22. März 2011 05:58;Akt: 22.03.2011 06:11

Im Zeichen von Romantik und Orientalismus

„ERINNERUNG ÄGYPTEN“

LUXEMBURG - Ägypten steht im Mittelpunkt einer Ausstellung, die noch bis zum 28. August im Rahmen des „Europäischen Monats der Fotografie“ im MNHA stattfindet.

Beduinenfrauen (um 1880) (Bild: Bible Lands Museum, Jerusalem)

Frühe Fotografien, Karten und Lithografien erlauben dem Besucher einen Einblick in die Zeit, als es noch keinen Massentourismus in dem Land am Nil gab.

Mit insgesamt drei Ausstellungen möchte das MNHA zum diesjährigen „Europäischen Monat der Fotografie“ beitragen. Zwei davon wurden Ende vergangener Woche eröffnet: Diejenige von Braco Dimitrijevic, einem der Pioniere der Konzeptkunst (auf die wir in einer späteren Ausgabe zurückkommen) und „Erinnerung Ägypten“ mit rund 130 erlesenen Objekten aus der Sammlung Dan Kyram. Ab Ende April wird dann eine weitere Ausstellung (Porträtfotografie Edward Steichens) folgen.

„Ägyptomanie“

„Erinnerung Ägypten“ entstand in Zusammenarbeit mit dem Winckelmann-Museum Stendal und dem Bible Lands Museum Jerusalem und führt den Besucher anhand von Dokumenten, die – bis auf einige wenige frühe Karten aus dem 15. bis 18. Jahrhundert – vor allem aus der Zeit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammen, ins antike Ägypten.

Es handelt sich dabei um Lithografien und um frühe Fotografien, auf denen Land und Leute festgehalten werden. Gezeigt werden einerseits Exponate, die im Rahmen wissenschaftlicher Arbeiten entstanden sind und andererseits solche, die in einem touristischen Zusammenhang stehen. Diese Bilder zeichnen ein idealisierendes, vom Westen geprägtes, romantisches Bild des Landes am Nil.

Der Tourismus in Ägypten entwickelte sich, nachdem zu Anfang des 19. Jahrhunderts infolge der Wiederentdeckung der Pharaonenschätze in Europa eine regelrechte „Ägyptomanie“ ausbrach, bereits sehr früh und so entstand auch recht schnell ein Markt für Erinnerungsfotos.

Die ersten Fotografen reisten schon gegen 1840 in das nordafrikanische Land. Sie hielten sowohl die Pyramiden und die Tempelanlagen fest, vermittelten aber auch (für den europäischen Geschmack geschönte) Eindrücke vom damaligen Leben in Ägypten. Die Ausstellung verdeutlicht zudem, wie nahe die frühe Fotografie der Kunstform der Lithografie teilweise war. Beide Medien standen damals in direkter Konkurrenz zueinander, und am Anfang war die Fotografie durchaus das teurere Souvenir für den Ägyptenreisenden.

„Erinnerung Ägypten“ im MNHA ist so unter gleich mehreren Aspekten interessant. Nicht zuletzt auch, weil sie ein Bild der kulturellen Schätze des Landes bietet, wie man sie heute so nicht mehr vorfindet.

François Besch