Die Ukraine-Affäre ist nicht nur die Affäre von Donald Trump. Sie ist auch die Affäre von Rudy Giuliani. Denn schon Monate vor dem ominösen Telefonat des US-Präsidenten mit dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj hatte sich Trumps privater Anwalt intensiv um möglicherweise belastendes Material aus der Ukraine über Ex-Vizepräsident Joe Biden bemüht, Trumps potenziellen Herausforderer bei der Wahl 2020.

Die Rolle Giulianis wird deshalb auch im Mittelpunkt der Kongressuntersuchung zu einem möglichen Amtsenthebungsverfahren gegen Trump wegen Amtsmissbrauchs stehen, welche die US-Demokraten gestartet haben. Mehrere Ausschüsse des von der Opposition kontrollierten Repräsentantenhauses forderten den 75-jährigen Trump-Intimus in rechtlich verbindlicher Form auf, ihnen seine Dokumente zur Ukraine-Affäre bis spätestens 15. Oktober auszuhändigen. Die Ausschüsse untersuchten das „Ausmaß, in dem Präsident Trump die nationale Sicherheit gefährdet hat, indem er die Ukraine dazu drängte, sich in unsere Wahl 2020 einzumischen“, schrieb der demokratische Vorsitzende des Geheimdienstausschusses, Adam Schiff, in einem Brief an Giuliani. Die Untersuchung gehe auch „glaubwürdigen Anschuldigungen“ gegen Giuliani nach, wonach dieser als „Beauftragter“ Trumps agiert habe, um dessen „persönliche politische Interessen durch einen Amtsmissbrauch“ voranzutreiben.

Im Zwielicht der Ukraine-Affäre scheinen die Zeiten ewig her, als Giuliani noch als Lichtgestalt verehrt wurde. Nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 hatte sich der damalige New Yorker Bürgermeister als besonnener Krisenmanager hervorgetan. Die Talk-Queen Oprah Winfrey adelte ihn damals als „Bürgermeister von Amerika“. Heute ist Giuliani hingegen eine Figur, die viel Spott auf sich zieht – nicht zuletzt wegen seiner oft fahrigen Fernsehauftritte. Für Trump-Gegner ist Giuliani eine Reizfigur, seit er sich im Wahlkampf 2016 vehement für den heutigen Präsidenten ins Zeug legte.

Giuliani hoffte damals darauf, dafür mit dem Posten des Außenministers belohnt zu werden. Dass Trump ihm den Job verweigerte, richtete aber offenbar keinen tieferen Schaden in ihrem Verhältnis an. Im April 2018 engagierte Trump den früheren Strafverfolger als seinen Privatanwalt. In dieser Funktion focht Giuliani gegen die Untersuchungen des Sonderermittlers Robert Mueller zu den Russland-Kontakten von Trumps früherem Wahlkampfteam an. Dass diese Ermittlungen für den Präsidenten ohne größere Konsequenzen blieben, dürfte das Band zwischen Trump und Giuliani weiter gestärkt haben. Dass nun aber stattdessen die Ukraine-Affäre Trump voraussichtlich ein Amtsenthebungsverfahren einbrocken wird, könnte dieses Band wohl noch stark strapazieren. Ein von der Washington Post zitierter Regierungsmitarbeiter wies Giuliani die Verantwortung für den ganzen Ukraine-Schlamassel zu: „Rudy – er hat das alles gemacht.“

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