20. April 2017 09:10;Akt: 20.04.2017 09:12

Klappe zu, Kiosk weg

STILLER ABSCHIED

Ein kleines Stück Luxemburger Geschichte verabschiedet sich leise. Der "Kiosk", erst als Verkaufsstelle, dann als Kunstgalerie, hatte seit den 60ern eine Ecke an der "Pont Adolphe" geziert. Doch das Häuschen ist zu marode, um es wieder aufzubauen. Und nun?

 (Bild: Tageblatt-Archiv)

Seit den 1960er Jahren war der Kiosk gleich an der Adolphe-Brücke nicht wegzudenken. Während vielen Jahren gingen hier Zeitungen, Magazine und so manche Süßigkeit über den Tresen. Dann kam der Verkauf langsam zum Stillstand, bis die Messageries Paul Kraus das von Pierre Stumper entworfene Gebäude völlig leer stehen ließ.

Anfang der 2000er fiel der Kiosk dann der „Association internationale des critiques d’art“ (AICA) ins Auge. Mitten im Herzen der Stadt könnte die frühere Verkaufsstelle doch ideal sein, um das Interesse der Luxemburger für die Werke junger, erst beginnender Künstler zu wecken. AICA einigte sich mit den Besitzern, mietete den Kiosk und von 2005 bis 2013 fanden zahlreiche Ausstellung hier ein zeitweiliges Zuhause.

Kein Platz

„Auch im Ausland gibt es kleine, einräumige Ausstellungsräume, in denen junge Künstler Fuß fassen können. Der Kiosk hat allerdings, durch die Vitrinen, etwas ganz Besonderes. Eine Ausstellung für einen Raum zu konzipieren, wo alles einsehbar ist, war eine einzigartige Erfahrung. Gleichzeitig mussten wir es nicht rund um die Uhr überwachen. Die Kunstwerke waren durch die Vitrinen geschützt“, erklärt Lucien Kayser, Präsident der AICA.

Nun musste der Kiosk im Zuge der Renovierungsarbeiten an der Brücke abgebaut werden. „Uns war sehr schnell klar, dass er nicht wieder aufgebaut werden konnte. Wegen seines Zustands, aber auch wegen dem fehlenden Platz“, erklärt Kayser. Infrastrukturminister François Bausch und Kulturminister Xavier Bettel sprechen in ihrer gemeinsamen parlamentarischen Antwort auf die Frage des Abgeordneten Marc Angel ebenfalls davon, dass bei dem Abbau des Pavillon 'Kiosk' festgestellt wurde, dass dieser in einem sehr schlechten und baufälligen Zustand sei und dass eine Konservierung oder eine Instandsetzung nicht möglich sei. Deswegen wolle man sich zusammen mit der AICA und der Stadt Luxemburg auf einen Platz für einen neuen Kiosk einigen.

Neue Projekte

Während der Bauarbeiten waren die Ausstellungen der AICA in einen Container gleich neben der provisorischen „blauen Brücke“ umgezogen. „Es war zwar nicht wirklich dasselbe, aber wir sind dankbar, dass die 'Ponts et chaussées' auch an uns gedacht haben, als die Arbeiten beschlossen wurden“, meint Lucien Kayser lachend. Auch hätte man es bedauert, dass mit dem Kiosk auch ein Stück Architektur-Geschichte verschwunden sei. Doch man freue sich auf die neuen Projekte.

„Wir sind gerade dabei, mit der Stadt und dem Ministerium nach Lösungen zu suchen, deswegen kann ich im Moment nur relativ vage von der Zukunft sprechen“, führt der Präsident der AICA aus. „Es wird derzeit in Erwägung gezogen, ob der Container auf der Terrasse neben der Passerelle im Bahnhofsviertel kurzfristig untergebracht werden kann.

Außerdem wird davon gesprochen, dass bei der Instandsetzung der place de la Constitution und dem Elektrizitätswerk vielleicht ein Eckchen für uns herausspringen könnte. Wir würden uns dann mit dem 'Ordre des architectes et des ingénieurs-conseils' (OAI) zusammentun, um das Projekt auszuschreiben.“

Jessica Oé

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