Etwa 1.000 Teilnehmer, die bei bestem Wetter und zwei Tage vor der Europawahl ihre Stimme für eine bessere Klimapolitik erheben – für die Organisatoren von Youth for Climate ist die Demonstration auf der Roten Brücke ein voller Erfolg.

“Wow, damit hätte ich selber kaum gerechnet”, schreit Joe Mersch auf der Roten Brücke gegen die Sprechchöre hinter ihm den Reporter vom Tageblatt an. Der 16-Jährige gehört zum harten Kern der Organisatoren von Youth for Climate, die die heutige Demonstration vorbereitet haben. Er habe vielleicht mit etwa 500 Leuten gerechnet – jetzt stehen auf einer Fahrspur der Roten Brücke etwa 1.000 junge und nicht mehr ganz so junge Menschen, halten Schilder hoch mit Slogans wie “There is no Planet B” oder “The climate is changing, why can’t we”. Immer wieder werden sie per Megafon zu Sprechchören aufgefordert – und lassen sich nicht lange bitten: “What do we want?”, schallt es aus dem Lautsprecher. “Climate Justice!” ist die vielstimmige Antwort.

Was ist Klimagerechtigkeit?

“Ich glaube, dass immer noch sehr viele Leute zwar wissen, dass sich was ändern muss, aber einfach nichts machen”, sagt eine Demonstrantin. “Ob aus Faulheit oder weil sie sich nicht informieren wollen.”

Dass die drohende Klimakatastrophe oder der Protest dagegen einfach ignoriert wird, wollen die Demonstranten nicht mehr hinnehmen: Darum gehört zur heutigen Aktion auch die teilweise Blockade der Verkehrsachse, auf der am Freitagnachmittag viele Menschen auf dem Weg von der Arbeit ins Wochenende sind: Manche im Bus oder in der Tram, viele sitzen aber auch alleine in Autos, die für sich schon fast Busgröße haben. Zahlreiche Menschen heben aufmunternd den Daumen, während sie an der Demonstration vorbeifahren. Ob sie sich überlegen, jetzt auch mal öfters den öffentlichen Transport zu nehmen, kann man leider nicht erfragen. Wirklich zum Erliegen kommt der Verkehr nicht: Alle paar Meter steht ein Polizist und achtet darauf, dass die Demo in “ihrer” Spur bleibt.

Losgegangen war die Demo mit etwa 400 Teilnehmern, die sich gegen 14.30 Uhr an der Philharmonie versammelt hatten. Dort und während sie Richtung Rote Brücke marschierten, kamen immer mehr Teilnehmer dazu – bis die Polizei schließlich vermelden konnte, dass etwa 1.000 Menschen dabei seien.

Die zwei Schülerinnen Anne und Lea sind hier, weil sie keine Lust haben zu studieren, dann vielleicht ein paar Jahre zu arbeiten und dann war es das: “Wir sind hier für unsere Zukunft.”

Der heutige Aktionstag richtete sich aber explizit nicht nur an Schüler: Auch Erwachsene waren eingeladen, mitzumachen. Der Rentner Eugene folgte dem Ruf – auch für seinen Sohn: “Der kann heute nicht hier sein.” Eigentlich fällt Eugene nicht mehr unter das Wahlpflichtalter von 75 Jahren, aber er wird am Sonntag genauso im Wahllokal sein, wie heute auf der Roten Brücke: “Die jungen Menschen sagen, dass wir nichts tun. Deswegen bin ich heute hier.”

 

 

 

Rote Brücke

Die Blockade der Roten Brücke musste die Demonstration übrigens nicht selbst einrichten: Bei ihrer Ankunft war die linke der zwei Fahrspuren, die vom Kirchberg in die Altstadt führen, bereits mit Sperrbalken abgetrennt. Die Polizei war also gewissermaßen Erfüllungsgehilfe der Protestierenden.
 

 

 

Zahl der Demonstranten

Zur Zahl der Streikenden gibt es unterschiedliche Angaben: Während die Organisatoren stellenweise von 2.000 bis 2.500 Teilnehmern sprechen, liefert die Polizei niedrigere Zahlen. Sie meldet, es seien um die 1.000 Demonstranten gewesen.

 

 

10 Kommentare

  1. 1000 Demonstranten, etwa die Schülerzahl eines hautstädtischen Lyzeums. Und wieviele Lyzeen haben wir im Grossherzogtum? Mittlerweile dürfte auch der letzte Depp über Sinn und Zweck dieser Freitagsdemonstrationen informiert sein. Liebe Schüler und Studenten, ihr verfolgt zwar ein hehres Ziel und eure Aktion ist begrüssenswert, aber macht diesem Schuleschwänzen ein Ende. Glaubhafter wäret ihr, wenn ihr auch in den bevorstehenden Ferien, mit dem gleichen Eifer, auf die Strasse gehen würdet. Ihr wolltet keinen Mega-Stau heute verursachen, wenn das nicht eure Absicht war, dann hattet ihr euch den falschen Platz ausgesucht. Eine Demonstration sollte nie auf Kosten von Unbeteiligten gehen.

  2. Leider bleibt die Frage, was “Klimagerechtigkeit” denn nun ist, unbeantwortet. Heisst das, dass die Schüler für eine gerechte Verteilung des Luxemburger Regen- und Matschwetters auf andere Länder demonstrieren? Wenn für uns im Gegenzug ein paar Wochen mehr Sonne drin sind, vielleicht keine üble Idee. Fragt sich nur, wie dies praktisch umgesetzt werden soll…

  3. was tun diese jungen menschen selbst für “klimagerechtigkeit”? verzichten sie auf die sause in lloret de mar nach dem abschlussexamen, mit ryanair natürlich, weil´s so schön billig ist ? oder auf das neueste Iphone? kein fast food mehr, wegen der fleischproduktion? also mal ne to do-liste ausarbeiten.

    • Entschuldigung! Viele dieser jungen Menschen können sich vieles nicht leisten und müssen auf manches verzichten. Nicht alle sind verwöhnte Schnösel, denen man eine ” to do” oder eine “not to do “-Liste vorlegen müsste.

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