage“, fügt er hinzu.

Ein Monarch „zum Anfassen“

Vor dem Aufzug am Hauptbahnhof wartet ein junges Paar mit Kinderwagen und in Begleitung eines Mannes. Dieser fragt mich, wo genau und um wie viel Uhr der Thronwechsel beginnt. Er hat einen typisch südafrikanischen Akzent und stellt sich als Garreth aus Kapstadt vor. „Wir werden natürlich das große Ereignis verfolgen, auch am Samstag auf dem Glacis“, betont er und fragt: „Auf welchem Fernsehsender können wir das alles sehen?“ Das junge Paar, das ebenso wie er aus einem Vorort der südafrikanischen Metropole am Kap der Guten Hoffnung kommt und seit einigen Jahren in Itzig lebt, zeigt sich stolz: „Wir haben ja in Südafrika keinen Monarchen“, sagt der Mann. „Hier erleben wir sogar einen zum Anfassen.“

Schülerinnen Caroline (17), Tamara (17), Maely (15) und Leila (15) 
Schülerinnen Caroline (17), Tamara (17), Maely (15) und Leila (15)  Foto: Editpress/Georges Sold

Wenige Minuten später streckt ein Mann in der Tram seine Hand aus und fragt die Fahrgäste nach Geld. An der Haltestelle Hamilius steigt er aus. Ich komme mit ihm ins Gespräch und er stellt sich als Joé vor. Ich gebe ihm ein wenig Geld, damit er sich etwas zu essen kaufen kann und frage ihn, ob er sich für den Thronwechsel interessiere: „Das geht mir am Arsch vorbei.“ Nach kurzem Zögern fügt er hinzu, dass er auch überhaupt nichts davon halte, wenn am Nationalfeiertag einst der Geburtstag der früheren Großherzogin gefeiert wurde. „Die haben doch nichts mit dem Volk zu tun, erst recht nichts mit den Obdachlosen“, sagt Joé, „auch wenn sie schon zur Weihnachtsfeier der ,Stëmm vun der Strooss‘ gekommen sind.“ Joé ruft mir nach: „Übrigens werde ich mir von dem Geld nichts zu essen kaufen, sondern – wenn ich genug zusammen habe – mir eine gute Koks-Pfeife durchziehen.“

Unweit der place d’Armes fotografieren zwei junge Frauen einander gegenseitig. „Was für ein Zufall“, sagt die eine, die sich mit dem Namen Valerie vorstellt. „Wir sind nur zwei Stunden in Luxemburg und erleben dieses große Ereignis.“ Ihre Freundin Jana und sie kommen aus Belarus und reisen durch mehrere Großstädte und Regionen Westeuropas. „London, Paris, Berlin – Luxemburg liegt nur auf unserer Durchreise“, sagt Jana. „Wir übernachten in Trier, nächste Woche werden wir schon wieder in Minsk sein. Schade!“

Die beiden Belarussinnen begleiten mich zum Palais, wo kein Durchkommen mehr ist. Die Soldaten stehen Spalier, die Fotografen haben sich bereits in Position gebracht, an fast jedem Fenster harren Schaulustige aus und das Armeeorchester beginnt einen Marsch zu spielen. Der Inhaber des „CD-Buttek“ am Palais beobachtet interessiert das Treiben. Das dürfte der zweite Thronwechsel sein, den er erlebt, sagt er, aber an den ersten vor 25 Jahren erinnere er sich nicht mehr wirklich.

Die Monarchie gehört einfach zu Luxemburg. Ich kann mir das Land nicht ohne einen Großherzog vorstellen.

Gaston (64)

Ein paar Meter weiter spricht Gaston davon, wie es damals war. „Ich erlebe jetzt meinen dritten Großherzog“, sagt der 64-jährige pensionierte Polizist, der mit seiner Frau Viviane und seiner einjährigen Enkeltochter Lola, die im Kinderwagen sitzend nicht so richtig weiß, worum es geht, darauf wartet, bis die großherzogliche Familie sich der Menschenmenge zeigt. „Wissen Sie, die Monarchie gehört einfach zu Luxemburg. Ich kann mir das Land nicht ohne einen Großherzog vorstellen. Er sorgt auch für eine positive Wirkung Luxemburgs im Ausland, weil er etwas darstellt. Großherzog Henri ist sehr angesehen. Guillaume muss sich noch beweisen.“ Dass der bisherige Prinz schon seit einigen Jahren auf Wirtschaftsmissionen ins Ausland geht, hält Gaston für positiv. Weniger gut findet er, dass sich die Feierlichkeiten über das ganze Wochenende ziehen. Gaston: „Alles an einem Tag über die Bühne zu bringen, hätte auch genügt.“

Überzeugter Anhänger der Monarchie: Luca aus Ulflingen
Überzeugter Anhänger der Monarchie: Luca aus Ulflingen Foto: Editpress/Georges Sold

Nadezhda hingegen kann gar nicht genug von Monarchen kriegen. „Ich habe mich bereits vor vielen Jahren für die Geschichte der russischen Zaren interessiert, habe zahlreiche geschichtsträchtige Orte und Museen in meiner Heimat und anderswo besucht“, sagt die junge Russin, die zusammen mit ihren Kindern und zwei Freundinnen auf den Knuedler gekommen ist. Allesamt haben sie sich mit luxemburgischen Fahnen ausgestattet. Auch habe sie Bücher über die ermordete Zarenfamilie gelesen. „Eine tragische Geschichte, und sehr schmerzhaft“, sagt Nadezhda, die seit vier Jahren in Luxemburg lebt und deren Mann als Ingenieur für ein Weltraumunternehmen arbeitet. „An Guillaume und der großherzoglichen Familien schätze ich ihre sozialen und karitativen Engagements“, sagt die Moskauerin.

Der Großherzog ist ein Symbol der Stabilität. Er kann mit gutem Beispiel vorangehen.

Luca (18)

Luca (18) ist ein begehrter Interviewpartner
Luca (18) ist ein begehrter Interviewpartner Foto: Editpress/Georges Sold

Ein paar Meter weiter hält Luca, mit adrettem Jackett und großherzoglicher Krawatte, eine Luxemburger Flagge in der Hand. Er sei ein bekennender Anhänger der Monarchie, sagt der 18-Jährige aus Ulflingen. „Der Großherzog trägt zur Stabilität des Landes bei und steht für dessen Kontinuität“, erklärt er. „Er ist ein Symbol der Stabilität.“ Ob er sich mehr Einfluss für den Monarchen wünsche? „Ich finde es gut, wie es jetzt ist. Wenn der Großherzog mehr Macht hätte, könnte dies durchaus zu Problemen führen“, sagt Luca. „Aber als Repräsentant hat er eine wichtige Rolle inne.“ Er finde auch gut, dass er Wirtschaftsmissionen im Ausland anführe, in denen es nicht zuletzt um Innovation gehe. Nur könnte er sich mehr in politische Debatten einmischen, die wichtig sind. Luca nennt als Beispiel die Diskussion um die Renten, der Kampf gegen die Wohnungsnot, aber vor allem klimapolitische Fragen. „Da kann der Großherzog mit gutem Beispiel vorangehen“, so der Ulflinger. „Und er sollte mehr auf die Jugend eingehen, um die Monarchie den Menschen näherzubringen.“

Einfach eine „coole“ Monarchie

Derweil finden es Maely, Leila, Tamara und Caroline einfach „cool, dass wir eine Monarchie haben“. Die Schülerinnen von zwei Escher Lyzeen freuen sich, dass sie heute freibekommen haben. „Wir wollten bei so einem wichtigen Ereignis dabei sein“, sagt eine von ihnen. Schließlich könnten sie dann noch in ein paar Jahren davon erzählen, dass sie beim Thronwechsel dabei waren. Auf dem Weg durch die Menschenmenge will ich noch mit ein paar Besuchern aus einer anderen Monarchie reden. Als ich jemanden Spanisch sprechen höre, versuche ich, die Chance zu ergreifen. Zwei Valentinas, eine Camila, eine Maria und eine Javiera haben sich nach vorne in Richtung Palais gearbeitet. Carlistinnen? Felipistinnen? Hoffentlich keine Franquistinnen.

Als ich mit den Frauen ins Gespräch komme, stellt sich heraus, dass sie alle aus Chile kommen. „Wir haben eine Republik“, sagt eine der beiden Valentinas, und Camila sagt: „Die meisten von uns sind erst einen Monat hier und arbeiten als Lehrerinnen an der Europaschule. Es ist eine einmalige, tolle Gelegenheit, so etwas zu erleben. Einzigartig.“ Die anderen stimmen ihr zu. Sie erzählen von ihrer Heimat, von dem Land, das sich in den letzten Jahren so sehr verändert habe, während sich die gesamte Menschenmenge nach vorne bewegt. Der Pulk drückt. Schließlich hat sich etwas getan im Palais: Das frischgebackene großherzogliche Paar ist auf den Balkon getreten, mit seinen beiden Kindern, der abgedankte Großherzog und Maria Teresa treten hinzu, nach und nach der Rest der Familie und ein paar Gäste wie König Willem-Alexander und Königin Máxima aus den Niederlanden. Die Menge begrüßt sie ekstatisch. „Guillaume, Guillaume“, hallt es. Auch die Chileninnen sind begeistert.

Zuschauer Gaston (l.) und Tageblatt-Journalist Stefan Kunzmann
Zuschauer Gaston (l.) und Tageblatt-Journalist Stefan Kunzmann Foto: Editpress/Georges Sold
I. Meierle
5. Oktober 2025 - 10.53

"Die Monarchie gehört einfach zu Luxemburg. Ich kann mir das Land nicht ohne einen Großherzog vorstellen."

So fühlen ganz offensichtlich viele, besonders auch, weil es weltweit einmalig und auf jeden Fall erhaltenswert ist!