Mittwoch7. Januar 2026

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Berlin30.000 Menschen kämpfen am dritten Tag ohne Strom mit Kälte und Einschränkungen

Berlin / 30.000 Menschen kämpfen am dritten Tag ohne Strom mit Kälte und Einschränkungen
Polizisten regeln nach einem Ampelausfall infolge eines Stromausfalls den Verkehr  Foto: Michael Ukas/dpa

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Manche Schulen bleiben am ersten Tag nach den Ferien geschlossen, Notunterkünfte sind eingerichtet. Die Verwaltung hat einen Krisenstab, die Bundeswehr hilft.

Am dritten Tag des Stromausfalls im Südwesten Berlins kämpfen noch rund 30.000 Menschen mit Kälte und weiteren großen Einschränkungen. Von den anfangs etwa 45.000 Haushalten erhielten bis Sonntagabend etwa 15.000 wieder Energie.

Der Betreiber Stromnetz Berlin versucht, die durch den vermutlich linksextremistischen Brandanschlag vom Samstag zerstörten Starkstromleitungen so schnell wie möglich zu reparieren. Angekündigt war die komplette Behebung des Schadens in der deutschen Hauptstadt bis Donnerstag.

„Angreifbarkeit abstellen“

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner sagte im ZDF-„Morgenmagazin“: „Das zeigt einmal mehr, dass es 100-prozentige Sicherheit nicht gibt.“ Der Staat sei bei solchen Angriffen weiterhin angreifbar. „Diese Angreifbarkeit müssen wir abstellen“, betonte er. Das brauche jedoch Zeit.

Nur ein geringer Anteil des Stromnetzes verlaufe überhaupt oberirdisch. Diesen Teil gelte es effektiver zu schützen – etwa mit Videoüberwachung und Sicherheitsdiensten.

Wegner hatte den Anschlag als Terrorismus eingestuft. Das Landeskriminalamt (LKA) des Bundeslandes Berlin und der Verfassungsschutz seien eingeschaltet. Berlin sei auch im Austausch mit der Bundesebene.

Das Schreiben der mutmaßlichen Täter „Vulkangruppe“ trägt die Überschrift „Den Herrschenden den Saft abdrehen“. „In der Gier nach Energie wird die Erde ausgelaugt, ausgesaugt, verbrannt, geschunden, niedergebrannt, vergewaltigt, zerstört“, hieß es dort. Das Gaskraftwerk im Stadtteil Lichterfelde sei „erfolgreich sabotiert“ worden.

Erster Schultag fiel für viele aus

Für viele Schüler in den betroffenen Stadtteilen im Bezirk Steglitz-Zehlendorf fiel am ersten Tag nach den Weihnachtsferien die Schule aus. Die Senatsverwaltung für Bildung veröffentlichte eine Liste mit Schulen, die wegen des Stromausfalls zunächst geschlossen bleiben müssen – darunter Grundschulen sowie weiterführende Schulen und Berufsschulen. Für rund 20 betroffene Schulen wurden Notbetreuungen an anderen Schulen eingerichtet.

Bezirk, Feuerwehr und andere Hilfsorganisationen richteten bislang sechs Notunterkünfte in Sporthallen und Gebäuden der Verwaltung ein. Dazu gibt es in zahlreichen Gemeindehäusern und Kirchen die Möglichkeit, sich aufzuwärmen, sich zu waschen und an Strom zu kommen.

Viele Supermärkte haben inzwischen wieder geöffnet. Weitere sollen über Notstrom angeschlossen werden, teilte der Senat mit. Die Polizei informiere die betroffenen Menschen mit 30 Lautsprecherwagen und zeige auch ansonsten erhöhte Präsenz, um Kriminalität zu verhindern. Die Bundeswehr unterstütze inzwischen bei Logistik, Transport und Betrieb von Notstromaggregaten.

Ein Zettel an der Tür einer Kindertagesstätte einformiert die Eltern, dass die Kindertagesstätte geschlossen bleibt
Ein Zettel an der Tür einer Kindertagesstätte einformiert die Eltern, dass die Kindertagesstätte geschlossen bleibt Foto: Britta Pedersen/dpa

Krisenstab eingerichtet

Berlins Regierung, der Senat, richtete einen Krisenstab ein. Dort sollen die Arbeiten der betroffenen Senatsverwaltungen und der Bezirke sowie die Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen koordiniert werden.

Die Berliner Tourismusagentur Visit Berlin rief 200 Partnerhotels dazu auf, Hotelzimmer für betroffene Berliner zur Verfügung zu stellen. „Die Hotelzimmer können bis zur vollständigen Behebung des Schadens und zur Wiederherstellung der Stromversorgung zu Sonderkonditionen (ab 70 Euro pro Doppelzimmer inkl. Frühstück) gemietet werden.“

Giffey: Stromkabelverlauf künftig geheimer halten

Die Berliner Generalstaatsanwaltschaft übernahm die Ermittlungen zu dem Brandanschlag. Sie begründete dies mit der „besonderen Bedeutung des Einzelfalls“. Auch im Fall eines rund 60-stündigen Stromausfalls im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick Mitte September 2025 hatte die Generalstaatsanwaltschaft die Ermittlungen geführt.

Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey forderte dazu Unterstützung vom Bund. „Ich glaube, dass es jetzt vor allen Dingen um Bundeshilfe bei den Ermittlungen gehen muss“, sagte sie im RBB-Inforadio. „Die Frage ist: Sind das einfach nur linke Gruppen von Aktivisten, die ideologisch unterwegs sind oder steckt da mehr dahinter?“ Zudem verlangte Giffey, Informationen zum Verlauf von wichtigen Stromkabeln künftig geheimer zu halten. „Sie finden sehr viel im Internet“, sagte sie dem Deutschlandfunk. Es dürften nicht noch mehr kritische Daten veröffentlicht werden.