Donnerstag1. Januar 2026

Demaart De Maart

Silvester im Hauptquartier des CGDISZwischen Routine, Ausnahmezustand und der Frage nach dem Feuerwerk

Silvester im Hauptquartier des CGDIS / Zwischen Routine, Ausnahmezustand und der Frage nach dem Feuerwerk
Max Wagner und Sam Reding bereiten sich auf eine intensive Einsatznacht vor, Teamwork und Einsatzbereitschaft sichtbar Foto: Carole Theisen

Wenn das Land feiert, beginnt für die Einsatzkräfte des CGDIS eine der härtesten Nächte des Jahres. Zwei Einsatzkräfte berichten, was in der Silvesternacht wirklich passiert – und warum Feuerwerk für sie mehr Risiko als Romantik bedeutet.

Wenn im Land die Korken knallen, beginnt für die Einsatzkräfte des CGDIS eine der arbeitsreichsten Nächte des Jahres. Im Hauptquartier auf Cloche d’Or herrscht am Nachmittag vor Silvester eine gespannte Ruhe. Zwei Diensthabende – Max Wagner, 25, und Sam Reding, 29 – beide mit nüchterner Professionalität – erklären, wie sich eine Nacht vorbereitet, die selten ruhig bleibt.

„Mehr Menschen, mehr Einsätze“

„Es sind einfach viel mehr Menschen in der Stadt als sonst“, sagt Max Wagner. „Viele kommen zum Feiern, Familien bekommen zu Besuch. Und dort, wo mehr Menschen sind, gibt es automatisch mehr Einsätze.“ Silvester sei nicht vergleichbar mit einem normalen Wochenende, aber auch nicht mit dem Nationalfeiertag: „Am Vorabend des Nationalfeiertags ist die ganze Stadt eine einzige große Party. Da sind wir überall verteilt. Silvester ist anders – die Leute sind in Clubs oder feiern zu Hause, und die Einsätze verteilen sich stärker. Aber ruhig ist es trotzdem nie.“

Für die Nacht wird die Mannschaft verstärkt. „Wir sind nachts normalerweise mindestens 22 Leute, aber für Silvester müssen wir 24 sein. Und eine Ambulanz mehr als sonst.“ Insgesamt stehen fünf Ambulanzen bereit, dazu der klassische Löschzug: zwei Tanklöschfahrzeuge, eine Drehleiter und ein Pelotonchef, der den Einsatz leitet.

Zwei startbereite Tanklöschfahrzeuge und eine Drehleiter im Löschzug-Bereitschaftsmodus bei Feuerwehr-Einsatz
Zwei startbereite Tanklöschfahrzeuge und eine Drehleiter im Löschzug-Bereitschaftsmodus bei Feuerwehr-Einsatz Foto: Carole Theisen

Schichtbeginn: Appell, Materialcheck – und ein gemeinsames Essen

Um 19.45 Uhr treffen sich alle in der Küche. „Um acht Uhr ist Appell. Dann wird abgelöst, jeder geht auf sein Fahrzeug, und die Schicht beginnt“, erklärt Sam Reding. Normalerweise wird abends geübt – Theorie, Praxis, Wiederholungen. Doch Silvester ist ein Feiertag. „Da kochen und essen wir zusammen – fast wie eine Familie. Vorspeise, Hauptgericht, Dessert. Wir machen das Beste aus der Nacht.“

Die beiden erinnern sich gut an vergangene Jahre. „Viel Alkohol. Viele Menschen, die zu viel getrunken haben, die stürzen, sich verletzen, die wir abholen müssen“, sagt Wagner. Dazu kommen die üblichen Einsätze: Unfälle, medizinische Notfälle, Brände, Tierrettungen, Transfers. „Alles, was an sich jede Nacht passieren kann – nur eben häufiger.“

Feuerwehrmann überprüft vor Nachteinsatz Funkgeräte und Atemschutzgerät für sicheren Materialcheck
Feuerwehrmann überprüft vor Nachteinsatz Funkgeräte und Atemschutzgerät für sicheren Materialcheck Foto: Carole Theisen

Feuerwerksverbot: Weniger Verletzungen – aber nicht null

Seit mehreren Jahren gilt in vielen Gemeinden des Landes ein privates Feuerwerksverbot und die Einsatzkräfte spüren die Auswirkungen. „Es ist deutlich weniger geworden“, sagt Sam Reding. „Früher hatte fast jeder zweite Haushalt Böller. Heute sind es viel weniger.“

Die Logik dahinter sei schlicht: weniger Feuerwerk bedeutet weniger Brandgefahr, weniger Verbrennungen, weniger Verletzte. „Wir reden von Händen, Gesichtern, Augen“, sagt Wagner. „Von Raketen, die auf Balkone fliegen. Von Schäden, die man nicht mehr rückgängig machen kann.“ Zwar gibt es keine offiziellen Statistiken, doch die Erfahrung der Einsatzkräfte zeigt eindeutig: Wo weniger gezündet wird, passiert auch weniger.

Was sie am meisten fürchten? – „Blindgänger“, sagen sie ohne Zögern. Raketen, die nicht zünden – und dann doch explodieren, während jemand nachschaut. „Schwere Gesichtsverletzungen, Verbrennungen, Explosionsschäden.“ Narben, die bleiben.

Was sie den Menschen mitgeben wollen, klingt unspektakulär – und ist genau deshalb entscheidend: Abstand halten. Nichts in der Hand zünden. Keine Abschüsse in Innenhöfen. Nichts wackelig aufstellen. Warten, auch wenn es so aussieht, als sei alles vorbei. „Feuerwerk ist kein banales Gerät wie eine Kaffeemaschine“, sagt Reding trocken. „Es ist Sprengstoff.“

Trotzdem gebe es immer wieder Fälle. „Es gibt immer Menschen, die es trotzdem machen. Aber die schweren Verletzungen sind stark zurückgegangen.“ Auch Brände durch Feuerwerk seien selten geworden.

Feuerwerk trotz Verbot am Nachthimmel, Einsatzkräfte in Schutzkleidung bereit für Notfälle
Feuerwerk trotz Verbot am Nachthimmel, Einsatzkräfte in Schutzkleidung bereit für Notfälle Foto: Carole Theisen

Standardisierte Abläufe, individuelle Situationen

Die Alarmierung läuft wie immer über die 112. „Der Gong geht, wir bekommen das Einsatzstichwort, und dann geht es los.“ Jeder weiß genau, auf welchem Fahrzeug er sitzt. „Das steht im Schichtplan. Wenn das Fahrzeug gerufen wird, geht jeder direkt auf seinen Platz und es gibt kein Durcheinander.“

Bei medizinischen Einsätzen – etwa bei stark alkoholisierten Personen – gilt ein klarer Ablauf: „Wir nehmen die Vitalparameter, schauen, wie es der Person geht, und entscheiden, ob sie ins Krankenhaus muss. Wenn Familie oder Freunde dabei sind und die Person ansprechbar und zurechnungsfähig ist, nehmen wir sie oft nicht mit.“

Bei Verletzungen durch Feuerwerk steht der Eigenschutz an erster Stelle. „Wir laufen nicht blind in eine Situation hinein, in der noch Raketen gezündet werden. Wir verschaffen uns einen Überblick, kümmern uns um die verletzte Person, versorgen Verbrennungen – und dann geht es ins Krankenhaus oder eben nicht.“

Rechtliche Konsequenzen beim Verstoß gegen das Feuerwerkverbot? „Das ist nicht unser Job“, sagt Reding. „Wir kümmern uns um den Patienten. Was die Polizei danach macht, bekommen wir meistens gar nicht mit.“

Wenn ein Gebäude brennt: Priorität Mensch

Das Worst-Case-Szenario: ein Brand in einem Gebäude mit eingeschlossenen Personen. „Dann geht alles sehr schnell. Wir ziehen unsere Einsatzkleidung an – Nomex, Helm, Stiefel – und fahren los.“

Unterwegs rüsten sich die Trupps mit Atemschutz aus. „Wenn wir ankommen, läuft alles parallel: Menschenrettung, Tierrettung, Brandbekämpfung. Jede Zweiergruppe bekommt ihre Aufgabe.“

Die Sicherheit der Einsatzkräfte bleibt zentral. „Wir nehmen zum Beispiel immer einen Schlauch mit, um den Ausweg nicht aus den Augen zu verlieren“, erklärt Wagner.

Silvester bleibt somit eine Nacht voller Unwägbarkeiten. „Wir warten im Grunde darauf, dass etwas passiert. Wenn nichts passiert, ist es gut. Aber wir sind da, wenn etwas passiert“, sagt Reding. Und trotz aller Routine bleibt Respekt. „Es wird keine ruhige Nacht. Aber wir machen das Beste daraus – gemeinsam.“