DeutschlandAntisemitismus-Vorwürfe nach der Berlinale-Preisverleihung

Deutschland / Antisemitismus-Vorwürfe nach der Berlinale-Preisverleihung
Ben Russell (l.) ging am Samstag bei der Berlinale mit einem Palästinensertuch auf die Bühne und äußerte Genozid-Vorwürfe wegen des israelischen Vorgehens im Gazastreifen Foto: AFP/John MacDougall

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Nach der Berlinale-Preisverleihung sind Antisemitismus-Vorwürfe geäußert worden. Die Veranstalter des Filmfestivals distanzierten sich am Sonntag von bestimmten Äußerungen und gaben zudem bekannt, dass ein Instagram-Kanal der Berlinale gehackt worden sei.

Hintergrund ist unter anderem ein Auftritt des Filmemachers Ben Russell am Samstag. Dieser ging bei der Veranstaltung mit einem Palästinensertuch auf die Bühne und äußerte Genozid-Vorwürfe wegen des israelischen Vorgehens im Gazastreifen. Dabei wurde vom Publikum applaudiert.

„Das, was gestern (am Samstag, Anm. d. Red.) auf der Berlinale vorgefallen ist, war eine untragbare Relativierung“, schrieb Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) zu dem Vorfall im Internetdienst X (früher Twitter). „In Berlin hat Antisemitismus keinen Platz, und das gilt auch für die Kunstszene“, stellte er klar. „Ich erwarte von der neuen Leitung der Berlinale, sicherzustellen, dass sich solche Vorfälle nicht wiederholen.“

„Nach den Ereignissen von Samstag müssen wir hinterfragen, ob das so bleiben kann, wie wir damit in Zukunft umgehen“, sagte die FDP-Obfrau im Bundestags-Kulturausschuss, Anikó Glogowski-Merten, dem Portal The Pioneer. Der Grünen-Politiker Konstantin von Notz sprach auf X von einer „perfiden Täter-Opfer-Umkehr“. Von einer „Schande“ sprach dort CSU-Generalsekretär Martin Huber. Er kritisierte auch Kultur-Staatsministerin Claudia Roth (Grüne), weil diese nicht eingegriffen habe.

Die Veranstalter des Filmfestivals erklärten, die Äußerungen der Preisträger und Preisträgerinnen seien unabhängige individuelle Meinungen und gäben „in keiner Form die Haltung des Festivals wieder“. Solange sie sich innerhalb der gesetzlichen Grenzen bewegten, müssten sie akzeptiert werden, hieß es in einer Mitteilung.

„Zu einseitig“

Berlinale-Geschäftsführerin Mariette Rissenbeek habe in ihrer Rede auf der Bühne die mörderische Attacke der Hamas vom 7. Oktober verurteilt und die Freilassung der Geiseln gefordert sowie an das Leid aller Opfer der Gewalt in Israel und in Gaza erinnert, hieß es weiter. Mit diesem Statement habe sich die Leitung eindeutig positioniert. Die Berlinale verstehe aber die Empörung, dass die Äußerungen einiger Preisträger als zu einseitig empfunden worden seien.

Vorwürfe gab es auch gegen den palästinensischen Filmemacher Basel Adra, dessen Film „No Other Land“ den Panorama-Publikumspreis in der Kategorie Dokumentarfilme erhielt. Adra wandte sich demnach gegen deutsche Waffenlieferungen an Israel. Der Terrorangriff der Hamas auf Israel vom 7. Oktober sei jedoch auf der Veranstaltung nicht erwähnt worden. Der Film „No Other Land“ befasst sich mit der Vertreibung von Palästinenserinnen und Palästinensern aus Dörfern im Westjordanland durch die israelische Armee.

Nach Angaben der Festivalleitung wurde am Sonntag der Instagram-Kanal der Berlinale-Sektion Panorama gehackt. Dort seien Statements zum Nahost-Krieg veröffentlicht worden, die nicht vom Festival stammten und auch nicht die Haltung der Berlinale repräsentierten, erklärte die Leitung des Festivals weiter. Die Posts seien sofort gelöscht worden, die Berlinale habe Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt. „Dass jemand einen Berlinale-Social-Media-Kanal für antisemitische Hetze missbraucht, ist unerträglich“, erklärte das Festival.

Bundesregierung und Zentralrat der Juden reagieren

Kulturstaatsministerin Claudia Roth hat eine Untersuchung der Vorfälle angekündigt. „Gemeinsam mit dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner, und dem Berliner Senat, die mit uns die Verantwortung für die Berlinale tragen, werden wir nun die Vorkommnisse bei der Bärenverleihung aufarbeiten“, sagte die Grünen-Politikerin am Montag. Es solle untersucht werden, wie die Berlinale ihrem Anspruch, ein Ort für Vielfalt, unterschiedliche Perspektiven und Dialog zu sein, gerecht geworden sei oder nicht. Dabei will Roth auch klären, „wie zukünftig sichergestellt werden kann, dass die Berlinale ein Ort ist, der frei ist von Hass, Hetze, Antisemitismus, Rassismus, Muslimfeindlichkeit und jeder Form von Menschenfeindlichkeit“.
Der Zentralrat der Juden wies auf X (ehemals Twitter) am Sonntagabend darauf hin, dass bei der Berlinale „schon wieder eine der wichtigsten Kulturveranstaltungen in Deutschland für ideologische Hetze gegen Israel und Juden missbraucht“ wurde. Damit spielt der Zentralrat wohl auf die vergangene „documenta fifteen“ im Jahr 2022 an, die vom Umgang mit als antisemitisch kritisierter Kunst überschattet wurde. (dpa)

luxmann
27. Februar 2024 - 7.59

Die gerechtfertigte kritik am genozid der netananyahu regierung in Gaza soll also anrisemitismus sein. Und die meisten BRD politiker stellen sich wie gehabt auf die seite der kriegsverbrecher...wie armselig.