Donnerstag1. Januar 2026

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Jeunesse EschDas Dach soll schön werden: Business-Club zur Zukunft des Vereins

Jeunesse Esch / Das Dach soll schön werden: Business-Club zur Zukunft des Vereins
Manuel Cardoni (l.) und Reinhold Breu Foto: Editpress/Claude Lenert

Reinhold Breu und Manuel Cardoni haben etwas gemeinsam. Beim nationalen Fußballverband und bei der Jeunesse Esch steht der Name der beiden gleichzeitig für die Vergangenheit und die Zukunft. Im Rahmen eines Business-Clubs in den Räumlichkeiten des Tageblatt versuchten die beiden, den Gästen ihre Philosophie näherzubringen.

Manuel Cardoni war als Spieler ein wichtiger Bestandteil einer der erfolgreichsten Jeunesse-Ären, heute ist der 53-Jährige technischer Leiter des nationalen Fußballverbandes FLF und somit maßgeblich für die sportliche Richtung im Jugendbereich verantwortlich. Sein Vorgänger Reinhold Breu prägte die nationale Fußballschule während eines Jahrzehnts und soll nun als Cheftrainer die Jeunesse mit einheimischen Talenten wieder auf Vordermann bringen. Beide trafen kürzlich bei einem Business-Club in den Räumlichkeiten des Tageblatt auf Belval auf ein sehr interessiertes Publikum.

„Jedes Haus braucht ein gutes Fundament, wir wollen in den kommenden Jahren die Leitungen legen, damit es bis zum Dach hin schön wird“, sagte Reinhold Breu vor einer Runde aus Sponsoren und eingefleischten Jeunesse-Anhängern. Der neue Mann auf der Trainerbank hat auf der „Grenz“ eine Revolution eingeleitet, die bitter nötig war. Sie wurde aber auch aus der Not heraus geboren. Der Rekordmeister kann finanziell nicht mehr mit der Konkurrenz mithalten und muss deshalb andere Wege gehen. Konkret heißt das: auf den eigenen Nachwuchs setzen und Talente aus der Fußballschule, die es nicht zum Profi geschafft haben, nach Esch locken. „Es hat mich gejuckt, dieses Projekt anzunehmen, weil wir in Monnerich immer darüber geredet haben, dass es doch möglich sein muss, dass unsere Talente in der BGL Ligue Spielpraxis bekommen“, so Breu weiter.

Keiner kennt das Jeunesse-Haus besser als Manuel Cardoni. Bevor Breu beim Traditionsverein unterschrieb, holte er sich Rat bei seinem Nachfolger bei der FLF. „Ich lag zuhause auf der Couch und habe Reinhold in unserem Telefongespräch gesagt, dass er den Verein wachküssen muss. Nicht nur die erste Mannschaft, sondern auch die Jugend. Die Jeunesse braucht kompetente Trainer, aber auch welche, die soziales Verständnis haben, um die Escher Kinder und Jugendlichen bestmöglich zu betreuen“, so Cardoni.

Ein interessiertes Publikum
Ein interessiertes Publikum Foto: Editpress/Claude Lenert

Der ehemalige Mittelfeldspieler erinnert sich an seine Zeit bei der Jeunesse und zieht Parallelen zu heute. Im Sommer 1992 wechselte er als 19-Jähriger von der US Rümelingen nach Esch. „Ein Projekt braucht Geduld. Damals waren die ersten Jahre auch nicht einfach. Damals wie heute wurde ein Sponsorenpool gegründet mit dem Ziel, die Talente zu halten.“ Die Fortsetzung der Geschichte ist bekannt: Die Jeunesse wurde ab 1994 fünfmal nacheinander Meister und gewann in dieser Zeit auch zweimal den Pokal. Cardoni will jedoch nicht in Nostalgie schwelgen: „Wir wissen, dass wir keine 3.000 Zuschauer pro Spiel mehr auf den Platz bekommen. Wir müssen jedoch versuchen, die aktuelle Situation zu verbessern. Mir fehlt die Diskussionskultur. Lasst uns einmal uns alle an einen Tisch setzen und versuchen, wieder mehr Identifikation auf den Platz zu bekommen.“

Cardoni sieht die Nationalmannschaft als Beispiel. In der letzten WM-Quali kamen rund 70 bis 75 Prozent der Kaderspieler aus der Monnericher Fußballschule. Aktuell verdienen rund 40 Luxemburger Profis ihr Geld im Ausland. Alle anderen Talente, die es nicht auf dieses Niveau geschafft haben, sollten sich eigentlich in der BGL Ligue tummeln. Das ist jedoch nicht immer der Fall. „Was auf einem hohen Niveau wahr ist, stimmt auch auf einem niedrigeren Niveau. Durch eine gute Betreuung entwickelt man eine Bindung zum Verein. Man muss den Talenten jedoch auch eine Chance geben. Damals, als ich mit 16 Jahren in Rümelingen angefangen habe, durfte ich Fehler und schlechte Spiele machen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich diese Chance heute erhalten hätte“, fragt sich Cardoni.

„Das könnte was werden“

Breu will den Talenten bei der Jeunesse genau diese Chance geben, die sie anderswo nicht erhalten. Aktuell stehen bei der Jeunesse elf Spieler unter Vertrag, die unter 23 Jahre alt sind und auch alle regelmäßig zum Einsatz kommen. Im vergangenen Sommer wurde sich von vielen Legionären getrennt. Im Moment stehen nur noch fünf Spieler im Kader, die nicht in Luxemburg ausgebildet wurden. Der Verein nimmt nach der Hinrunde einen ordentlichen sechsten Platz ein und stellt die beste Abwehr der Liga. Die neue Philosophie scheint demnach auf Anhieb zu greifen. „Entscheidend für die Jeunesse ist es, eine gute Mischung hinzubekommen. Es ist erlaubt, sich im Ausland zu bedienen, aber die Qualität sollte stimmen. Man muss die Fußballschule in den Vereinsfußball integrieren. Wer das nicht tut, ist meiner Meinung nach nicht auf dem richtigen Weg“, so die klare Aussage von Breu.

Der aus Bayern stammende Fußballlehrer erhoffte sich vom Business-Club auch, dass die Sponsoren und Anhänger seiner Philosophie folgen: „Ich hoffe, dass hier heute Abend einige rausgehen und sagen: Das interessiert mich, das ist ein spannendes Konzept, das könnte was werden.“

Cardoni und Breu konnten es sich aber auch nicht verkneifen, den Klub-Fußball in Luxemburg und die aktuelle 16er-Liga zu kritisieren. „Jeder sechste Klub in Luxemburg ist Teil der Elite. Das kann nicht der richtige Weg sein“, sagt Cardoni. Breu schlägt in die gleiche Kerbe: „Wenn ein reiches Land wie Luxemburg es nicht hinbekommt, eine erfolgreiche BGL Ligue mit gesunden Vereinen zu etablieren, wer dann? Es gibt jedoch einige Gründe, warum wir uns mittlerweile so schwer tun im internationalen Club-Fußball.“ Der Beweis für diese These wurde kürzlich geliefert. Luxemburg verlor seinen vierten Startplatz und zählt jetzt zu der untersten Kategorie im europäischen Vereinsfußball.

Breu will bei der Jeunesse mit gutem Beispiel vorangehen und sein eigenes Kapitel schreiben. „Die Geschichte des Vereins ist sensationell. Wir müssen die Tradition bewahren und die Zukunft gestalten. Wenn wir etwas verändern wollen, dann gehört viel Mut dazu. In der jetzigen Situation ist es der beste Weg, langfristig auf Talente zu setzen, statt jedes Jahr zehn neue Spieler zu holen. Zum Glück hat der Vorstand das verstanden.“

Business-Club?

Im Fußball sind sie Mode geworden: die Business-Clubs. Den Anfang machte der Progrès Niederkorn, mittlerweile organisiert auch die Jeunesse Esch regelmäßig solche Treffen. Sie werden veranstaltet, damit sich die Unterstützer bzw. Sponsoren des Vereins untereinander austauschen können und vielleicht neue Partnerschaften entstehen. Langfristig soll ein Business-Club dazu führen, die wirtschaftliche Situation des Vereins zu verbessern und mehr Partner an den Verein zu binden. (del)

Luxmann
1. Januar 2026 - 17.55

Die 16 er liga ist viel zu gross und eindeutig unsinn.
Erstaunlich dass man das in der FLF nicht zu sehen scheint und nicht zur 12 er liga zurueck kommt .