Das Armutsrisiko in Luxemburg bleibt weiterhin überdurchschnittlich hoch. 18,1 Prozent der Bevölkerung sind von Armut bedroht: Sie verdienen weniger als 60 Prozent des Medianeinkommens, das im Großherzogtum bei rund 4.800 Euro brutto liegt. In der Eurozone weisen nur sieben Staaten (von 20) eine noch höhere Armutsrisikoquote als Luxemburg auf. Belgien hat mit 11,5 Prozent die niedrigste, in Deutschland liegt sie bei 15,5, in Frankreich bei 15,9 Prozent. Der Durchschnittswert in der Eurozone beträgt 16,1 Prozent.
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An Überbelastung durch Wohnkosten leiden in Luxemburg 30 Prozent der Mieter: Sie geben mehr als 40 Prozent ihres Einkommens für Wohnen aus. Das ist der vierthöchste Wert in der Eurozone.
Trauriger Spitzenreiter in Europa ist Luxemburg bei den sogenannten „Working Poor“: 13,4 Prozent der Bevölkerung sind trotz Arbeit armutsgefährdet. In Belgien sind es mit 4,3 Prozent fast dreimal weniger, in Deutschland ist es mit 6,5 Prozent die Hälfte, in Frankreich (und in der Eurozone insgesamt) sind es rund acht Prozent. Arbeitssuchende sind mit 33,6 Prozent stärker armutsgefährdet als Menschen mit Arbeit, Freiberufler (mit 16,4%) mehr als Beschäftigte (13,2%). Diese Zahlen gehen aus dem diesjährigen „Panorama social“ hervor, das die „Chambre des salariés“ (CSL) am Donnerstagvormittag auf einer Pressekonferenz in ihrem Hauptsitz in Bonneweg vorgestellt hat.
Wohnungsnot
„Die Lage ist und bleibt beunruhigend“, sagte CSL-Präsidentin Nora Back. Seit 2005 sei die Armutsgefährdungsquote in Luxemburg stetig gestiegen. Alleinerziehende und kinderreiche Familien (mit mindestens drei Kindern) seien stärker betroffen als andere Haushalte und wenn die Kindergeldreform in ein paar Jahren ihre „Wirkung“ entfaltet und sich statistisch niederschlägt, werde die Lage noch dramatischer.
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Unter den Alleinerziehenden sehen sich 41,4 Prozent nicht in der Lage, unvorhergesehene Ausgaben (von mindestens 2.278 Euro) zu tätigen, ohne sich bei Bekannten Geld zu leihen oder bei einer Bank ein Darlehen aufzunehmen
Einen wesentlichen Anteil an der überdurchschnittlich hohen Armutsgefährdungsquote tragen in Luxemburg die Wohnungsnot und die Wohnungspreise. Mieter sind mit 30 Prozent fast dreimal stärker von Armut bedroht als Eigentümer (12,5%). An Überbelastung durch Wohnkosten leiden in Luxemburg insgesamt acht Prozent, sie geben mehr als 40 Prozent ihres Einkommens für Wohnen aus. Damit liegt Luxemburg leicht unter dem EU-Durchschnitt. Betrachtet man jedoch nur die Mieter, steigt der Anteil auf 30 Prozent – der vierthöchste Wert in der Eurozone.
22,5 Prozent der Haushalte in Luxemburg sehen sich laut „Panorama social“ nicht in der Lage, unvorhergesehene Ausgaben (von mindestens 2.278 Euro) zu tätigen, ohne sich bei Bekannten Geld zu leihen oder bei einer Bank ein Darlehen aufzunehmen. Unter den Alleinerziehenden sind es 41,4, unter den kinderreichen Familien 28,5 Prozent. Am höchsten ist dieser Wert (43,7%) in Haushalten, in denen mindestens drei Erwachsene mit mindestens einem Kind zusammenleben.
„Neue Normalität“
Dass die Armut in Luxemburg steigt, lässt sich auch an den Beihilfen erkennen, die Sozialämter auszahlen. Nachdem sich der Gesamtbetrag in den Corona-Jahren auf hohem Niveau stabilisiert hatte, steigt er seit 2022 wieder stark an. Die meisten Beihilfen gewähren die Sozialämter für Wohnen, das Bezahlen von Rechnungen (Strom, Erdöl, Gas, Wasser, Nahrung, kommunale Taxen) und Gesundheitsausgaben. Die Zahl der Menschen, die in „épiceries sociales“ einkaufen, hat sich seit fünf Jahren bei über 10.000 eingependelt: „Was einst als vorübergehendes Instrument zur Armutsbekämpfung gedacht war, ist inzwischen zur Normalität geworden“, kommentierte Félix Martins De Brito, Ökonom und Direktionsrat bei der CSL.
Die Arbeitslosenquote lag 2024 mit 6,4 Prozent in Luxemburg nah am Eurozonen-Durchschnitt. Während sie in vielen Ländern zurückgegangen sei, sei im Großherzogtum gestiegen, stellte Félix Martins fest. „Besonders beunruhigend“ ist die Arbeitslosenquote in der Altersklasse der 15- bis 24-Jährigen, in der sie mit 21,6 Prozent ein Drittel höher ist als in der gesamten Eurozone. Im Gegensatz zur Altersgruppe der 15- bis 64-Jährigen sind die 15- bis 24-Jährigen 3,4-mal anfälliger für Arbeitslosigkeit – nach der Slowakei der zweithöchste Wert in der Eurozone. Dementsprechend zählt in dieser Altersgruppe auch die Beschäftigungsquote zu den niedrigsten in der Eurozone.
Das lange Zeit angeführte Argument, das liege daran, dass viele junge Menschen noch studieren, lässt Martins nicht gelten: Die NEET-Rate – „Not in Education, Employment, or Training“, also Personen, die weder arbeiten noch studieren oder ein Praktikum absolvieren – lag vergangenes Jahr in Luxemburg bei fast zehn Prozent, gegenüber 2020 ist das ein Anstieg von 45 Prozent. Der CSL-Ökonom wies darauf hin, dass sich dieser NEET-Zustand später erheblich auf die berufliche Karriere dieser jungen Menschen auswirken könne. Nicht in den Erhebungen berücksichtigt werden Grenzpendler und Menschen, die in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen oder Beschäftigungsinitiativen „geparkt“ sind.
„Extrem enttäuscht“
Das „Panorama social“ zeigt auch, dass sich die Arbeitsbedingungen von jungen Menschen immer weiter verschlechtern. Hat der Anteil befristeter Arbeitsverträge insgesamt leicht zugenommen (um 2,5% seit 2010), ist er in der Altersklasse der 15- bis 24-Jährigen inzwischen mit 42 Prozent sechsmal höher als in der der 25- bis 54-Jährigen. Mit einem befristeten Vertrag sei es sehr schwierig, eine Mietwohnung zu finden, und einen Wohnungskredit bei einer Bank zu bekommen, sei quasi unmöglich, sagte Félix Martins. Neben befristeten Arbeitsverträgen haben auch Teilzeitverträge zugenommen, von denen Frauen am stärksten betroffen sind. Um sich um ihre Familie kümmern zu können, werden sie häufig in die Teilzeit gezwungen. Teilzeitverträge erhöhen laut CSL das Armutsrisiko um 40 Prozent.
Das wirksamste Mittel, um Armut zu bekämpfen, sei eine Erhöhung des Mindestlohns, sagte Nora Back. Die CSV/DP-Regierung habe das aber bislang abgelehnt – nicht einmal die EU-Mindestlohnrichtlinie wolle sie ordnungsgemäß umsetzen. CSL-Vizepräsident Patrick Dury zeigte sich „extrem enttäuscht“, weil von den Versprechen der Regierung, der Wirtschaft wieder neue Impulse zu verleihen und neue Arbeitsplätze zu schaffen, bislang „rose wéineg“ zu erkennen sei. Stattdessen setze sie auf Kostenreduktion, was einer „Umverteilungslogik“ gleichkomme, in dem Sinn, dass durch eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen die Unternehmensgewinne gesteigert werden sollen. Am 28. Oktober soll die erste bilaterale Gesprächsrunde zur Arbeitszeitorganisation zwischen den Gewerkschaften OGBL und LCGB und CSV-Arbeitsminister Georges Mischo stattfinden.
De Maart

"Fast jeder siebte Einwohner in Luxemburg ist von Armut bedroht, obwohl er arbeitet", eine erschreckende Tatsache und eine Bedrohung für den sozialen Frieden im Lande, nur das scheint aber unseren Frieden und seine Rasselbande von Minisern nicht weiter zu stören...