Nein, nach der Musik einer Rentnerband klingt „Hackney Diamonds“ wahrlich nicht. Ganz im Gegenteil. Auf ihrem neuen Album legen die drei verbliebenen Rolling Stones – Mick Jagger, Keith Richards und Ron Wood – eine Energie und Spielfreude an den Tag, die vielen halb so alten Musikern fehlt. „Lass die Alten weiter glauben, dass sie jung sind“, singt Jagger in einer Strophe der hervorragenden Blues-Ballade „Sweet Sound Of Heaven“. Es klingt wie das inoffizielle Motto dieser legendären Rockband.
Ganze 18 Jahre sind seit „A Bigger Bang“, dem letzten Studioalbum, vergangen. Seitdem tourten die Stones um den Globus, veröffentlichten das Covers-Album „Blue & Lonesome“ und ein paar Singles. „Wir haben viel aufgenommen, aber es fehlte der Druck“, sagt Jagger gegenüber der dpa. „Es gab weder eine Deadline, noch hat der Produzent es vorangetrieben.“ Irgendwann verlor der Sänger die Geduld.
„Ich hab zu Keith gesagt: Lass es uns anders machen, weil das nicht in die richtige Richtung zu laufen scheint“, erzählt Jagger, der seit den 1970er Jahren hinter den Kulissen de facto der Boss ist. „Lasst uns eine Deadline festlegen. Lasst uns ins Studio gehen, das mit einem anderen Produzenten machen und dann so arbeiten, wie wir das früher getan haben, sodass wir es zu einem bestimmten Zeitpunkt fertig haben.“ Wenige Monate später war „Hackney Diamonds“ im Kasten und der Frontmann zufrieden. „Wir waren nur eine Woche zu spät dran, das war also nicht schlecht.“
Erste Platte mit Steve Jordan
Nach dem Tod von Schlagzeuger Charlie Watts ist „Hackney Diamonds“ das erste Album mit dessen Nachfolger Steve Jordan. Watts hatte ihn noch selbst empfohlen, als es ihm gesundheitlich schon nicht mehr so gut ging. Menschlich wiegt der Verlust von Watts schwer. Musikalisch ist der Wechsel am Schlagzeug aber zugleich eine Chance. Denn der 66-jährige Jordan bringt frischen Schwung rein.
„Es ist ein ganz anderes Gefühl mit einem anderen Schlagzeuger in der Band zu spielen. Er verändert die Dynamik maßgeblich“, bestätigt Jagger. „Er trommelt viel härter als Charlie, lauter, deutlich lauter.“ Das fiel schon bei der Tournee zum 60. Bandjubiläum auf – und bei der ersten Single „Angry“. So viel Dampf auf dem Kessel hatten die Rolling Stones zuletzt auf ihrem Album „Dirty Work“.
Charlie Watts ist auf „Hackney Diamonds“ ebenfalls zu hören. Zwei Tracks wurden vor seinem Tod aufgenommen. Das mitreißende, tanzbare „Mess It Up“ besticht mit kräftigem Groove. Und mit „Live By The Sword“ reisen die Rolling Stones in der Zeit zurück. Neben Watts spielt nämlich der ehemalige Stones-Bassist Bill Wyman mit, der von 1962 bis 1993 zur Band gehörte. Obendrein sitzt Elton John am Klavier.
Unterhaltsames Stimmenduell
Bei „Sweet Sound Of Heaven“ sitzt Stevie Wonder an den Tasten. Die soulige Blues-Ballade ist ein Highlight des Albums. Wenn Lady Gaga zu singen beginnt, emanzipiert sich die neue, siebeneinhalb Minuten lange Single vom alten Stones-Klassiker aus dem Jahr 1969. Im Finale liefern sich der 80-jährige Jagger und die 37-jährige Lady Gaga ein unterhaltsames Stimmen-Duell.
Füllmaterial gibt es auf „Hackney Diamonds“ nicht. Die Rolling Stones haben laut Jagger viele Songs aufgenommen und dann aus der Masse die Klasse sondiert. Mit Erfolg. Großen Anteil an der klanglichen Revitalisierung der Stones hat zudem Erfolgsproduzent Andrew Watt.
Mit dem letzten der zwölf neuen Songs schließt sich gewissermaßen der Kreis. Der „Rolling Stones Blues“ ist eine Coverversion von Muddy Waters’ „Rollin’ Stone“, jenem Lied, das der Band vor 61 Jahren ihren Namen gab. Jagger singt und bläst die Mundharmonika, Richards spielt Gitarre. Mehr nicht. „Wenn man all die anderen Songs auf dem Album gehört hat, all die verschiedenen Musikstile, dann kommt man quasi dort an, wo wir angefangen haben. Ein schöner Abschluss.“ (dpa)
De Maart
Herrlich und ein Genuss.
Von Satisfaction bis heute, es war und ist immer noch eine faszinierende Zeitreise mit ihnen mit grandiosen Konzerten.