Freitag2. Januar 2026

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Australien und KanadaZwei „Five Eyes“-Partner kooperieren künftig beim Schutz der Arktis

Australien und Kanada / Zwei „Five Eyes“-Partner kooperieren künftig beim Schutz der Arktis
Kanadas Premierminister Mark Carney (r.) trifft sich mit Nunavuts Premierminister P.J. Akeeagok im Amtssitz des Nunavut-Kommissars in Iqaluit: Kanada will seine Gebiete in der Arktis besser beschützen Foto: Sean Kilpatrick/The Canadian Press/AP/dpa

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Die Nachrichtendienste Kanadas und Australiens arbeiten bereits eng in der sogenannten „Five Eyes“-Allianz zusammen. Nun haben die Partner ihre Zusammenarbeit auf den Schutz der Arktis ausgeweitet. Australien unterstützt Kanada bei der Entwicklung eines Radar-Raketenerkennungssystems für die Polarregion.

Die Eismassen in der Arktis schmelzen immer weiter ab, das Nordpolarmeer lässt sich dadurch einfacher erschließen. Russland und China wittern ihre Chance, Positionen in der strategisch wichtigen Arktis auszubauen. Damit wird auch Kanada von Norden her verletzlicher.

Nun haben Kanada und Australien einen Vertrag über ein neues Radarsystem geschlossen, das Kanada von Norden her besser schützen soll. Der neue kanadische Premierminister Mark Carney verkündete das Projekt mit dem „Five Eyes“-Partner Australien am Dienstag in Iqaluit, der Hauptstadt des Nunavut-Territoriums in der kanadischen Arktis. Carney warnte, Kanada müsse angesichts der sich verschiebenden Prioritäten der USA mehr Verantwortung für seine Verteidigung übernehmen. „Mehr denn je müssen wir die Souveränität Kanadas bekräftigen, indem wir unser Militär stärken, unsere Sicherheit in der Arktis verbessern und das wirtschaftliche Potenzial des Nordens freisetzen“, hieß es in einem Statement, das das Büro des Premierministers am Dienstag veröffentlichte.

Kanada ist flächenmäßig das zweitgrößte Land der Erde nach Russland, die kanadische Arktis umfasst 40 Prozent des kanadischen Territoriums und mehr als 70 Prozent seiner Küstenlinie. Die USA haben Kanada in der Vergangenheit immer wieder daran erinnert, dass es seine Souveränität in der Arktis auch ausüben sollte, wenn es sie beanspruche, wie die Konrad-Adenauer-Stiftung bereits vor zwei Jahren in einem Artikel anmerkte.

Wurden die USA übergangen?

Laut dem australischen Sender ABC haben hochrangige Beamte seit Monaten über den Export von Australiens Radartechnologie Jindalee Over-the-Horizon Radar (Jorn) verhandelt. Eigentlich sollte Jorn zunächst an die USA gehen. Doch nach Donald Trumps Rückkehr ins Weiße Haus lagen diese Gespräche offenbar auf Eis. Kanada habe seine Chance erkannt und zugegriffen, hieß es von australischer Seite. Alle drei Länder sind gemeinsam mit Neuseeland und Großbritannien auch über die sogenannte „Five Eyes“-Partnerschaft, über die die Nachrichtendienste der Länder Informationen austauschen, eng miteinander verbunden.

Der neue kanadische Regierungschef Carney habe „über Nacht“ mit seinem Amtskollegen Anthony Albanese gesprochen, meldete die australische Seite. Dann sei er in das arktische Territorium Nunavut geflogen und habe den Kauf australischer Hightech-Militärausrüstung im Wert von sechs Milliarden Kanadischen Dollar (3,8 Milliarden Euro) verkündet. Das Radarsystem, das „über den Horizont“ reicht, wie Carney es formulierte, ist ein militärischer Radar, der es Kanada ermöglicht, „Bedrohungen aus der Luft und von See über unserer Arktis schneller und aus größerer Entfernung zu erkennen und darauf zu reagieren“. Es werde „die Sicherheit aller Kanadier gewährleisten“, so Carney. Außerdem investiert Ottawa weitere 420 Millionen Kanadische Dollar (268 Millionen Euro), um Kanadas ganzjährige Militärpräsenz in den nördlichen Regionen zu stärken.

Schlüsselkomponente zur Modernisierung

Mit dem neuen Radarsystem ersetzt Ottawa ein veraltetes System, das noch aus der Zeit des Kalten Krieges stammt. Gleichzeitig soll aber auch das gemeinsame amerikanisch-kanadische Projekt North American Aerospace Defense Command (Norad) unterstützt werden, das als das modernste der Welt gilt und eine großflächige Überwachung von Schiffen und Flugzeugen in bis zu 3.000 Kilometern Entfernung ermöglicht. Die kanadische Pressemitteilung bezeichnete Jorn als Schlüsselkomponente des Modernisierungsplans von Norad. Die Fähigkeiten des neuen Radarsystems würden dazu dienen, „Bedrohungen im gesamten Norden zu erkennen und abzuwehren“.

Jorn ist so konzipiert, dass es ein hochfrequentes Funksignal himmelwärts in Richtung der Ionosphäre, eine Schicht der Erdatmosphäre, die zwischen etwa 60 und 1.000 Kilometern Höhe liegt, sendet und dort nach unten bricht, um ein Ziel zu erfassen. Das Echo des Ziels gelangt dann auf ähnlichem Weg zurück zu einem separaten Empfängerstandort, wo die empfangenen Daten zu Echtzeit-Tracking-Informationen verarbeitet werden – eine entscheidende Funktion für die Überwachung der weiträumigen Seewege im Norden Australiens.

Herausfordernde Sicherheitspolitik

Wie wichtig ein Schritt wie dieser für Kanada ist, machte die Konrad-Adenauer-Stiftung bereits in ihrer früheren Bewertung der Lage deutlich: Durch den Wiederaufbau russischer maritimer Kapazitäten nach dem Kalten Krieg und die parallel forcierten chinesischen Ambitionen, die US-amerikanische Hegemonialmacht vielerorts herauszufordern, ändere sich auch die Bedeutung der Arktis sowohl für die USA als auch für Kanada signifikant. „Das stellt beide Arktisanrainerstaaten in ihrer Sicherheitspolitik vor große Herausforderungen“, so die Stiftung.

Carney nutzte die aktuelle Pressemitteilung aber auch für einen Seitenhieb auf seinen südlichen Nachbarn, nachdem Trump wiederholt davon gesprochen hatte, Kanada zum 51. Bundesstaat der USA zu machen. „Kanada wird ein starker, sicherer und souveräner Staat bleiben“, verkündete der kanadische Regierungschef. „Kanada ist und bleibt ein arktischer Staat, und wir können unsere Souveränität und Sicherheit in der Region niemals als selbstverständlich betrachten.“