„Um die Sicherheit unserer Passagiere und Kollegen sicherzustellen“, erklärte ein Airport-Sprecher, „bleibt uns keine andere Wahl, als Heathrow am 21. März bis um 23.59 Uhr zu schließen. Wir erwarten über die nächsten Tage signifikante Störungen und Passagiere sollten unter keinen Umständen zum Flughafen kommen, bis er wieder eröffnet wird.“
Der Ausfall von Heathrow hat globale Auswirkungen, denn der Flugplatz ist einer der geschäftigsten der Welt. Alle 45 Sekunden hebt oder landet hier ein Flieger, und rund 1.300 Flüge gibt es pro Tag. Im letzten Jahr verzeichnete man die Rekordzahl von 83,9 Millionen Passagieren. Der Großflughafen im Westen Londons fliegt rund 200 Ziele in mehr als 80 Ländern an. Sämtliche ankommende und abfliegende Verbindungen fielen am Freitag aus, hunderte Flüge mussten umgeleitet werden. Noch ist nicht absehbar, wann der Flughafen wieder normal arbeiten kann. „Heathrow ist einer der wichtigsten Drehkreuze der Welt“, sagte Ian Petchenik von FlightRadar24. „Dies wird den Flugbetrieb weltweit beeinträchtigen.“ Bis zu 200.000 Passagiere waren am Freitag betroffen.
Der Grund für die Sperrung war ein Feuer in einem Umspannwerk im nahegelegenen Stadtteil Hayes. Dort, rund anderthalb Meilen vom Flugplatz entfernt, brach in der Nacht zum Freitag ein Brand aus, der einen großen Transformator ausschaltete und die Elektrizitätsversorgung für die Umgebung unterbrach. Im Airport gingen daraufhin praktisch alle Lichter aus. Ein Autofahrer, der kurz vor Mitternacht den Brand erlebte, sprach von einem massiven Feuerball und einer großen schwarzen Rauchwolke: „Das war absolut apokalyptisch“, so Adeel Anwar, „das sah aus wie aus einem Film.“ Anwohner beschrieben einen „weißen Lichtblitz“. Daraufhin seien sämtliche Lichter erloschen. Der Brand konnte am Morgen gelöscht werden, aber Tausende von Haushalten waren am Freitag noch vom Stromausfall betroffen.
Anfangs ging die britische Regierung nicht von einem terroristischen Anschlag aus. Die Londoner Polizei nahm Ermittlungen zur Brandverursachung auf und wird nun dennoch von Beamten der Anti-Terror-Brigade assistiert, „wegen ihrer speziellen Ressourcen und Fähigkeiten, diese Ermittlung schnell durchzuführen, um die Disruption zu minimieren“, wie es weiter hieß.
Kein Puffer im System
Die Sperrung des Flughafens wird teuer. Der Luftfahrt-Consultant John Strickland geht von Kosten in Millionenhöhe aus: „Heathrow hat normalerweise rund 200.000 Passagiere pro Tag. Der Ausfall hat massive Auswirkungen, besonders für die Fluglinien, wenn man Leute in Hotels unterbringen, sie umbuchen oder ihnen die Tickets rückerstatten muss.“
Der Reise-Experte Paul Charles bezifferte die Unkosten auf 20 bis 30 Millionen Pfund. Wenn Heathrow als Verkehrsknotenpunkt ausfällt, wirft das peinliche Fragen auf, meinte Simon Calder. Wieso, so der Tourismusjournalist, kann ein kritischer Teil der nationalen Infrastruktur einfach so außer Gefecht gesetzt werden? Und warum gibt es kein Backup, wenn die Energieversorgung ausfällt? Zudem zeige die Disruption in Heathrow, „wie wenig Puffer im System steckt“ – die Flughäfen in Großbritannien, seien es nun Heathrow, Gatwick oder Stansted, stoßen an ihre Kapazitätsgrenzen. „Dies unterstreicht den schieren Mangel an Resilienz. Der Grund, warum jetzt Menschen in Amsterdam oder Lyon oder Island festsitzen, ist, weil es nicht genug Platz in Südostengland gibt, um diese Flugzeuge umzuleiten.“ Die Störung wird nicht so schnell behoben sein, warnte Heathrow Airport: Man habe „keine Klarheit, wann die Energieversorgung verlässlich wiederhergestellt ist“. Das Chaos könnte noch ein paar Tage weitergehen.
Immerhin darf sich das Gastgewerbe freuen. Herbergen in der Nähe des Airports haben prompt ihre Preise erhöht. Ein Hotel, knapp 500 Meter vom Terminal entfernt, verdreifachte den Obolus von 90 auf 280 Pfund die Nacht. Ein anderes verlangte von einer fünfköpfigen Familie für eine Unterbringung die stolze Summe von 1.100 Pfund.

De Maart
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