Samstag3. Januar 2026

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NahostIsrael und Hamas gehen in Verhandlungen: Indirekte Gespräche beginnen in Ägypten

Nahost / Israel und Hamas gehen in Verhandlungen: Indirekte Gespräche beginnen in Ägypten
Palästinenser auf dem Rückweg von einer Lebensmittelausgabestelle im Gazastreifen Foto: AFP

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Stehen die Zeichen wirklich auf Einigung? Am Montag sollen im ägyptischen Badeort Scharm el-Scheich indirekte Gespräche zwischen Israel und der Hamas über eine Waffenruhe und eine Freilassung der Geiseln im Gazastreifen beginnen.

Zwei Jahre nach dem Überfall der Hamas auf Israel wollen Vertreter beider Seiten am Montag in Ägypten indirekte Gespräche über eine Waffenruhe und eine Freilassung der Geiseln im Gazastreifen beginnen. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte am Sonntag, die israelischen Verhandlungsvertreter würden am Montag nach Ägypten reisen. Der Vermittler Ägypten bestätigte, dass auch eine Hamas-Delegation erwartet werde. Die Gespräche über den Nahost-Friedensplan von US-Präsident Donald Trump sollen im ägyptischen Badeort Scharm el-Scheich stattfinden. Aus Hamas-nahen Kreisen erfuhr die Nachrichtenagentur AFP, dass sich die beiden Delegationen im selben Gebäude, jedoch fernab von Journalisten aufhalten würden.

Die Hamas hatte sich am Freitag in Teilen mit dem Plan und der Freilassung der israelischen Geiseln im Gazastreifen einverstanden erklärt. Einem Hamas-Vertreter zufolge ist die islamistische Palästinenserorganisation „sehr interessiert“ an einer Einigung mit Israel. Israels Regierungschef Netanjahu schrieb es „militärischem und diplomatischem Druck“ zu, der die Hamas dazu gezwungen habe, einer Freilassung der Geiseln zuzustimmen. Er hoffe, „dass wir in den kommenden Tagen alle unsere Geiseln zurückbringen werden können“, sagte Netanjahu am Samstagabend in einer Fernsehansprache. Israels Armeechef Ejal Samir erklärte am Sonntag, im Fall eines Scheiterns der Verhandlungen würden die Kämpfe wieder aufgenommen werden.

Hoffnung auf Einigung mit der Hamas

Trump sagte am Sonntag vor Journalisten im Weißen Haus, die Gespräche würden „einige Tage dauern“. „Wir werden sehen, wie es ausgeht. Aber ich habe gehört, dass es sehr gut läuft“, fügte der US-Präsident hinzu. Trump hatte in einem Austausch von Nachrichten mit dem Sender CNN am Sonntag die Hamas erneut gewarnt. Falls sich die Hamas weigere, die Macht im Gazastreifen abzugeben, würde das ihre „vollständige Vernichtung“ bedeuten, betonte Trump. Der US-Präsident hat für die Gespräche über den Friedensplan seinen Schwiegersohn Jared Kushner und den US-Nahost-Sonderbeauftragten Steve Witkoff nach Ägypten geschickt. Der deutsche Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) reist am Montag ebenfalls nach Israel und trifft in Tel Aviv seinen Kollegen Gideon Saar.

Dieser äußerte am Sonntag Hoffnungen auf eine baldige Einigung mit der Hamas für eine Freilassung der Geiseln. „Ich hoffe, dass wir nah dran sind“, sagte er der Bild-Zeitung. „Wir sind entschlossen, so schnell wie möglich ein Abkommen zu erreichen, um unsere Geiseln wieder nach Hause zu bringen. Das würde natürlich auch einen Waffenstillstand bedeuten.“ Zugleich warnte der Außenminister vor Naivität im Umgang mit der islamistischen Palästinenserorganisation. „Wenn man es mit der Hamas zu tun hat, können Dinge, die einfach aussehen, sehr kompliziert sein“, sagte er zu Bild. „Nein, ich vertraue der Hamas nicht.“

Ein Hamas-Vertreter sagte der Nachrichtenagentur AFP, die islamistische Palästinensergruppe wolle „unverzüglich“ mit dem Austausch der Geiseln gegen palästinensische Häftlinge beginnen. Ziel der Verhandlungen sei es zunächst, „den Zeitplan für die Vorbereitung der Bedingungen vor Ort für die Überstellung“ der israelischen Geiseln aus dem Gazastreifen zu besprechen. Dies sei dann die „Vorstufe“ für die Einleitung des Austauschs der Geiseln gegen palästinensische Häftlinge. Die Hamas habe während der Gespräche mit den Vermittlern darauf bestanden, dass Israel sämtliche militärischen Aktivitäten „in allen Gebieten des Gazastreifens“ einstellen und sich aus der Stadt Gaza zurückziehen müsse, sagte der Hamas-Vertreter weiter. Parallel dazu würden dann auch die Hamas und ihre Verbündeten „ihre Militäroperationen und Aktionen einstellen“.

Aktivisten aus Israel abgeschoben

Nach dem Stopp der Gaza-Hilfsflotte durch die israelische Marine sind derweil dutzende pro-palästinensische Aktivisten aus Israel abgeschoben worden. 21 spanische Bürger sollten Israel noch am Wochenende verlassen, erklärte der spanische Außenminister José Manuel Albares am Sonntag im spanischen Fernsehen. Vier in Israel festgehaltene Abgeordnete der französischen linkspopulistischen Partei La France insoumise (LFI) verkündeten, sie seien in einen Hungerstreik eingetreten. In mehreren europäischen Großstädten demonstrierten unterdessen Hunderttausende für ein Ende des Krieges im Gazastreifen und die Freilassung der festgehaltenen Aktivisten.

Die israelische Marine hatte seit Mittwoch ein Schiff nach dem anderen auf See abgefangen. Die Boote mit mehr als 400 Menschen an Bord wurden demnach davon abgehalten, den palästinensischen Küstenstreifen zu erreichen. Am Samstag erklärte das israelische Außenministerium, 137 Aktivisten seien in die Türkei abgeschoben worden, darunter auch Staatsangehörige aus den USA, Italien, Großbritannien, der Schweiz, Jordanien und mehreren anderen Ländern. Mitgereist waren mehrere Prominente, darunter die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg, ein Enkel des verstorbenen früheren südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela, Mandla Mandela, und die französisch-palästinensische LFI-Europaabgeordnete Rima Hassan.

Das Schicksal der in Israel festgehaltenen Aktivisten sowie der anhaltende Krieg im Gazastreifen lösten in mehreren europäischen Großstädten Massenproteste aus. In Rom nahmen nach Angaben der Polizei am Samstagnachmittag 250.000 Menschen an den Protesten teil. In Madrid gingen nach Angaben der Polizei fast 92.000 Menschen auf die Straße, in Barcelona waren es rund 70.000. In Amsterdam haben am Sonntag zehntausende Menschen bei einer pro-palästinensischen Demonstration ein Ende des Gazakriegs gefordert. In Paris gingen derweil tausende Menschen für eine Freilassung der israelischen Geiseln, die nach wie vor in der Gewalt der islamistischen Hamas im Gazastreifen sind, auf die Straße. Die Demonstranten trugen Fotos der Geiseln sowie französische und israelische Fahnen. Sie riefen „Freiheit für die Geiseln!“