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Matgesfest 2025Reparaturen, Kleidertausch und ein Solartrailer: So feiert Sanem am Wochenende Nachhaltigkeit

Matgesfest 2025 / Reparaturen, Kleidertausch und ein Solartrailer: So feiert Sanem am Wochenende Nachhaltigkeit
Das Matgesfest: zwei Tage gelebte Alltagsökologie unter freiem Himmel Foto: Gemeng Suessem/Max Staus 

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Zukunft zum Anfassen: Beim Matgesfest in Sanem wird Nachhaltigkeit ausprobiert, geteilt und gefeiert – mit Reparaturcafé, Kleidertausch, Solarstrom und Musik, die Haltung zeigt.

Am kommenden Wochenende, dem 11. und 12. Oktober, wird das „Ëmwelt- a Bildungszenter Matgesfeld“ in Sanem zum Prüfstand für Alltagsökologie. Für zwei Tage treffen sich hier Menschen, die Lust haben, Nachhaltigkeit nicht nur zu diskutieren, sondern zu leben – zwischen Musik, Marktständen und Workshops, zwischen alten Radios, neuen Ideen und der Frage, wie man Zukunft gestaltet. Auch das Wetter spielt mit: mild, sonnig, herbstlich – beste Voraussetzungen für ein Wochenende im Freien, das Haltung zeigt, ohne den Zeigefinger zu heben.

„Wir wollen zeigen, was wir hier am Matgesfeld tun, wofür das Umwelt- und Bildungszentrum steht – und das ist gelebte Nachhaltigkeit. Kein theoretisches Konzept, sondern etwas, das man anfassen, ausprobieren und erleben kann“, sagt David Hengen vom Umweltservice der Gemeinde Sanem, der das Fest seit Jahren mitorganisiert.

Worum es wirklich geht

Seit der Eröffnung des Matgesfeldes im Jahr 2017 hat sich der Ort zu einer Art Miniaturwelt entwickelt, in der ökologische Ideen konkret werden: mit Schulgärten, einem Bienenhaus, einer Zucht mit Hühnern und Minischweinen, und seit Kurzem auch Seminarräumen. Das Matgesfest ist das öffentliche Gesicht dieser Philosophie – ein Wochenende voller Workshops, Musik und Begegnungen, das nicht belehrt, sondern ansteckt.

Am Samstag öffnet das Gelände um 11 Uhr. Auf der Bühne: Adriano Selva, Octo, Eti Soleil und der Queer Choir. Am Sonntag geht’s weiter mit der „Suessemer Musek“, einer Tanzshow und der Verleihung des Umweltdiploms. Für das Sonntagsprogramm sind außerdem mehrere wiederkehrende Slots vorgesehen, wie z.B. der Kurbelkoffer und Auftritte von Muskelmann Georges Christen.

„Es war von Anfang an als Familienfest gedacht“, erzählt Hengen. „Wir wollten, dass Eltern sich informieren können, während die Kinder einfach spielen. Das Gelände ist überschaubar, es gibt Tiere, Sandkasten, Bastelstationen – das ist alles Teil der Idee.“ Die Aussteller werden nach restriktiven Kriterien gewählt. „Es muss schon ein Stück weit zu unserer Denkweise passen“, sagt Hengen. Geringe Verpackung, regionale Produktion, Upcycling und transparente Materialwahl sind mehr als PR‑Vokabeln; sie steuern, wer überhaupt einen Stand bekommt. Musik folgt demselben Ethos: lokal verankert und vielfältig.

Hühner, Bienen und Schweine – das Matgesfeld als Lernort mit Leben
Hühner, Bienen und Schweine – das Matgesfeld als Lernort mit Leben Foto: Gemeng Suessem/Max Staus 

Reparieren statt wegwerfen

Ein zentrales Element des Fests ist das Repair-Café, das am Sonntag von 11 bis 14 Uhr läuft. Der Gedanke: Dinge wiederbeleben, statt sie auf den Müll zu werfen. „Die Klassiker sind Kaffeemaschinen, Staubsauger, Radios“, sagt Hengen. „Also all das, wo einem der Elektronik-Händler normalerweise sagt: ‚Kauf dir lieber was Neues.‘“ Die Besucher bringen ihre kaputten Gegenstände und Geräte mit – und lernen, sie selbst zu reparieren. Freiwillige Schrauber, Elektriker und Tüftler helfen dabei. Manchmal entstehen daraus unerwartete Geschichten. „Einmal hat sogar jemand ein großes Aquarium mitgebracht, bei dem die Elektronik kaputt war“, erinnert sich Hengen.

Daneben läuft die Kleidertauschbörse. Bis zu zehn Kleidungsstücke darf jeder Besucher mitbringen, für jedes Teil gibt es einen Jeton, den man gegen ein anderes eintauschen kann. Keine Fast Fashion, keine kaputten Teile, keine Unterwäsche und keine Schuhe. „Wir akzeptieren keine abgetragenen oder schmutzigen Sachen – das ist uns wichtig“, erklärt Hengen. „Und was am Ende übrig bleibt, geht nicht in den Müll, sondern in die Givebox der Gemeinde. Wir bestücken diese nach und nach, damit die Kleidung weiter zirkuliert. Andere Teile werden an die ,Stëmm vun der Strooss‘ oder ähnliche Organisationen gespendet.“

„Das Matgesfeld ist außerdem ein Safe Space“, betont Hengen. „Das heißt: Es ist inklusiv, jede*r ist willkommen. Und das wollen wir auch zeigen – durch Präsenz.“ Letztes Jahr war die Drag-Künstlerin Tatta Tom dabei, dieses Jahr singt der Queer Choir. Es geht um Nachhaltigkeit – nicht nur ökologisch, sondern auch sozial.

Auf dem Matgesfeld wird Nachhaltigkeit greifbar – zwischen Marktständen, Musik und Werkbänken
Auf dem Matgesfeld wird Nachhaltigkeit greifbar – zwischen Marktständen, Musik und Werkbänken Foto: Gemeng Suessem/Max Staus 

Mobile Energie aus der Sonne

Dieses Jahr bekommt das Matgesfest außerdem ein technisches Highlight: den PaVolt-Solartrailer. Ein mobiler Energiespender, der aussieht wie ein futuristischer Bauwagen, aber das ganze Festivals mit Strom versorgen soll – Bühne, Tonanlage, Essensstände inklusive. Der Anhänger wiegt unter 750 Kilogramm, damit kein spezieller Führerschein nötig ist. Er kann auf Baustellen eingesetzt oder an Gebäude angeschlossen werden – wie ein überdimensionales, rollendes Balkonkraftwerk.

Hinter all dem steckt kein großes Eventbüro, sondern ein kleines, motiviertes Team: acht Personen des Umweltdienstes der Gemeinde Sanem, unterstützt von Freiwilligen und Vereinen wie den „Scouten“ und dem „Gaart & Heem Suessem“. Sie übernehmen Organisation, Aufbau, Reparaturen, Logistik. „Ohne die Vereine würde das nicht funktionieren“, sagt Hengen. „Das ist genau das, was wir meinen, wenn wir von Nachhaltigkeit reden: Ressourcen teilen – auch menschliche.“