Donnerstag1. Januar 2026

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Recht auf AbtreibungDas „Planning familial“ stellt sich den antifeministischen Argumenten von Schockmel entgegen

Recht auf Abtreibung / Das „Planning familial“ stellt sich den antifeministischen Argumenten von Schockmel entgegen
Der DP-Abgeordnete Gérard Schockmel (Mitte) sorgt mit Äußerungen zum Abtreibungsrecht und Feminismus für Empörung Foto: Editpress/Julien Garroy

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Nach Gérard Schockmels umstrittenem Beitrag im „Luxemburger Wort“ weist das „Planning familial“ die Aussagen entschieden zurück – und verteidigt das Erbe von Simone Veil.

Das Recht auf Abtreibung soll in die Luxemburger Verfassung aufgenommen werden – dem haben nun auch CSV und DP zugestimmt. Ganz einverstanden ist jedoch nicht jeder damit: Der DP-Abgeordnete Gérard Schockmel ist vehement dagegen und hat seine Ablehnung eines verfassungsmäßigen Abtreibungsrechts nie verborgen. In einem Gastbeitrag für das Luxemburger Wort legte Schockmel noch einmal nach – mit Aussagen, die selbst in den Reihen der CSV für Irritation sorgen. Die Reaktionen auf Schockmels Beitrag ließen nicht lange auf sich warten.

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Die Frauen in der CSV positionieren sich in einem Facebook-Post sehr klar gegen die Aussagen des DP-Abgeordneten. Und auch aus Schockmels eigener Partei erfährt der Arzt Widerspruch. Gleichstellungsministerin Yuriko Backes (DP) verfasste auf Facebook einen Post, der die Aussagen ihres Parteikollegen Stück für Stück auseinanderpflückte. Die Zivilgesellschaft ist ebenfalls empört: Das „Planning familial“ weist in einer Stellungnahme am Montag Schockmels Darstellung entschieden zurück. Er habe die Figur von Simone Veil instrumentalisiert, um einen antifeministischen Diskurs zu bedienen und sich gegen das Recht von Frauen auf Selbstbestimmung zu stellen.

„Wenn die Debatte über Abtreibung heute von Feministinnen geführt wird, ist das umso besser. Denn ohne sie gäbe es vielleicht gar keine Debatte – und auch kein Recht“, heißt es in der Stellungnahme vom „Planning“. Seit über 50 Jahren kämpften Feministinnen dafür, dass die Freiheit, selbst zu entscheiden, Realität bleibe.

„Keine Frau greift leichtfertig zur Abtreibung“

Die Organisation kritisiert, dass unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit diskriminierende Positionen in großen Medien verbreitet werden. „Wenn es heute offenbar jedem möglich ist, im Namen der Meinungsfreiheit eine diskriminierende Meinung auf einer ganzen Seite der wichtigsten Tageszeitung des Landes zu äußern, dann ist das der Beweis dafür, dass es weder Zensur noch Schweigen gibt“, heißt es.

Besonders scharf wendet sich das „Planning“ gegen die Vereinnahmung der Figur Simone Veils. Die Interpretation sei eine „historische Manipulation“. Veil habe niemals versucht, Rechte einzuschränken: „Sie hat die Freiheit, die Würde und die Gesundheit von Frauen gegenüber einem fast ausschließlich männlichen und weitgehend feindseligen Parlament verteidigt.“ Und die Organisation geht noch weiter: „Sie zu zitieren, um die Rechte zu schwächen, für die sie sich eingesetzt hat, bedeutet, ihr Vermächtnis zu verraten.“

Das Zitat Veils, „Keine Frau greift leichtfertig zur Abtreibung“, sei oft missverstanden worden. Sie habe damit nicht zu mehr Restriktionen aufgerufen, sondern „die Schwere der Entscheidung betont, um ihre Legitimität besser verteidigen zu können“. Ihre Gesetzesreform habe das Abtreibungsrecht nicht „erlaubt“, sondern „der Heuchelei und dem Leiden ein Ende gesetzt“.

Abschließend wird betont: „Das Recht auf Abtreibung ist keine Ideologie. Es ist ein Grundrecht, das Ergebnis eines langen demokratischen Kampfes“. Das Planning Familial kündigt an, sich weiterhin dafür einzusetzen, dieses Recht dauerhaft zu sichern: „Wir sind mehr als entschlossen, es in der Verfassung zu verankern – um es vor den Rückwärtsgewandten dieser Welt zu schützen.“ (DJ)

Guy Mathey
15. Oktober 2025 - 12.28

@Campagna Norbert: Meine hinlänglich bekannte Position bzgl dem elementaren Menschenrecht auf Abtreibung basiert auf den in Luxemburg und verschiedenen anderen Ländern geltenden Fristen.
Was die kanadische Gesetzgebung betrifft, so fehlen mir aktuell noch die zu einer finalen Bewertung erforderlichen Details, werde diese bei Gelegenheit einholen.

Campagna Norbert
14. Oktober 2025 - 21.56

@ Guy Mathey In Kanada darf eine Frau solange abtreiben, wie das Kind in ihrem Bauch ist, und braucht dafür keinen Grund anzugeben. Sie kann also noch einen Tag vor der erwarteten Geburt abtreiben. Dzs hat das Oberste Gericht so entschieden. Finden Sie das in Ordnung, Herr Mathey? Und wenn nicht, was wäre Ihr Argument? Und wenn ja, worin unterscheidet sich dann Abtreibung von Kindesmord? Ich danke für die Antwort.

Guy Mathey
14. Oktober 2025 - 14.30

Man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass kaum eine Frau auf der Welt eine Abtreibung leichtfertig vornehmen lässt, solche Entscheidungen sind stets schwierige Entscheidungen und werden stets durch Notlagen ausgelöst.
Allerdings steht absolut niemanden ausser der betroffenen Frau selbst das Recht zu, zu bewerten, ob eine Notlage gegeben ist und ob die Schwangerschaftsunterbrechung gerechtfertigt ist oder nicht. Insbesondere auch betreffend moralische Aspekte in diesem Zusammenhang muss die Frau ausschliesslich mit dem eigenen Gewissen im Reinen sein.

Weber Ernsest
14. Oktober 2025 - 14.05

Hei huet sech den "Planning" nees getreppelt gefillt an wei esou oft den Punkt verfehlt. Jo et ass dank der harder Aarbescht vun villen Leit, inklusiv solcher dei sech als Feministen bezeechnen, dass mer e gudd Ofdreiwungsgesetz hun, dass mir desst brauchen an mussen bebehaalen setzt jo keen a Fro. Et geht hei em d'Art ewei den Debat gefouert gett. Tatsach dass mer eng Verfassungsännerung ob Wonsch enger klenger Minoritéit erbeifeieren wellen, ouni dass d Plusvalue vun deser Aktioun huet dierfen Diskuteiert ginn, well jiddereen deen sech traut dessen Scgrett an Fro ze stellen als Rechsextremen Sexist duergestallt gett, esou dass een d Prsoun ungreifft an net muss ob Argumenter angoen. Leider ganz of den Fall aus dem "feministeschen" Lager

Campagna Norbert
13. Oktober 2025 - 21.52

Simone Veil hat die Schwere der Entscheidung betont, da sie auch dem noch nicht Geborenen ein moralischen Status anerkannte. Und genau das tut das Planning familial nicht. Für Simone Veil sollte dieAbtreibung die Ausnahme bleiben, ein Notrecht, keine fundamentale Freiheit. Wenn jemand Simone Veil verraten hat, dann ist es der Planning familial, der die Abtreibung banalisieren möchte und dem noch nicht Geborenen keinen moralischen Wert zuspricht. Ich lade jede und jeden dazu ein, die Rede Veils vor der Assemblée nationale zu lesen. Das ist ein ganz anderes Kaliber als die Stellungnahmen des Planning familial. Simone Veil denkt pragmatisch, nicht ideologisch. Für sie sind Abtreibungen moralisch problematisch, aber manchmal eben leider notwendig.

meris kelly
13. Oktober 2025 - 21.15

Tja Planning: Ich finde auch, dass Simone Veil komplett für das Abtreibungsrecht war. Daher verstehe ich auch nicht, wieso so viele Abtreibungsgegner sie zitieren. Ich bin selbst Gegnerin und denke dass Veil keinen Deut besser war als alle anderen Abtreibungsverteidiger. Dass sie eine tragische Geschichte hatte (was mir sehr leid tut und ich wünschte, niemand hätte das durchmachen müssen) rechtfertigt aber nicht alles und darf keinen Menschen gegen Kritik immunisieren.