Formel-1

10. Juni 2012 22:50; Akt: 10.06.2012 23:00 Print

Hamilton Sieger im Reifen-PokerHamilton Sieger im Reifen-Poker

Siebtes Rennen, siebter Sieger. Weil Sebastian Vettel seine Pole Position nicht bis ins Ziel retten konnte, durfte in Kanada der nächste ran. Lewis Hamilton jubelte über den ersten Saisonerfolg.

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Spannende Formel-1-Saison: Beim siebten Rennen der siebte Sieger. (Bild: dpa)

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Sebastian Vettel hat sich beim Reifen-Poker von Montréal durchreichen lassen und sogar das Podium verpasst. Dafür jubelte Lewis Hamilton noch in seinem Rennwagen mit dem Union Jack und holte sich nach seinem ersten Saisonerfolg das Siegerküsschen von Freundin Nicole Scherzinger ab.

Auf den Tag genau fünf Jahre nach seinem ersten Formel-1-Erfolg fuhr der Brite am Sonntag im McLaren beim Großen Preis von Kanada wie entfesselt und raste auch zur WM-Gesamtführung. "Ich möchte diesen Sieg meinen Fans widmen. Was für ein großartiges Gefühl. Ich habe jede Minute genossen", sagte der 27-Jährige nach seinem dritten Triumph in Montréal. Als siebter Pilot trug er sich in die Siegerliste dieses Jahres ein. Zudem sorgten der Franzose Romain Grosjean im Renault und der Mexikaner Sergio Perez auf den Plätzen zwei und drei für die Fortsetzung der Formel Unberechenbar.

Weltmeister wird nur Vierter

Vettel schaffte es nur noch auf Rang vier vor dem bisherigen WM-Führenden Fernando Alonso im Ferrari. "Man hat gesehen, dass die Reifen nicht mehr gehalten haben, was sie lange versprachen. Ich konnte die Rundenzeiten nicht mehr mitgehen. Das war die richtige Entscheidung", erklärte der Deutsche den ungewöhnlichen Stopp kurz vor Ende des Rennens. "Hätte, wenn und aber - hätten wir es früher gewusst, hätten wir es anders gemacht." Immerhin verdrängte der 24-Jährige noch den lange Zeit führenden Spanier Alonso im Ferrari.

"Ich denke, das war ein gutes Wochenende für uns und wir haben wichtige Punkte geholt", sagte der Hesse dennoch. "Wir haben viel gelernt." Hinter Hamilton (88 Punkten) und Alonso (86) rangiert er mit 85 Zählern an dritter Stelle. Seine gute Laune hatte er nicht verloren und sprang mit seinem Teamkollegen Mark Webber nach dem Rennen ins Wasser des St-Lorenz-Stroms.

Kein Chaos-Rennen

Kein Regen wie im vergangenen Jahr und auch keine zweistündige Pause - aber am Ende reichte es für Vettel und Red Bull wieder nicht zum ersten Sieg auf dem Circuit Gilles Villeneuve. Dabei hatte er beste Vorarbeit geleistet und ungeachtet des Verbots des löchernden Unterbodens an seinem Wagen die Konkurrenz im Qualifying dominiert. Als dann am Sonntag bei fast 30 Grad und herrlichem Sonnenschein über der Île Notre Dame die Roten Ampel ausgingen, verteidigte der Doppelweltmeister souverän seine Pole.

Nur eines gelang ihm nicht: Widersacher Hamilton und auch WM-Vordermann Alonso abzuschütteln, die von den Rängen zwei und drei auch in den WM-Lauf in Nordamerika gestartet waren. Von dem Dreierpack kam Vettel als erster zum ersten Reifenwechsel in die Box. Die Zeit nur mäßig, die Quittung: Nachdem Hamilton eine Runde später neue Pneus aufziehen lassen hatte, reihte sich der Weltmeister von 2008 vor den Titelträger der vergangenen beiden Jahre. Dass sich danach Alonso nach seinem Boxenstopp an die Spitze setzte, machte Hamilton noch in derselben Runde wieder rückgängig.

Vorfolger auf Distanz gehalten

Hamilton hielt seine Verfolger auf Distanz - bis zum zweiten Reifenwechsel in der 50. Runde. Der Stopp verlief nicht optimal. Alonso und Vettel blieben auf der Strecke, Hamilton reihte sich hinter ihnen ein. Doch mit den frischen Reifen fuhr der Brite eine schnellste Runde nach der anderen.

Während der Spanier und der Deutsche sich scheinbar mit nur einem Boxen-Stopp ins Ziel retten wollten, holte Hamilton Sekunde für Sekunden auf. In Runde 62 schnappte er sich Vettel. Kurz danach fuhr der Heppenheimer noch einmal an die Box und fiel zunächst auf Rang fünf zurück. Als nächstes schnappte sich Hamilton sechs Durchgänge vor dem Ziel Alonso. Mit abgefahrenen Reifen musste der Spanier dann auch noch Grosjean, Perez und Vettel ziehen lassen. Hamilton raste indes ungefährdet nach 305,207 Kilometer in 1:32:29,586 Stunden zum 18. Sieg seiner Karriere.

(dpa/Tageblatt.lu)