AmpacetBelegschaft streikt seit 14 Tagen: „Wir werden auf keinen Fall nachgeben“

Ampacet / Belegschaft streikt seit 14 Tagen: „Wir werden auf keinen Fall nachgeben“
Streikbrecher werden am Verlassen des Firmengeländes gehindert  Foto: Editpress/Hervé Montaigu

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Seit dem 28. November steht die Produktion bei der Firma Ampacet in Düdelingen still. In den letzten 35 Jahren gab es in Luxemburg keinen längeren Streik. Eine Annäherung zwischen der Direktion und den Sozialpartnern gibt es immer noch nicht. 

In dem Düdelinger Ampacet-Werk wird normalerweise rund um die Uhr produziert. Auch an Sonn- und Feiertagen. Insgesamt 54 der 60 Arbeitnehmer haben jedoch vor mehr als zwei Wochen ihre Arbeit für unbestimmte Zeit niedergelegt. Seitdem steht die Produktion komplett still. Schätzungsweise 120.000 Euro verliert das US-Unternehmen pro Streiktag. „Die finanziellen Einbußen, die das Unternehmen durch den Streik erleidet, hätten ausgereicht, um die Forderungen der Streikenden für die kommenden zwei Jahre auszubezahlen“, sagt einer der Streikenden am Freitag. Er und sein Kollege sind aus reiner Solidarität vor das Werk gekommen. Sie arbeiten in Wiltz. „Ich bin nicht mit der Vorgehensweise der Direktion einverstanden. Wer einen Kollektivvertrag kündigt, der stellt sich gegen alle Kollektivverträge aller Firmen im Land und damit auch gegen alle Arbeitnehmer. Aus diesem Grund sind wir hier. In diesem Fall müssen die Forderungen der Streikenden sofort umgesetzt werden“, fügt sein Kollege hinzu.

Viele vor Ort teilen die Meinung der beiden aus Wiltz und so ist die Solidarität mit den Streikenden auch nach zwei Wochen ungebrochen. Immer wieder fahren hupende Fahrzeuge an den Streikposten vorbei. Die Gemeinden Düdelingen und Rümelingen haben den Streikenden mittlerweile Brennholz gespendet. Doch auch unzählige Privatpersonen unterstützen die Streikposten. Viele bringen Nahrungsmittel und Getränke vorbei.

Logistische und finanzielle Unterstützung

Doch auch der OGBL hilft kräftig mit. Die Gewerkschaft unterstützt die Streikenden nicht nur am Verhandlungstisch, sondern auch logistisch. So wurde mittlerweile ein kleiner Zeltplatz direkt neben dem Portal errichtet. Es gibt einen Pressebereich sowie einen Pavillon, wo alle Lebensmittel aufbewahrt und später verteilt werden. Dahinter befindet sich ein dritter Pavillon mit einem Sessel und zwei Heizstrahlern. Hier kann man sich kurz von der Kälte und der Müdigkeit erholen. Wem das nicht reicht, der kann sich für ein paar Minuten in einem Camper ausruhen. Um die Stimmung ein bisschen aufzulockern, ertönt Musik aus zwei Lautsprechern. Mal sind die Lieder etwas rockiger und rufen zum Klassenkampf auf, mal schallt französischer Hip-Hop durch die Boxen. 

Wir stehen bestimmt noch Silvester hier. Das ist mir allerdings egal, denn wir werden auf keinen Fall nachgeben

Einer der Streikenden vor Ort

Um die Streikenden finanziell zu unterstützen, hat der OGBL eine Spendenaktion gestartet. Solange der Streik andauert, erhalten die Streikenden nämlich keinen Lohn, sondern nur eine kleine finanzielle Entschädigung in Höhe von 42 Euro pro Tag von der Gewerkschaft. Mittlerweile konnten mehr als 26.000 Euro gesammelt werden. Bei den Streikenden kommen diese Gesten gut an. Doch auch wenn der Streikwille weiterhin ungebrochen ist, macht sich jeder so seine Gedanken. „Diese Situation ist schwer zu ertragen. Man weiß nicht, wie man die Feiertage planen soll oder was das neue Jahr bringen soll. Wir wissen nicht mal, wie unser nächster Arbeitstag aussieht. Wir kommen jeden Tag hierher und stehen uns die Beine in den Bauch für bessere Arbeitsbedingungen. Im Gegenzug werden wir von der Direktion komplett ignoriert“, erzählt ein zweifacher Familienvater Ende 30. „Meine Frau macht sich große Sorgen, doch ich habe ihr gesagt, dass wir diesen Kampf gewinnen werden. Wir können nicht mehr zurück. Wir wollen das, was uns zusteht“, fügt ein Kollege hinzu.

Keine Spur von Sozialdialog

Die Forderungen der Streikenden sind klar und deutlich: Der im Sommer gekündigte Kollektivvertrag soll wieder in Kraft gesetzt werden. Zudem fordern sie 2,5 Prozent mehr Lohn sowie zwei zusätzliche Urlaubstage. Auch sollen die Streiktage nachträglich als Arbeitszeit ausbezahlt werden. 

Hatte sich der monotone Streikalltag bislang eher vor dem Firmengelände abgespielt, gab es am vergangenen Donnerstag etwas Abwechslung. An dem Tag zogen die Streikenden vor das Parlament, wo sie die Möglichkeit hatten, Arbeitsminister Georges Mischo ihre Situation zu schildern. Mischo forderte beide Parteien auf, den Sozialdialog wieder aufzunehmen. „Au vue de ce qui précède et dans le respect de l’autonomie traifaire, nous invitons les partenaires sociaux à entamer de nouveau des négociations saines en vue de rétablir le dialogue social dans l’entreprise. Malgré tout nous restons convaincus que le dialogue social pourra apporter les solutions du conflit social auquel vous êtes confrontés“, so steht es auch in einem vom Arbeitsminister und Wirtschaftsminister Lex Delles unterschriebenen Brief, der vergangene Woche an beide Konfliktparteien geschickt wurde.

Am vergangenen Freitag kam es dann endlich zum ersten Treffen zwischen der Personaldelegation, Vertretern vom OGBL und der Ampacet-Direktion. Doch die Diskussionen dauerten nicht einmal 30 Minuten. Stefan Osorio vom OGBL sprach im Nachhinein von einer „Theaterveranstaltung“. Keine Spur von einem Sozialdialog. Die Streikenden stellen sich deshalb auf harte Wochen im Arbeitskampf ein. „Wir stehen bestimmt noch Silvester hier. Das ist mir allerdings egal, denn wir werden auf keinen Fall nachgeben“, heißt es von einem der Streikenden. „Für diesen Fall brauchen wir dann einen DJ“, fügt ein weiterer mit bitterem Humor hinzu.

Nomi
11. Dezember 2023 - 10.37

Weniger Bestellungen gegen Ende des Jahres. Streik, und die Firma braucht keinen Lohn zu zahlen. Auch nicht mal die 80% die bei Chômage technique faelleg wiren. D'Gewerkschaft bezillt den Lohnausfall, bis Naischt mei' an der Keess ass an d' Firma freet sich. Zum Enn fei'eren sech d'Gewerkschaftsbonzen, watt se jo elo dem Patron eng ausgewescht haetten ?