Samstag3. Januar 2026

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Luxemburg-StadtRoyale Staubsauger und ein streikender Lift: Das lief beim Thronwechsel hinter den Kulissen

Luxemburg-Stadt / Royale Staubsauger und ein streikender Lift: Das lief beim Thronwechsel hinter den Kulissen
Staubsauger spielen bei den Feierlichkeiten eine große Rolle, denn sie sorgen dafür, dass alle Teppiche sauber sind Foto: Editpress/Alain Rischard

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Ein durchgetaktetes Programm, minutiöse Planung, posierte Fotos – Veranstaltungen wie der Thronwechsel am Freitag folgen oft einem strengen Protokoll. Lebendig werden sie durch menschliche Momente und kleine Missgeschicke. Ein Blick hinter die Kulissen.

Zwei Männer nähern sich dem Teppich vor dem Großherzoglichen Palast, sie haben zwei Staubsauger wie Rucksäcke geschultert. Gewissenhaft reinigen sie den Läufer, knien sich hin und streichen mit der Hand sorgfältig die Fransen glatt. Alles soll tadellos aussehen, denn noch an diesem Morgen werden die großherzogliche Familie, politische Verantwortliche aus Luxemburg und internationale Gäste darüber schreiten. Um 10 Uhr an diesem Freitag wird Großherzog Henri im „Palais grand-ducal“ sein Amt niederlegen – und Platz für seinen Sohn Guillaume als neuen Staatschef machen.

Sabine Schwadorf ist am Freitag für eine Trierer Zeitung im Einsatz
Sabine Schwadorf ist am Freitag für eine Trierer Zeitung im Einsatz Foto: Editpress/Alain Rischard

„Komm dir net bal, d’Féiss ginn ons kal“, witzelt ein Fotograf auf einer Pressetribüne vor dem Palais – es ist kalt an diesem Morgen. Seit 8.45 Uhr wartet die Presse aus dem In- und Ausland auf den Beginn der Feierlichkeiten. Rund 400 Akkreditierungen gingen beim „Service information et presse“ (SIP) ein: etwa 200 Medienleute von 25 verschiedenen Presseorganen aus Luxemburg, 150 aus dem Ausland sowie 50 Vertreterinnen und Vertreter diverser Institutionen wie etwa dem Luxembourg City Tourist Office oder der „Photothèque de la ville de Luxembourg“. Während rund zehn Monaten wurden die Feierlichkeiten laut Stefanie Simonelli vom SIP vorbereitet. 

Sabine Schwadorf ist mit ihren beiden Kollegen vom Trierischen Volksfreund aus dem Ausland angereist, um das Geschehen im Nachbarland zu begleiten. „Über die Jahre hat die Anzahl an Grenzgängern zugenommen und wir haben unsere Berichterstattung entsprechend angepasst. Das ist für uns eine wichtige Klientel. Seit den 2000ern beobachten wir alle royalen Ereignisse in Luxemburg“, erklärt die Wirtschaftsjournalistin, die in ihrer Redaktion auch für das Großherzogtum zuständig ist.

Kleine Missgeschicke

Kurz nach 10 Uhr ist es so weit: Nach 25 Jahren auf dem Thron hat Henri abgedankt. Um 11 Uhr soll Guillaume als neuer Großherzog vereidigt werden. Bei entspannter Atmosphäre sammeln sich dafür die Abgeordneten in der Chamber und plaudern über Parteigrenzen hinweg, statt politisch zu streiten. Als die Ehrengäste drinnen eintreffen, erheben sich alle. Stille breitet sich aus – bis ein Kammerdiener trocken meint: „Dir kënnt Iech erëm setzen.“ Erleichtertes Lachen geht durch den Saal. Draußen vor dem Parlament gibt es indes ein kleines Missgeschick: Chamber-Präsident Claude Wiseler tritt auf das lange Kleid von Stéphanie, als sie in Richtung Abgeordnetenkammer geht.

Nach der Vereidigung verlässt der neue Großherzog gemeinsam mit seiner Familie die Chamber. Sie werden von der Militärmusik und den traditionellen 21 Kanonenschüssen empfangen. Prinz Charles hält sich die Ohren zu, während seine Eltern ihn beruhigend in ihre Mitte nehmen und über den roten Teppich führen. Im Parlament wollen die Ehrengäste Jacques Santer, Jean-Claude Juncker und Jean Spautz derweil in den Aufzug steigen – doch der streikt und sie müssen die zwei Stockwerke zu Fuß hochgehen. Die kleinen Missgeschicke verleihen dem Tag trotz strengen Protokolls Menschlichkeit.

Als die Uhr zwölf schlägt, drängen sich die Menschen zwischen Knuedler und Palast und schauen gebannt zum Balkon. Dort soll bald der neue Großherzog und seine Familie erscheinen. Es ist einer der wenigen Momente an diesem Tag, in denen die Spannung spürbar steigt. Fähnchen und Smartphones werden hochgehalten. Plötzlich sind sie da: Guillaume und Stéphanie winken vom Balkon. Die Anspannung in der Menge löst sich. Vor allem in der ersten Reihe, wo die größten Fahnen geschwungen werden, rufen viele junge Stimmen laut: „Guillaume, Guillaume, Guillaume.“

Große Freude

Kameramann Jérôme ist für die Berichterstattung über den Thronwechsel aus Belgien angereist 
Kameramann Jérôme ist für die Berichterstattung über den Thronwechsel aus Belgien angereist  Foto: Editpress/Georges Sold

Der Adel zieht sich zurück und es wird still. Im Pressebereich klappen Fotografen ihre Laptops auf, schieben Speicherkarten ein und Bilder gehen in die Welt hinaus. Die Polizei macht den Weg vom Palast zum Rathaus frei. Schließt man die Augen, käme man kaum auf die Idee, dass gerade der Thronwechsel stattfindet – so still ist es in dem Moment. Nach einer Weile erscheinen Premierminister Luc Frieden (CSV), Vizepremierminister Xavier Bettel (DP), Chamber-Präsident Claude Wiseler (CSV) sowie die EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola und der Präsident des Europäischen Rates, António Costa. Sie spazieren zum Rathaus und winken – doch Jubel bleibt aus. Die Menge wartet gespannt auf Guillaume und Stéphanie. Erst als sie gegen 13 Uhr auftauchen, werden freudig Fähnchen geschwenkt. 

Kameramann Jérôme hat alles im Kasten. Er arbeitet für die belgische Nachrichtenagentur Belga und deckt sonst nur nationale Themen ab. Doch weil Stéphanie aus Belgien stammt, ist er diesmal nach Luxemburg gereist. Kaum ist die neue Großherzogin um die Ecke gebogen, verstaut Jérôme bereits seine Kamera. „Wie komme ich von hier aus zum Bahnhof?“, fragt er – drei Stunden Zugfahrt warten. Er fügt hinzu: „Kleines Event, aber nett.“ Für das großherzogliche Ehepaar stehen an diesem Tag noch ein Empfang im Cercle Cité sowie am Abend ein Galadinner im Palast an, bevor am Samstag dann erneut ein volles Programm auf sie wartet.


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