Man darf es ruhig zugeben: Als Journalist tut es durchaus auch mal gut, kritischen und wohlreflektierten Schülern gegenüberzusitzen, die einem erklären, dass man hinter die Fassade eines jeden schauen muss und erst dann fähig wird, die wahren Kämpfer innerhalb unserer Gesellschaft zu erkennen.

In derartigen Momenten ist der einzige Wermutstropfen, dass diese Heranwachsenden teils noch nicht wählen dürfen, obwohl sie eine Reife beweisen, die man bei vielen wahlberechtigten Erwachsenen vergebens sucht. Umso tragischer, dass diese genau das, was die Jugendlichen feststellen, nämlich dass man an der Oberfläche kratzen muss, verdrängen oder auch nicht wissen wollen. Ihre Stimme geben sie demjenigen, der – obwohl das Gesetz es verbietet – die besten Snacks auf der Braderie bereithält, die meisten Biere auf dem „Dëppefest“ ausgibt, oder vielleicht auch noch dem Charming Boy, der ähnlich wie die Moderatoren von Astro TV so tut, als könne er die Gedanken wildfremder Menschen lesen.

Dass man mit einem derart verantwortungslosen Verhalten nicht die eigene, sondern die Zukunft der folgenden Generationen zerstört, zeigen nicht nur der Brexit, sondern zahlreiche andere Phänomene weltweit.

Es wird Zeit, auf die Greta Thunbergs dieser Welt zu hören, denn das Haus brennt definitiv. Und zum Löschen reicht Geld allein nicht.

9 Kommentare

  1. Merci fir des Zeilen. Den 15 März rifft ons Jugend och zu enger Manifestatioun an der Staat op, déi sech um Greta sengem Engagement inspiréiert an d’Klima an den Klimaschutz als Thema huet. Flott ze gesinn dass sech verschidden Jugendlëcher trauen den üblechen, genormten Kader ze sprengen an sech fir eng besser Welt wëllen ansetzen, och zu Letzebuerg!

  2. Dat ass eng begréissenswert Initiativ vu verantwortungsbewosste Jugendlechen, virop d’Greta Thunberg, e jonkt Meedchen, dat duerch säi couragéiert Engagement den Nobelpreis verdingt hätt. Hat ass nët nëmmen e Beispill fir seng Altersgenossen, och a besonnesch fir d’Politiker, déi mengen, si géifen sou Villes wëssen an hätten d’Wouerecht geparkt. Leider huet d’Vergangenheet bewisen, dass dëse jugendlechen Elan nët lang unhält. Spéider geet deen Idealismus fleeten, well si mat enger Wierklechkeet konfrontéiert ginn, déi vu purem Materialismus an Opportunismus geprägt ass. Fir si ass keng Plaaz an der pragmatescher, festgefuerener politescher Landschaft , wou si nët fir voll geholl ginn. An da sëtzt d’Résignatioun an, well ee mierkt, dass een eleng mat engem Appel un d’Vernunft wéineg bewierke kann. Trotzdeem, ass ët der Méi wert , op d’Strooss ze goen a sech ze engagéieren fir eng besser Welt. A wann ët nëmmen ass, dass ee sech der Virworf nët ze maache brauch, näischt ënnerhol ze hunn. Vill ze vill Leit hu schons résignéiert a si passiv ginn.

  3. Während der Unterrichtszeit “für das Klima” demonstrieren (was in etwa so sinnvoll sein dürfte wie “gegen Regen” zu demonstrieren), aber nicht auf Ferien in Dubai und Antalya oder eine Shoppingtour per Billigflieger in New York verzichten wollen. Wo sollen schliesslich sonst die tollen Urlaubs-Selfies herkommen, mit denen man in Socialmedias protzen kann? A propos Selfie: Das Handy, das offenbar jedem unter 30 fest mit der Hand verwachsen ist besteht zu grossen Teilen aus Metallen und seltenen Erden, deren Förderung alles andere als umwelt- und somit auch “klima”freundlich ist. Und bei dem Hype um die 16jährige Greta weiss ich nicht mehr ob ich lachen oder weinen soll. Aber gut, wer in einer Welt lebt, in der Strom aus der Steckdose kommt und Unterhaltungselektronik auf Weihnachtsbäumen wächst, mag all das mitmachen. Voilà. So viel zu dem, was die schweigende Mehrheit zu diesem Thema zu sagen hätte, wenn man sie mal fragen würde.

    • Sie meinen doch nicht ernst dass die Jugendlichen intelligenter sind als Erwachsene? Sie können ja nachts mal durch die Dörfer fahren wenn die Jugendlichen ihre getunten Spielzeugkisten rumkutschieren. Ich empfehle Fötz. Ja, Autos sind heute Spielzeuge. Oder in den benachbarten Wald gehen, wo ein paar Gruppen Cannabis rauchen und Bier trinken. Oder sie können ja ein paar Lehrer fragen wie man in Esch und andersnorts ADS gestörten Kindern Unterricht gibt. Oder die etlichen Verschwörungstheorien die rumkursieren, weil man ja immer an der sogenannten Oberfläche kratzen muss, wie sie sagen. Oder wenn ein Opa im Supermarkt mit “Yo Dude” angesprochen wird, die Manieren zeigen sich auch im Vorstellungsgespräch. Und im Sommer können sie sogar in Leudelange auf der Tankstelle Cannabis mit rauchen, da wird nämlich während der Sommerferien gecampt. Ja richtig, mit Campingstühlen.

      • @Cornichon: Kann es sein, dass Sie mich mit Herrn Wohlfart oder Garde-fou verwechseln…? Ich bin insofern bei Ihnen, als auch ich Kinder und Halbwüchsige, die noch nicht einmal die Geschwindigkeit eines herandonnernden LKWs richtig einschätzen können, niemals als Mitentscheider bei wichtigen Menschheitsfragen zu akzeptieren vermag. Kinder sollen gefälligst mit Bauklötzchen spielen, nicht mit unserer Zukunft. Und Greta Thunberg erinnert mich an Maos jugendliche Rote Garden während der Kulturrevolution oder die “Little Spies” aus Orwells “1984”. “Hört auf die Jugend” – war das nicht seit jeher ein Schlagwort für jedweden Totalitarismus?

        • Ech schreiwwen hei iwwert responsabel Jugendlecher, z.B. Studenten, jong Leit mat enger gewësse Bildung, nët vu Kanner, déi nët wëssen ëm wat ët geet an déi mat där ganzer Problematik iwwerfuerdert sinn. An ech generaliséieren nët, well nët all Jugendlecher sinn e sou wéi Dir an @ Cornichon se an en Deppe geheit. Den Deckel drop an zou! Ët ass wéi bei den Erwuessenen och, ët ginn e souer an ët ginn och där anerer. An ech hunn och nët behaapt, déi Jonk wäre méi intelligent wéi déi Erwuessen, awer vill vun hinnen sinn och nët méi domm, well d’Erwuessesinn huet absolut näischt mat Intelligenz ze doen, héichstens mat méi Erfahrung, an dann nach. Ausserdeem ginn ët och vill, ganz vill Erwuessener, déi d’Vitesse an Distanz nët aschätze kënnen. Iwwregens huet keen Diktator je op déi Jugendlech gelauschert, am Géigendeel, si hunn se manipuléiert a mëssbraucht. Oder si Dir der Meenung, Är Kanner an Enkelen wiere méi domm wéi hir Altersgenosse vu fréier?

      • Man vergleiche, bitte schön, das Vorgehen der jugendlichen Demonstranten gegen die Umweltverschmutzung ( und nicht gegen den Regen ) und das der randalierenden erwachsenen Gelbwesten. Während die einen sittsam und friedlich demonstrieren , schrecken die anderen ( nicht alle ) nicht vor Gewalt zurück. Und wenn Kinder unter ADS leiden, ist das nicht ihre Schuld. Und wenn jemand den Mut aufbringt an der ” sogenannten Oberfläche ” zu kratzen, dann sind es doch eher die Jugendlichen, mit ihren Idealen, als die oft älteren Spiessbürger. Nicht alle Kinder und Jugendlichen rauchen Cannabis und werden ihren älteren Mitbürgern gegenüber ausfällig. Ausserdem betrachten, im Autoland Luxemburg, noch immer viele gestandene Frauen und Männer ihre Luxuslimousinen oder SUVs als ( Statussymbol ) Spielzeug. ” Alter schützt vor Torheit nicht”!

  4. @ Herr Wohlfart: Totalitäre Weltanschauungen haben die Jugend stets missbraucht? Bingo. Nichts anderes behaupte ich. Und Greta Thunberg betrachte ich in diesem Zusammenhang geradezu als Paradebeispiel. Was unsere Kinder und Enkel angeht, so halte ich sie ebenso wenig für weniger intelligent als die Kinder früherer Generationen als Sie, jedenfalls was den reinen IQ angeht. Was aber manch andere Bereiche der conditio humana, ja sogar der Fähigkeit zu simplen sozialen Interaktionen oder auch nur zum reinen, alltäglichen Daseinskampf angeht, sehe ich schwarz. In diese Beziehung haben wir uns mit den “digital natives” womöglich tatsächlich die erste Generation herangezogen, die lebensunfähiger als ihre Eltern ist.

    • Jede Generation lebt mit den Mitteln, die ihr zur Verfügung stehen. Ob das gut oder schlecht ist, ist eine andere Frage. Dass unsere Generation es in gewisser Hinsicht einfacher hatte, weil wir nicht die Ablenkungen kannten, wie das heute der Fall ist, ist unumstritten. Als ehemaliger Pädagoge und Lehrer mit einer über 30 jährigen praktischen Erfahrung, habe ich festgestellt, wie das Bildungsniveau in einem erschreckenden Masse gesunken ist. Dafür kann aber die Jugend nicht, sie ist das Opfer. Schuld daran, sind die Verantwortlichen für die Schulprogramme und die permanenten Reformen die zu nichts geführt haben. Dass es dann trotzdem noch junge Menschen gibt, die eigenständig denken und überlegen und den Mut haben ihre Meinung öffentlich kundzutun, finde ich umso begrüssenswerter, weil sie in der Minderheit sind. Man darf und soll nicht verallgemeinern und nicht vergessen, dass die Erziehung in erster Linie eine Familienangelegenheit ist. Und wenn viele junge Menschen den sozialen Ansprüchen heute nicht mehr gerecht werden, so ist das ein gesellschafliches Problem, zurèckzuführen auf die Familie, die Zelle der Gesellschaft.

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