Drei Jahre nach dem Flüchtlingssommer 2015 ist Europa ein anderes geworden. An vielen Orten hat es aber auch zu seiner Normalität zurückgefunden – auch wenn diese bei der Gegenüberstellung von Fotos durchaus grausig wirken kann. Das Thema Migration hingegen ist noch längst nicht überwunden. Die Diskussionen zwischen den Staaten der Europäischen Union laufen weiter.

Auf beiden Bildern liegt ein Mann am Strand. Beide Bilder sind am selben Ort aufgenommen worden, auf der griechischen Insel Lesbos, am Strand des Städtchens Petra. Beide Männer liegen mit dem Gesicht im Sand. Aber der eine sonnt sich, der andere ist tot und wird von einem Einheimischen an Land gezogen.

Zwischen den Bildern liegen drei Jahre. Sie überbrücken die Zeitspanne vom Flüchtlingssommer 2015 bis zum Sommer 2018, der an den meisten europäischen Stränden wieder einer ist wie alle anderen auch – ein Tourismussommer.

Vor drei Jahren täglich 5.000 nach Lesbos

Noch vor drei Jahren, am Höhepunkt der Flüchtlingskrise, kamen zeitweise bis zu 5.000 Menschen vor allem aus dem kriegsgebeutelten Syrien auf der griechischen Ferieninsel Lesbos an. Ob es Hunderte oder Tausende waren, die die Überfahrt über das Ägäische Meer nicht überlebt haben, lässt sich kaum mehr abschätzen.

Die Bilder offenbaren einerseits, wie sehr Europa die Krise mittlerweile überwunden hat. Die Flüchtlings- und Asylpolitik der Europäischen Union dominiert zwar weiterhin die Nachrichten und den politischen Diskurs. Trotzdem sind die Zahlen der Menschen, die den gefährlichen Weg über das Mittelmeer antreten, stark zurückgegangen.

Spanien löst Italien ab

Spanien hat mittlerweile Italien abgelöst, wenn es darum geht, wo die meisten Menschen ankommen. Der Deal mit der Türkei und der Wegfall der Balkanroute hatten den Fokus bereits vor Jahren weg von Griechenland und hin nach Italien verlagert.

Dass das Dublin-Verfahren ausgedient hat, nachdem Menschen in dem Land Asyl beantragen müssen, in dem sie zum ersten Mal europäischen Boden betreten, hat die deutsche Kanzlerin Angela Merkel am Wochenende bei ihrem Besuch beim spanischen Regierungschef Pedro Sánchez überraschend freimütig in die Mikrofone der anwesenden Journalisten gesagt.

Marokko wird wichtigstes Transitland

Bei der Reise der deutschen Kanzlerin hat sich aber noch etwas anderes herauskristallisiert. Marokko ist inzwischen zum wichtigsten nordafrikanischen Transitland geworden. Von der marokkanischen Küste legen die meisten jener Boote ab, die derzeit in Spanien – dem neuen Hauptmigrationsziel am Mittelmeer – antreiben.

Deswegen soll Marokkos Küstenwacht nun mit europäischer Hilfe aufgerüstet werden, verkündete Sánchez. Er verhandelt derzeit im Auftrag der EU mit Rabat. Merkel, die gerade mit Sánchez eine Allianz in der Migrationspolitik schloss, unterstützt diesen Plan.
Das Ziel lautet, nun auch die Migrationsroute übers westliche Mittelmeer zu blockieren. Zugleich sollen die Schlepperbanden, die aus der Migration ein zynisches Geschäft machen, bekämpft werden. Dies ist vermutlich der einzig gangbare Weg, wenn man verhindern will, dass sich jeden Monat weiterhin Tausende auf die lebensgefährliche Mittelmeerreise Richtung Spanien begeben.

Marokko und die Menschenrechte

Dazu soll eine europäische Grenzschutz-Partnerschaft mit Marokko vereinbart werden. Zudem soll das Land mit finanziellen Hilfen und mit Ausrüstung für die marokkanische Küstenwacht unterstützt werden. Ähnliche Kooperationsabkommen wurden von der EU bereits mit der Türkei und Libyen besiegelt. Und diese waren nicht wirkungslos: Die Migration übers Mittelmeer hat sich spürbar verringert.

Vor dieser Grenzschutz-Zusammenarbeit mit Marokko müssen freilich noch ein paar Fragen geklärt werden. Etwa hinsichtlich der Menschenrechte, bei deren Umsetzung Marokko – wie alle nordafrikanischen Staaten – erhebliche Defizite hat. Hier wird die EU darüber wachen müssen, dass auch in Marokko die Kontrolle der Migration im Einklang mit den internationalen humanitären Standards geschieht.

Doch allein mit der Abschottung Europas werden die Ursachen von Flucht und Migration nicht beseitigt. Man wird Perspektiven in den Herkunftsländern schaffen müssen. Vor allem auf dem afrikanischen Kontinent, von dem derzeit die meisten in Spanien ankommenden Migranten stammen. Das dürfte eine der größten entwicklungspolitischen Herausforderungen Europas sein.

3 Kommentare

  1. wei’ni faenken mer dann mol un an deenen Laenner Eppes ze machen datt d’leit an hiren Laenner eng Arbecht krei’en an kennen do bleiwen ? Hir Infrastrukturen obbauen !

    Een europae’eschen Marshall Plang fir Afrika !

  2. Afrika huet zenter den 60er Joer em dei 2000 Milliarden Eur un Entwecklungshöllef kritt plus all dei Suen vir privat Initiativen vun kirchlecher an privat Organisatiounen! Resultat, leider Null, esou gur stinn verschidden Regiounen schlechter do ewei wärend der Kolonialzeit an daat leisst vir Zukunft net hoffen.

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