Die Aktualitätsstunde zur Grundschule am Donnerstag war spätestens seit dem Morgen nicht mehr aktuell. Denn die Reform des Referendariats (Stage) in der Grundschule, die im Zentrum der Debatte stehen sollte und von den Gewerkschaften seit längerem gefordert wurde, findet auch ohne das Zutun des Parlaments statt.

Mehrere Medien hatten bereits am Morgen über die Eckdaten der Reform informiert. Das zur größten Überraschung der Abgeordneten. Seinen Meinungsumschwung hatte Unterrichtsminister Claude Meisch nach einem rezenten Treffen mit den Gewerkschaften mitgeteilt. Die Stage-Zeit wird für die angehenden Lehrer mit abgeschlossener Berufsausbildung ab kommendem Jahr auf ein Jahr gekürzt. Die schriftliche Arbeit („mémoire“) wird abgeschafft.

Lediglich eine Prüfung in Gesetzgebung muss abgelegt werden. Betreuung und Beratung der Berufsanfänger sollen verbessert werden. Der Stage-Zeit schließt sich ein Vertiefungsjahr mit individuell angepasstem Weiterbildungsangebot an. Eine Bewertung bzw. ein Examen ist nicht vorgesehen.
Die Aktualitätsstunde war von David Wagner („déi Lénk“) beantragt worden. Und das bereits vor einem Monat, präzisierte er. Hätte sie im Februar stattgefunden, wäre sie noch aktuell gewesen, so ein sichtlich erboster Abgeordneter. Man habe den Minister auch in den Ressortausschuss Schule eingeladen, um das Thema zu erörtern, ebenfalls ohne Erfolg. Das Parlament werde vor vollendete Tatsachen gestellt, empörte sich Wagner. Das sei keine Art und Weise, mit der Chamber vorzugehen.

Harte Kritik von der CSV

Ähnlich harte Worte für das Verhalten des Ministers fand CSV-Fraktionschefin Martine Hansen. Die wichtigste Frage sei, was während des Praktikums angeboten wird. Ihrer Ansicht nach zweifle der Minister die Qualität der von der Uni.lu angebotenen Abschlüsse für angehende Lehrer an. Sie sollten überprüft werden.

Die entsprechende CSV-Motion wurde einstimmig angenommen. Das Bildungsangebot während des Praktikums sollte das an der Hochschule angeeignete Wissen vertiefen und ergänzen, so Josée Lorsché („déi gréng“).

Die Debatte im Parlament sei in Übereinstimmung mit Letzterem verschoben worden, sagte Claude Meisch. Man habe sich zuvor mit den Akteuren vor Ort treffen wollen. Anders als in der Grundschule wird die Stage-Zeit für die Sekundarschullehrer zwei Jahre betragen.

Diese Lehramtsanwärter hätten zwar einen Abschluss in ihrem Fach, aber nicht unbedingt die erforderten pädagogischen Kenntnisse, so Meisch.

 

 

 

Kommentieren Sie den Artikel


Please enter your comment!
Please enter your name here