Die Regierung in Caracas sieht darin nichts anderes als den Versuch, „sich Venezuelas strategischer Ressourcen zu bemächtigen, insbesondere seines Erdöls und seiner Mineralien“. Venezuela verfügt über die größten bekannten Erdöl-Vorkommen der Welt. Nach Angaben der Internationalen Energie-Agentur IEA waren es im Jahr 2023 rund 17 Prozent der weltweiten Vorkommen, laut Angaben der OPEC waren es 2024 rund 19 Prozent. Auch wenn das venezolanische Öl von geringerer Qualität ist und vor allem für Diesel oder Nebenprodukte wie Asphalt verwendet wird, ist der Rohstoff in den Beziehungen zu den USA schon seit langem Anlass für Konflikte.

Seit der Entdeckung der ersten Ölfelder in den 1920er Jahren förderten US-Unternehmen Erdöl in Venezuela. Viele Raffinerien in den USA wurden speziell für die Verarbeitung des schweren venezolanischen Rohöls konzipiert und sind auch heute noch darauf ausgerichtet.
Bis 2005 war Venezuela einer der wichtigsten Öllieferanten der Vereinigten Staaten, mit monatlichen Importen von bis zu 60 Millionen Barrel. Die Lage änderte sich dramatisch, nachdem der damalige sozialistische Staatschef Hugo Chávez 2007 die Industrie weiter verstaatlichte und den Besitz von US-Firmen beschlagnahmte.
Sinkende Fördermengen und marode Anlagen
Nach einem Höchststand von mehr als drei Millionen Barrel pro Tag Anfang der 2000er Jahre produzierte Venezuela zuletzt unter eine Million Barrel pro Tag – rund zwei Prozent der weltweiten Gesamtmenge. 2019 verbot Trump die Einfuhr venezolanischen Öls im Zuge von Sanktionen gegen Maduro. Für den US-Konzern Chevron gilt jedoch eine Ausnahme: Mit einer Sonderlizenz fördert er etwa zehn Prozent der venezolanischen Gesamtmenge und darf als einziges Unternehmen venezolanisches Öl in die Vereinigten Staaten liefern. Chevron ist auf vier Ölfeldern in Venezuela zusammen mit dem staatlichen Ölkonzern PDVSA aktiv.
Korruption, mangelnde Investitionen und die US-Sanktionen haben der Industrie des südamerikanischen Landes schwer zugesetzt. Der Aufwand, die maroden Ölplattformen in Venezuela wieder in Stand zu setzen, wäre sehr hoch. Für US-Firmen würden sich diese großen Investitionen angesichts der stabilen weltweiten Versorgung und der niedrigen Preise nicht lohnen, sagen Analysten.
Dennoch hob Trump nach der Gefangennahme von Maduro am Wochenende hervor, dass die USA sich nun wieder stark im Erdöl-Sektor in Venezuela engagieren wollten: Die großen US-Konzerne würden „reingehen, Milliarden Dollar ausgeben, die schwer beschädigte Infrastruktur reparieren, die Öl-Infrastruktur, und anfangen, Geld für das Land zu machen“. Doch würden die US-Sanktionen auf Öl aus Venezuela vorerst „voll in Kraft bleiben“.
Geopolitische Interessen
Trump beschuldigte Venezuela nach dem US-Militäreinsatz erneut, „unser gesamtes Öl“ gestohlen zu haben. „Wir werden es zurückholen“, sagte er. Das werde die USA nichts kosten. „Viel Geld kommt aus dem Boden, wir werden zurückbezahlt für alles, was wir ausgeben.“
Vermutlich gehe es Washington jedoch nicht nur um das Öl, sondern vielmehr darum, „den ganzen Kontinent für sich zu beanspruchen“, sagte Carlos Mendoza Potella, venezolanischer Professor für Erdölökonomie, vor dem US-Angriff am Samstag. Es gehe „um die Aufteilung der Welt“ zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Rivalen Russland und China.
„Ich weiß nicht, ob das Interesse nur dem venezolanischen Öl gilt“, sagte Mitte Dezember auch der linke brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva, der angeboten hatte, in dem eskalierenden Streit zu vermitteln.
Nach Angaben des ehemaligen Vizepräsidenten der staatlichen Ölgesellschaft PDVSA, Juan Szabo, exportiert Venezuela täglich etwa 500.000 Barrel auf dem Schwarzmarkt, hauptsächlich nach China und in andere asiatische Länder – und zu niedrigen Preisen.
Blockade von Öltankern
Am 16. Dezember verkündete Trump eine Blockade von sanktionierten Öltankern, die Venezuela ansteuern oder verlassen. Tage zuvor hatten US-Streitkräfte bereits den Tanker „Skipper“ beschlagnahmt, einen sogenannten „Schattentanker“. Er transportierte nach US-Angaben mehr als eine Million Barrel venezolanisches Öl, die Berichten zufolge für Kuba bestimmt waren.
Vor gut zwei Wochen setzte die US-Küstenwache den Tanker „Centuries“ fest, den die Website Tankertrackers.com als Schiff in chinesischem Besitz unter panamaischer Flagge identifizierte. Kurz darauf teilten US-Regierungsvertreter mit, dass die Küstenwache einen dritten Tanker verfolge.
PDVSA beteuerte, dass ihre Exporte von der Blockade unberührt blieben. Könnte der Staatskonzern sein Öl nicht mehr ausführen, wäre das ein großes Problem, sagt Szabo, da die Lagerkapazitäten nur für einige Tage reichten.
Die Blockade setzt die ohnehin schon stark angeschlagene venezolanische Wirtschaft noch mehr unter Druck. Szabo schätzt, dass die Exporte in den nächsten vier Monaten um 45 Prozent zurückgehen würden und damit auch die wichtigen Deviseneinnahmen aus den Schwarzmarktverkäufen. Mit gravierenden Folgen für die Bevölkerung, wie der venezolanische Öl-Experte warnte: „Der Bolivar wird noch schneller abgewertet werden und das Leben wird sich enorm verteuern.“
Angesichts des US-Angriffs dürften dies allerdings nicht die einzigen Herausforderungen sein, vor denen die Menschen in Venezuela stehen. (AFP)
De Maart
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